Bear’s Den – Red Earth & Pouring Rain

Lass mal ’ne Runde drehen

Bands verändern sich und ihre Musik im Laufe der Zeit. Häufig fallen die Veränderungen vergleichsweise dezent aus und manchmal geschehen auch tiefgreifende Umbrüche. Nicht immer sind diese gewollt. Die Londoner Band Bear’s Den hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Die Band war in den letzten drei Jahren permanent auf Tour und wuchs zu einer sechsköpfigen Liveband, während sich der Kern der Band auf zwei reduzierte. Bear’s Den sind heute Sänger Andrew Davie und Multiinstrumentalist Kev Jones. Ihr aktuelles Album Red Earth & Pouring Rain ist geprägt von den Erfahrungen dieser Zeit.

„Being on the road so much pushes friendships to the limit“

Die Höhen und Tiefen, die eine Band während einer so langen Tournee erlebt, sind extrem. Psyche und Privatleben werden stark belastet. Von diesen Erfahrungen ist das zweite Album von Bear’s Den – Red Earth & Pouring Rain geprägt. Die deutlichste Veränderung in der Musik von Bear’s Den ist die Abwesenheit des Banjos und eine Wendung hin zum Sound der 80er. Gut erkennbar sind Spuren der Eagles, Dire Straits, The National, aber auch Bruce Springsteen.

Red Earth & Pouring Rain

Dies ist ein unterwegs-Album. Folk ist hier und da zu erahnen, aber es dominiert eher am Pop-Rock orientierte Musik. Poetisch gekonnt, angelehnt an Kurzgeschichten von Raymond Carver und Robert Altman, verarbeitet die Band in ihren Texten Kindheitserinnerungen und Herzschmerz, Neubeginn und Trennung und auch große Fragen nach dem Sinn. Die Lyrics des Albums sind über weite Strecken deutlich eloquenter, als sie es bei Alben dieses Genres sonst häufig sind. Bear’s Den vermeidet erfolgreich das große Pathos und konzentriert sich auf das Wesentliche, das Gefühl und die Atmosphäre.

Unterwegs sein, um anzukommen

Red Earth & Pouring Rain klingt nach „unterwegs“, nach Aufbruch, aber auch nach dem Wunsch anzukommen. Die Musik gibt kein Ziel vor, keinen Zweck oder Auftrag, sondern begleitet. Es klingt nach einer entspannten Autofahrt, durch die Stadt oder über die Bahn. Es hat einen inneren Drang nach Bewegung, ist unterschwellig rastlos, ohne aufgeregt oder hektisch zu sein. Es ist Musik, zu der Gedanken anfangen abzuschweifen. Das Album ist perfekt komponiert und strukturiert. Wie gut das Album tatsächlich gemacht ist, fällt vor allem dadurch auf, dass eben nicht auffällt, welcher Aufwand betrieben wurde. Die Songs funktionieren, ohne sich aufzudrängen.

Bear’s Den haben ein sanftes und wirklich schönes Album geschaffen, das auf vielen Ebenen gefällt. Die Songs sind harmonisch und die sanften Synthies und zurückhaltenden Gitarren erzeugen eine nachdenkliche Atmosphäre, ohne depressiv zu sein, sondern im Gegenteil, im Kern ausgeglichen und optimistisch, die eine deutliche Aufbruchsstimmung transportiert. Ein Album, das eindeutig ins Auto gehört

Bear’s Den – Red Earth & Pouring Rain erscheint am 22.07.2016 bei Caroline / Universal

Offizielle Webseite von Bear’s Den

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Bear’s Den Tourdaten 2016

23.10. Hamburg – Docks
24.10. Köln – Essigfabrik
26.10. Berlin – Huxleys
27.10. München – Theaterfabrik

Bear’s Den – Gabriel (Official Audio)

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