Black Country Communion – BCCIV

Hughes, Sherinian, Bonham und Bonamassa wollen es nochmal wissen

Rock wurde im Laufe der Jahre immer mehr zum Mainstream. Diesem auch ökonomischen Zwängen geschuldeten Druck haben sich immer mehr Bands gebeugt. Siehe Nickelback. Black County Communion ist eine der Bands, die wenigstens versuchen, ihrer Sache treu zu bleiben und ihr Ding durchziehen und nicht zuerst auf Radiotauglichkeit schielen. BCCIV ist das vierte Album der Supergroup bestehend aus Glenn Hughes (Bass, Vocals, Deep Purple), Derek Sherinian (Keyboard, Dream Theater, Alice Cooper, Billy Idol, Kiss), Jason Bonham (Schlagzeug, Led Zeppelin) und Joe Bonamassa (Gitarre, Vocals).

Black Country Communion teilt das Schicksal etlicher sogenannter „Supergroups“. Wenn die Anzahl Alphatiere zu groß wird, fliegt das Ganze irgendwann auseinander. 2013 gab die Band nach Afterglow ihre Trennung bekannt und niemand war wirklich überrascht. Umso größer das Erstaunen, als die Band Ende 2016 plötzlich ein neues Album ankündigte. BCCIV markiert einen neuen Aufbruch. Wählte Black Country Communion bisher gerne Krähen und düstere, unheilschwangere Motive für ihre Cover, dominiert BCCIV ein rotgoldener Phönix.

BCCIV

Die Aufbruchsstimmung zieht sich wie ein roter Faden durch das Album. Hart, roh und ungeschliffen verbindet Black Country Communion altbekannten oldschool-Rock mit modernen Ansätzen und Spielweisen. Die Kombination von typisch amerikanischem Hard Rock und britischem Rock’n’Roll unterstreicht nachdrücklich, dass Rock noch lange nicht tot ist, nur manchmal etwas seltsam riecht.

Die Band hat sich eine beachtliche Reputation als Gruppe überragender Songwriter erarbeitet, deren Konzerte zum Besten gehören, was im Rock zurzeit überhaupt geboten wird. Die Erfahrung und das herausragende Können jedes einzelnen Bandmitglieds ist wohl auch Ursprung und Ansporn dafür, sich ständig selbst übertreffen zu wollen. BCCIV ist Inbegriff genau dieser Motivation. Das Album ist in fast jeder Hinsicht härter, Riff-betonter und auch selbstbewusster als die vorangegangenen Alben der Band.

BCCIV klingt nach einer Band, die nicht bloß aus vier Einzelmusikern mit herausragendem Können und Talent besteht, die sich gegenseitig etwas beweisen wollen. Mit diesem Album scheint die Band zueinander gefunden zu haben und sich gegenseitig ernst zu nehmen. Es wirkt, als hätten Hughes, Sherinian, Bonham und Bonamassa ihre Egos in den Griff bekommen, und sich gegenseitig mal zugehört. Infolge dessen wächst Black Country Communion musikalisch deutlich.

Rockt ordentlich!

Ob man nun jede Interpretation und Spielweise mag, ist sicherlich Geschmackssache. Meine Meinung zu intensivem Einsatz der Hammond Orgel muss ich an dieser Stelle wohl nicht schon wieder kundtun. Manchem wird vielleicht auch der nahezu unvermeidbare Exkurs in die (Un-)Tiefen des Blues langsam etwas aus den Ohren raushängen. Dennoch ist die Musik großartig. Sie ist packend und hat was zu sagen. Die Songs geben und nehmen und die Band spielt deutlich erkennbare als Organismus zusammen, folgt mal dieser, mal jener Idee.

Der vielleicht bemerkenswerteste Aspekt an BCCIV sind die immer wieder auftauchenden progressiven Passagen. In beinahe jedem Song tauchen sie auf und lassen die Band ihre Musik in interessante Richtungen bewegen. Auch das trägt viel dazu bei, dass BCCIV tatsächlich aktuell und modern ist, ohne sich diesen Eindruck durch Effektgeräte oder modisches Mixing / Mastering zu erkaufen. Gerade weil die Band ihr Handwerk auf ganz hohem Niveau zeigt (alles andere wäre auch peinlich), melodisch abwechslungsreiche Songs spielt und trotzdem jede Wendung und Wandlung glaubwürdig transportiert, ist BCCIV ein starkes Album.

Black Country Communion – BCCIV erscheint am 22.09.2017 bei Mascot Label Group / Provogue / Rough Trade

Offizielle Webseite der Band

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Black Country Communion – „Collide“ – Official Music Video

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