Brother Dege – Scorched Earth Policy Deluxe

Brother Dege, auch bekannt als Dege Legg, kennen viele aus Quentin Tarantinos „Django Unchained“: Der Song „Too Old To Die Young“ ist von ihm. Abgesehen davon werden ihn und seine Musik nicht so viele kennen. Doch der preisgekrönte Musiker, Journalist und Autor verdient mehr Aufmerksamkeit. Ursprünglich ein Digital Mixtape, bestehend aus Demos, Mitschnitten und Coverversionen, hat Dege Scorched Earth Policy überarbeitet und es mit dem Zusatz „Deluxe“ als Album herausgebracht. Die Arbeit hat sich gelohnt.

Seine Wurzeln hat der Slide-Gitarre spielende Blues-Musiker im Punk-Rock, Underground und Metal und diese Einflüsse geben seiner Art Delta-Blues zu spielen, einen modernen Touch, holen den Blues aus dem Süden der USA ein Stück weit aus dem dunklen Kämmerchen. Scorched Earth Policy fühlt teilweise sich für mich eher europäisch an (insbesondere „Revolution“). Das Album ist nicht der typische, der „klassische“ Blues, oder besser: es ist weniger von der Art, die ich mit dem Begriff verbinde.

Der Blues von Brother Dege hat etwas Geisterhaftes, auch etwas mysteriöses, vielleicht Verwunschenes an sich. „Haunted“ würde man im Englischen sagen. Gleichzeitig ist die Musik aber auch einfühlsam, emotional berührend. Seinen Songs ist anzumerken, dass Dege ein bemerkenswerter Autor ist. Die Geschichten, die er erzählt, handeln wilden Romanzen, gescheiterten Existenzen, aber auch von gelegentlichen Besuchern aus der Geisterwelt, wie es im Bayou, in der Wildnis Louisianas, in vielen Geschichten passiert. Es sind Geschichten aus den Grauzonen des Lebens, die Dege mit bemerkenswerter Sicherheit in seinen Liedern durchschreitet.

Der erdig-atmosphärische Klang seiner Resonator Gitarre und der zurückhaltende und gleichzeitig eindringliche Gesang machen das Album zu etwas Besonderem. Scorched Earth Policy ist ein Album, das nicht durch brachiales „auf die Fresse“ umhaut, sondern seine besondere Wirkung sozusagen durch die Hintertür entfaltet. Es ist gerade das Unaufdringliche, das mir an diesem Album besonders gefällt.

Alles in Allem ist Brother Dege – Scorched Earth Policy Deluxe ein Blues Album Noir, vielleicht ein anderer Ansatz der Belebung oder auch Transformation des Souther Blues in eine neue Form des Geschichtenerzählens. Das Album ist stets nur eine Handbreit weit entfernt vom alten Blues, mit einem Ambiente, das nicht gefällig sein will, sondern aus sich selbst heraus gefällt, weil es richtig gut ist. Die musikalischen Brücken, die Dege baut, sind vielleicht nicht für jeden Die Hard Blues Fan die richtigen, aber sie sind auf jeden Fall bemerkenswerte Wege. Alben dieser Art darf es für mich auf jeden Fall gerne mehr geben.

Brother Dege – Scorched Earth Policy Deluxe ist erschienen am 06.11.2015 bei CD Baby

Webseite: http://brotherdege.com/

Brother Dege auf Tour:
12.11. Karlsruhe − JUBEZ
13.11. Marsberg − Schützenhalle
14.11. Garching − Bluesnight Bürgerhaus
15.11. Helmbrechts − Textilmuseum
16.11. Ludwigshafen − BASF Gesellschaftshaus
17.11. Fulda − Kulturkeller
18.11. Hamburg − Downtown Bluesclub
19.11. Wilhelmshaven − Pumpwerk
20.11. Isernhagen − Blues Garage
21.11. Neustadt am Rübenberge − Mensa der KGS
22.11. Bremerhaven − Pferdestall
24.11. Bad Aibling − Internationales Gitarrenfestival, Kurhaus
26.11. Bad Homburg − KUZ Englische Kirche
27.11. L-Dudelange − Bluesfestival, Opderschmelz
28.11. Nagold − Alte Seminarturnhalle

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