BlutEngel: Leitbild – Ein Ideal?

Ein Leitbild

Ein Leitbild ist, wenn wir Wörterbüchern trauen, eine „mustergültige Darstellung“, ein „erstrebenswertes Ideal“. Ein Vorbild. Und Ende Februar bringt nun das Dark-Pop Projekt BlutEngel des Musikers Chris Pohl ein Album heraus, dass da Leitbild heißt. Nachdem es Anfang Dezember 2016 schon eine Veröffentlichung gab, die „Complete“, also Komplett, hieß. Doch ein gutes Stück neugierig werfe ich meine Anlage an und füttere sie mit diesem erstrebenswertem Ideal.

Zuerst überrascht mich der Umfang: Zwei CDs mit 26 Tracks in der „Deluxe“ Version, 5 CDs im limitierten Box-Set, dann inklusive dem Hörbuch „Lebe Deinen Traum“ von Chris Pohl und einer ganz exklusiven MCD mit drei speziellen Aufnahmen. Das ist… eine Menge Musik. Über zwei Stunden, schon für das Deluxe Set, noch mal drei Songs beziehungsweise 15 Minuten mehr mit der Kurz-CD aus dem Boxed Set – vom Hörbuch ganz zu schweigen. Ich plane erst mal meine Zeit neu…

BlutEngel LeitbildWas zu erwarten ist…

Das Duo aus Berlin ist bekannt für eine Musikform, die sie selbst gern als „Dark Pop“ oder auch „Gothic Pop“ beschreiben. Wer auf Leitbild jetzt Industrial zu finden hofft, wird erwartungsgemäß enttäuscht – aber seien wir ehrlich, das macht wohl keiner. Saubere, eingängige, dunkle Musik kann man erwarten, und die liefern Christian Pohl und Ulrike Goldmann auf den Punkt und vor allem in gewohnter Qualität.

Neu für mich – auch wenn wirklich eingefleischte Fans mir da vielleicht etwas voraus haben – ist der sozialkritische Ton, der in einigen Liedern mitschwingt und der Musik eine ganz neue Gewichtung mitgibt. Wunderschön markant fällt das zum Beispiel beim englischsprachigen „The Plague“ auf – „how can you sleep when the world’s on fire?“ Ja, der Track ist wahrscheinlich mein Lieblingstrack auf dieser Sammlung, obwohl die Auswahl doch umfangreich ist.

Und was ist mit….?

Auch bemerkenswert bei dieser Veröffentlichung: Lediglich sechs der Songs sind Remakes, Remixes oder Zusammenarbeiten mit anderen Musikern, der Rest sind orginale Versionen. Und schaffen trotzdem einen hervorragenden Überblick über BlutEngels Schaffensbild, vielleicht sogar noch besser als Überblick geeignet als die Nemesis, die vor einem Jahr erschien.

Aber man soll ja nicht nur über den Klee loben – habe ich mir sagen lassen. Was stört mich also an dem Album? Einen Punkt gibt es – auch wenn ich zugebe, dass es rein persönlicher Geschmack ist, und die Qualität des Albums nicht wirklich beeinträchtigt. Ich habe mir persönlich (noch) mehr gesangliche Beteiligung von Ulrike gewünscht – spätestens seit dem 2012 erschienenen Track „What you get“ reißt mich diese Kombination immer wieder vom Hocker. Klar, „Immortal“ und „One Last Time“ sind schon gut, auch die Reworked-Version von „Seelenschmerz“ mag ich, und die Duette zwischen Chris und Ulrike… aber

Zusammenfassend ein sehr hörenswertes, sehr umfassendes Werk eines Duos, die nicht von Platte zu Platte das Rad unbedingt neu erfinden will – eines Projektes, dass erwachsener wird, ohne langweilig zu werden.

Blutengel: Leitbild erscheint am 17.02.2017 bei Out Of Line (rough trade)

Webseite von Blutengel (Facebook)

Tourdaten

07.04. München, Technikum
08.04. Dresden, Alter Schlachthof
09.04. Hamburg, Docks
29.04. Erfurt, Gewerkschaftshaus
30.04. Halle/Saale, Walpurgisnacht
05.05. CH-Pratteln, Z7
06.05. Mannheim, MS Connexion Complex
07.05. Köln, Live Music Hall
12.05. Berlin, Astra
13.05. Berlin, Astrablut

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