Casualties Of Cool – entspannte Lässigkeit am Samstagmorgen

Der Morgen danach

Du bist zwar ausgeschlafen, aber doch irgendwie noch nicht ganz bei der Sache und das letzte, was Du jetzt gebrauchen kannst, ist Stress. So ganz ohne Musik geht es nicht, aber die Angst vor den „besten Hits der 80er und 90er und Besten von heute“ oder den „neuesten besten Charthits“ lässt Dich vom Radio zurückschrecken. Du kennst solche Morgen. Ich habe so einen Morgen. Oder besser: Ich hatte.

Völlig ratlos stand ich vor meinem Regal und dachte mir „was legste denn jetzt mal auf?“ Mein Blick blieb an einer Doppel CD hängen: Casualties Of Cool. Ich wusste beim besten Willen nicht, wo das Album hergekommen war und erstrecht nicht, was das überhaupt für Musik sein könnte. Ein solcher Morgen wie dieser, im Halbtran, vor dem ersten Kaffee, draußen alles grau und generell einfach zu früh für egal was, ist genau der richtige, um ein völlig unbekanntes Album auszutesten! Was kann da schon großartig schief gehen?

Casualties Of Cool

Manchmal meint es das Schicksal gut. Casualties Of Cool ist genau das richtige Album für genau diesen Morgen. Die Art von Rock, die Dir an so einem Morgen nicht auf den Sack geht, Dich aber auch nicht einschläfert. Zurückhaltend, dezent, und doch schön präsent. Musik, die wie warme Frühlingsluft einfach da ist, Dich umgibt und vor allem dadurch auffällt, wenn sie nicht da ist.

It’s cool, man

Casualties Of Cool überzeugt mit einer Lässigkeit, die eben nicht wild rocken will. Die Musik will nicht hektisch Party machen, ist nicht auf Krawall gebürstet, sondern einfach nur unglaublich entspannt und lässig. Das Album ist sehr atmosphärisch, unaufdringlich und kann auf den ersten Blick sogar beinahe belanglos wirken – aber genau dieser Eindruck täuscht.

In den Songs passiert eine Menge auf ganz vielen Ebenen, nur eben in Ruhe. Casualties Of Cool ist kein „in your face“ Album. Es ist ein leises Album, das manchmal ein wenig an Johnny Cash erinnert, immer wieder zurückhaltend mit Elementen aus Country, Jazz und Americana spielt. Es ist ein Album, wie ein schlendernder Spaziergang, ohne Eile, ohne Stress. Das macht der Kanadier Devin Townsend gekonnt und auf hohem Niveau.

Schaut man genau hin, fällt auf, dass in der Musik sehr viel passiert. Devin Townsend und Ché Aimee Dorval halten es nur nicht für nötig, damit voll auf die Kacke zu hauen. Im Gegenteil. Sie halten sich zurück, lassen die Musik einfach geschehen. Es gehört einiges an Können dazu, Musik auf so erstklassigem Level „beiläufig“ klingen zu lassen. Ja, es ist nicht das komplexeste Album aller Zeiten und vielleicht sind nicht alle Kompositionen haben das Format von Beethovens Neunter, aber hey, Musik ist dann gut, wenn sie funktioniert und wie ich eingangs schrieb: Für einen Morgen, an dem ich langsam und bitte ohne genervt zu werden musikalisch erstklassig, aber dezent unterhalten werden möchte, ist Casualties Of Cool exakt das richtige Album.

Casualties Of Cool – Casualties Of Cool ist erschienen am 15.01.2016 bei Century Media Records / Sony Music

Offizielle Webseite der Band

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