Christine Owman – Little Beast: Fragiler, Starker Tobak

Mitunter bekomme ich Musik in die Finger, die es mir sehr schwer macht. Ich möchte ja, dass Musik nicht einfach nur belanglos ist. Sie darf auch gerne einen gewissen Anspruch haben. Sie soll mir etwas sagen, etwas geben. Sie darf mich auch gerne mal fordern. Aber Musik soll mich bitte nicht mit ihrem Anspruch erschlagen. Ich möchte wenigstens die Chance haben, mich der Musik zu nähern und sie zu verstehen. Beim neuen Album von Christine Owman – Little Beast mache ich dicke Backen, denn die Chance wird mir zwar geboten, aber sie wird mir nicht auf dem Silbertablett serviert.

Little Beast ausgesprochen ist minimalistisch instrumentiert. Das Album folgt der Direktive „weniger ist mehr“. Hier ein paar Synthies im Hintergrund, da eine akustische Gitarre, dort ein wenig Cello, Violine oder Bass. Wenn die Instrumentierung kräftiger wird, an Breite zunimmt, dann geschieht das akzentuiert und mit Bedacht. Sängerin Christine Owman lässt sich bei One oft the Folks und Familar Act von Mark Lanegan (Screaming Trees, Queens of the Stone Age) unterstützen. Die beiden Stimmen verschmelzen beinahe zu einer Einheit und harmonieren hervorragend.

Trotz der spartanischen Instrumentierung des Albums ist Little Beast atmosphärisch unglaublich dicht. Diese Dichte entsteht überwiegend durch Christines Gesang. Ihre Stimme wirkt fragil und zerbrechlich, strahlt aber gleichzeitig eine eigentümliche Ruhe, Zuversicht und Kraft aus. Die Texte sind nicht minder herausfordernd: „And if I don’t believe your perfect comfort – don’t let it convince you too – Until the fear has left my body – I don’t want it to eat you“ (Fear & the Body) Oder auch: „Trying to win using your familar act – beating her harder for each word you lack“ (Familar Act)

Das Album ist für mich auch deshalb schwierig, weil es in seiner Art so vollkommen anders ist als ich erwartet habe. Little Beast ist in meiner Sammlung ein absolutes Ausnahmealbum. Ich nenne es „schwierig“, denn es ist fordernd und herausfordernd in seinem Anspruch und ich bin mir sicher, dass einige wird von dem Album überfordert sein werden. An der herausragenden musikalischen und lyrischen Qualität des Werkes ändert das nichts.

Little Beast ist schwere Kost. Die anspruchsvollen Themen (Schwangerschaft und Drogensucht, Gewalt in der Ehe etc.) machen das Verdauen nicht leichter. Darum wendet sich das Album von Christine Owman eher an Zuhörer, die bereit sind, sich darauf einzulassen, denen es um den Kern der Musik geht und nicht um Blendwerk und eine kurzweilige Show. Ich befürchte allerdings, dass das wohl nicht allzu viele sind.

Christine Owman – Little Beast ist erschienen am 18.01.2013 bei Glitterhouse / Indigo

Webseite der Künstlerin: http://christineowman.com/

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