Clicks – Glitch Machine – Wotse…?

Aus… woher kommen die?

Elektronische Musik aus Polen – Ja. Klar. Ganz bestimmt. Neuer Trabbi oder was? Ungefähr in die Richtung gingen meine Gedanken, als mir Clicks – Glitch Machine auf den Tisch gelegt wurde. Neugierig war ich ja schon. Ich mein, mal ehrlich: Elektronische Musik aus Polen? Fällt Dir da aus dem Stand jemand ein? Mir nicht.

Erstmal Kaffee holen, die Anlage glüht sich warm. Ich mache es mir auf dem Sofa gemütlich. Den Kaffeepott in der einen, die Fernbedienung in der anderen Hand beschließe ich zu erkunden, was Clicks zu bieten haben. Ich wähle irgendeinen Track aus und drücke Play. Joah, das geht wohl. Das kann man auch mal in lauter. Stop gedrückt, Anlage hochgedreht auf „Hallo Nachbarn, ich hab neue Musik!“ und ganz von vorne.

Als sich der Staub langsam wieder legt, ist der Kaffee kalt. Was zur Hölle war denn DAS?! Ollen. Ich hatte mit EDM gerechnet. Oder House. Aber das da ist mit einem Wort: klasse. Das klingt, als hätten sich Nitzer Ebb, Rotersand, Combichrist und Daft Punk zusammen getan, eine Party gefeiert und dabei die Bandmaschine mitlaufen lassen.

Wundervoll schräge Ideen. Absolut kein Kindergeburtstag, sondern ein schönes Brett: mal handfest, mal tanzbar, mal einfach nur „aufs Maul“. Astrein. Etwas Retro, ja. Erinnert mich auch an Electronic World Transmission und so, aber fuck me, ich find genau sowas arschgeil! Mehr davon!

Über sich selbst sagt das Trio:

„We are the unwanted nerds disturbing the boring high-brow cocktail party. We are the glitch in the system. We are the electronic jolt, overloading the mainframe fuse. We Are Clicks.“
(Clicks)

Denen war langweilig. Neben Clicks haben Kr-Lik, Tomek und Lukaz noch andere Projekte und Clicks ist quasi das Ventil, um mal Dampf abzulassen. Störimpulse wollen sie in der Dunklen Elektro-Szene setzen? Jungs, im Ernst, macht um Himmels Willen weiter damit. Clicks – Glitch Machine ist seit ganz langer Zeit endlich mal wieder ein Elektro-Album, das weder Girlie-Party noch düster-Hipster-Dance ist. Es ist weder dieses abgenudelte Trashelektrozeugs, das manche mit Gewalt in die Clubs prügeln wollen, noch ist es verkopft und „oben raus“. Glitch Machine ist einfach richtig geil und meilenweit weg von dem üblichen, schnarch langweiligen, Elektro-Zeug, das mir sonst gerne untergeschoben wird.

Clicks – Glitch Machine macht Spaß. Ja, man merkt dem Album ein wenig an, dass es „nur“ eine „Demo“ ist und nicht 10000% durchkonzeptioniert. Ja, die Tracks sind vielleicht nicht der letzte Hype und immer wieder fühlt man sich an irgendwas erinnert, das man „woanders“ schonmal gehört hat. Aber gerade das ist geil an dem Album. Es ist ein deutlicher und für die Szene leider auch notwendiger Fingerzeig dahin, wo Musik im Dunkeln Spaß gemacht hat, damals, bevor irgendjemand seltsame Ideen hatte und das ganze einfach nur noch öde und langweilig wurde. Das beste Album aller Zeiten? Sicher nicht. Aber es ist genau richtig, es ist gut und eine sehr willkommene Abwechslung.

Clicks – Glitch Machine ist am 22.01.2016 erschienen bei Dependent / Alive

Webseite von Clicks: http://www.clicks-music.com/

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