Bring Me The Horizon – That’s The Spirit

Bring Me The Horizon schaffte mit dem 2013er Album „Sempiternal“ den Schritt über die selbstgesetzten Grenzen des Metalcore hinaus. Sänger Oliver Sykes fing an zu singen anstatt die für die älteren Alben typischen „deathgrowls“ auszustoßen. Die Musik der Band gewann deutlich an Klasse hinzu. Trotzdem blieb offen, ob die Band wachsen und erwachsen würde. Auf das jetzt veröffentlichte „That’s The Spirit“ war ich deshalb sehr gespannt.

Die 2014 als Testballon veröffentlichte Single „Drown“ ging in eine neue Richtung, lies eine mehr durchgestylte Grundnote erkennen. In einem Interview sagte Oliver Sykes, der an den Songs des neuen Albums maßgeblich mitschrieb und inoffiziell auch als Produzent tätig war, dass gerade dieser Testballon gut ankam. Seiner Meinung nach sind Produzenten zwar grundsätzlich eine tolle Sache, aber manchmal scheint es, als würden sie zu sehr versuchen, die Bedeutung ihres Jobs zu unterstreichen. Inzwischen, so Sykes, weiß die Band aber im Prinzip selber, wie das alles funktioniert. Das war der Grund, warum sie That’s The Spirit selbst produziert hat.

Bevor sich die Band ins Studio begab, standen ab Januar drei Monate Songwriting. Jordan Fish beschreibt diese Zeit als „die intensivste Zeit unserer Kariere“. Das Studio, in dem That’s The Spirit entstand, fand die Band über Google: Die Suche nach „world’s most amazing studios“ führte sie ans Mittelmeer auf die Vulkaninsel Santorini und zu Costas, einem freundlichen älteren Herrn mit weißem Haar.

That’s The Spirit ist im weitesten Sinne ein Konzeptalbum. Es geht um die dunkleren Lebenslagen. Oliver nennt es „eine hohes Lied auf die Depression“ und wie man daraus Kraft zieht und zum Licht findet. Mit der Musik des neuen Albums eröffnet sich die Band ein weites musikalisches Feld. Streicher, Bläser, „klassische“ Elemente aus dem Metal und eine ganze Menge weiterer Einflüsse. Die sind im Album mal mehr, mal weniger deutlich erkennbar.

Die Band beruft sich auf Jane’s Addiction, Panic! At The Disco und Interpol, aber mir scheinen auch Linkin Park, 30 Seconds To Mars, Radiohead und andere mehr Pate gestanden zu haben. Thematisch bleibt die Band dem Metalcore treu, allerdings entfernt sie sich weit von ihren Wurzeln, wird irgendwie erwachsener, dadurch allerdings auch „mainstreamiger“ und stellenweise weicher. That’s The Spirit zeigt eine Band in der Mitte eines beeindruckenden Transformationsprozesses. Deutlich ist zu spüren, dass die Band neue Ufer und vielleicht auch ein neues musikalisches Zuhause sucht, aber sich noch nicht ganz sicher ist, wo das zu finden ist.

Die Musik windet sich teils um von anderen Bands bekannte Richtungen und Einflüsse, die Bring Me The Horizon versucht für sich eröffnen, auszuprobieren, teil versucht sie den Spagat zwischen „alt und bewährt“ und „mal was ganz Neues“. Das Album ist sehr vielseitig und mal aggressiv, mal fast anschmiegsam, nachdenklich. Der sehr elektro-lastige Opener Doomed, das atmosphärische Follow You und das gut rocklastige Throne geben einen guten Eindruck über die Spannbreiter des Albums, wobe das Album im Detail weit vielseitiger ist, als diese drei Songs erahnen lassen. Es ist spannend zu beobachten, wie die Band versucht, sich selbst zu finden und den Weg von jugendlichen Rebellen hin zu erwachsenen Rockmusikern geht und That’s The Spirit wird vielleicht irgendwann zurückblickend als „das Umbruchalbum“ der Band gelten.

Bring Me The Horizon – That’s The Spirit ist erschienen am 11.09.2015 bei SonyWebseite der Band: http://www.bmthofficial.com/

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