Bullet For My Valentine – Venom

Metal und ich sind ja nicht immer beste Freunde. Als Bullet For My Valentine ihr neues Album Venom ankündigten, war ich hin und her gerissen zwischen maßloser Begeisterung und profunder Skepsis. Soll ich? Soll ich nicht? Neugierig wie ich bin hab ich natürlich. Und nun ist es da. Nägelkauen und nervös am Bier nuckeln. Traue ich mich? Erstmal den Trailer… Ja, ok. Ich traue mich, schließlich ist das Wetter geil, die Nachbarn sind nicht da und ich hab neue Treiber also schauen wir doch mal, was da so geht.

Woha. Da flattern die Hosenbeine aber ganz ordentlich. Macht gut Schub. Venom ist zumindest nicht zurückhaltend. Das Album will laut gehört werden. Richtig laut. Dann kommt es so richtig aus dem Knick, dann entfalten die Songs ihre Wirkung so richtig. Und die ist bemerkenswert.

Bullet For My Valentine haben im Laufe ihrer Kariere eine Menge Alben produziert und waren stilistisch immer ziemlich straight. Auf Venom jedoch schauen sie deutlich weiter links und rechts über den Tellerrand. Linkin Park und 30 Seconds To Mars waren offenbar Ideenstifter bei dem einen oder anderen Song. Die Handschrift ist einwandfrei BFMV und das Ergebnis spannend. Venom ist ein Album, das mit wenig Gedresche auskommt und trotzdem ordentlich Schub macht. Es macht Spaß die Band rumrocken zu lassen und Limiter sind eh für Mädchen.

Rumrocken ist die passende Beschreibung für Venom: Die Band rockt entspannt und ausgelassen, wie ich es auf früheren Alben so nicht gespürt habe. Die Band hatte offenbar Freude beim Einspielen und der Spaßfaktor kommt authentisch rüber. Nicht jedem Hardcore-Fan wird der “neue” Stil gefallen, aber dafür fühlt sich die Band moderner an, ohne irgendwelchen “Moden” oder “Geschmäckern” hinterherzuhecheln. 30 Seconds To Mars “This Is War” war wann? 2009? Und Linkin Parks “Living Things”? 2012? Da von “Nachmachen” zu sprechen passt nicht so recht und es passt auch nicht zu dem, was Bullet For My Valentine auf Venom daraus gemacht haben.

Zu behaupten, die Band hätte sich von Grund auf neu erfunden wäre vermessen. Zu deutlich ist die “klassische” BFMV-Handschrift. Es sind ein paar Veränderungen spür- und hörbar, mal deutlicher, mal weniger offensichtlich. Was aber letztendlich zählt, ist das Resultat. Ich sagte es eingangs: Metal ist nicht immer meins, aber ich mag geil gemachte Musik, die was ‘rüberbringt. Wenn Musiker was zu sagen haben, wenn sie zeigen, dass sie was können, dann bin ich dabei.

Venom erfüllt diese Ansprüche für mich und kommt auch deshalb gut bei mir an. Ich habe Spaß beim Hören des Albums. Venom bringt einfach Bock. Es rockt und es ist sauberst eingespielt. Da wird nichts irgendwo versteckt oder vertuscht. Der Band sind ihr Können und die jahrelange Erfahrung anzumerken und die Jungs lassen das auch raus, ohne es ‘raushängen’ zu lassen, denn das hat die Band überhaupt nicht nötig. Das gefällt mir.

Bullet For My Valentine – Venom ist ein klasse gelungenes Crossover-ähnliches Metal Album, das mir gefällt, weil es authentisch ist, druckvoll und mit Freude gespielt, weil sich die Band öffnet und die Leute abholt, weil sich die Band erfolgreich gegen das Versanden in der Nische wehrt und weil die Band zeigt, was sie kann. Vielleicht hat sie bei anderen Bands Ideen abgeholt, aber die Umsetzung ist toll. Nur Kuschelmusik ist das eben nicht und beinhartes Grindcore ist es auch nicht. Manchmal vielleicht etwas nah am Nu-Metal und manchmal vielleicht einen Schubs zu charttauglich, aber da nörgle ich wirklich auf allerhöchstem Niveau.

Bullet For My Valentine – Venom erscheint am 14.08.2015 bei RCA / Sony

Webseite der Band: http://www.bulletformyvalentine.com/

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