Cobain: Montage of Heck – Dokumentation eines Untergangs

Das Kind im Star

Cobain: Montage of Heck ist die erste voll autorisierte Verfilmung des Lebens von Kurt Cobain. Regisseur Brett Morgen zeichnet zusammen mit Cobains Tochter Frances das Leben eines Stars nach, dessen gebrochenes, zerrissenes Innere vielen erst mit seinem Suizid 1994 im vollen Umfang klar wurde. Aufgewachsen in Aberdeen, Washington (USA) wird Kurt Cobains frühe Kindheit als eigentlich ganz gewöhnlich dargestellt. Er war aufgeweckt, aktiv und auch kreativ. Es gab wenig, in dem sich Kurts Kindheit grundlegend von der Kindheit anderer Kinder der späten 1960er und frühen 1970er Jahre unterschied.

Vorsichtig versucht der Film Licht auf die Ereignisse von Kurt Cobains Leben zu werfen, die ihn prägten, in denen sein Leben eine andere Wendung nahm. Dabei wird weniger besonders auf die Ereignisse als solche, sondern auf die Gedanken gelegt. Der Film bedient sich umfangreicher Bild- und Tondokumente aus Kurts Leben, lässt aber auch seine Eltern, Bandmitglieder und Menschen aus seinem Umfeld zu Wort kommen.

Kritisches und Kritik

Kurt CobainEinerseits ist es gut, dass Cobain: Montage of Heck die Aussagen unkommentiert für sich stehen lässt. Als Zuschauer kann man sich über das Gesehene und Gehörte so seine eigenen Gedanken machen und zu eigenen Schlüssen kommen. Jedoch ist das gleichzeitig auch ein Problem der Dokumentation. Sie hinterfragt die gemachten Aussagen nicht. Egal was behauptet wird, oder auch spekuliert, es wird so stehen gelassen, nicht überprüft, keine Belege geliefert aber auch nicht widersprochen.

Aus Gerüchten und Meinungen einzelner werden so vielleicht Wahrheiten, die durch die Dokumentation zementiert werden. Das gilt auch für Geschichten aus Kurt Cobains Leben, denen immer wieder offen widersprochen wird, die umstritten sind. Z. B. die Episode mit dem Übergewichtigen Mädchen in seiner Jugend oder seine Magenprobleme. Viele Fragen werden nicht gestellt, die der Dokumentation vielleicht mehr Tragkraft und Glaubwürdigkeit gegeben hätten. An vielen Stellen bleibt unklar, was Fiktion, Spekulation und was Fakt oder faktenbasiert ist. Insbesondere die als Cartoon realisierten Einspielungen entziehen sich dieser Beurteilung, auch wenn gerade in diesen immer wieder schön dargestellt wird, wie Kurt seine Songs entwickelt hat.

Die Welt des Kurt Cobain

Cobain Montage of Heck Kurt Cobain very youngImmer wieder werden private Filmaufnahmen gezeigt, Mitschnitte aus Konzerten und Interviews eingeblendet. Häufig werden diese Aufnahmen mit Kurts eigener Musik unterlegt, teils Versionen, die so manchen vielleicht unbekannt sind. Einige dieser Aufnahmen, besonders während der ersten Hälfte der Dokumentation, sind verstörend, rau, brutal und hart. Sie werden flankiert durch seine nicht minder verstörenden Zeichnungen.

Kurt Cobain wirkt überfordert, erdrückt von einer Welt, die er so nicht will. Zunehmend entsteht das Bild eines zutiefst verstörten, haltlosen Menschen, dessen Jugend geprägt ist durch seine Nonkonformität und seiner Suche nach einem Weg, seinen Gedanken Form und Ausdruck zu verleihen, während sein Leben stets am Abgrund entlang zu führen scheint.

Cobain: Monatge of Heck stellt die die Rolle der Musik für Kurt Cobain in den Vordergrund und verdeutlicht, dass Musik für Kurt Cobain nicht nur Mittel zum Zweck war. Er war kein auf Erfolg gecasteter Star. Seine Musik entstand aus ihm selbst heraus, war vielleicht im Kern fundamentaler Ausdruck seiner selbst. Immer wieder unterstreichen Passagen der Dokumentation die Bedeutung, die Kurt seiner Musik beigemessen hat.

Medien und Drogen

Nirvana TourfotoDie Dokumentation lässt keinen Zweifel daran, dass Kurt Cobain die Medienmaschinerie gehasst hat. Immer wieder wird das durch Briefe und Mitschnitte betont. Der Konflikt zwischen dem Erfolg und der Erkenntnis plötzlich Teil von dem zu sein, was er eigentlich verabscheut, zeichnet sich immer deutlicher ab. Dennoch kann er sich den Medien nicht verschließen, ist auf sie angewiesen.

Gleichzeitig werden die Rolle, die Drogen in seinem Leben spielten, und auch die Auswirkungen und Folgen zunehmend deutlicher dargestellt. Was als vielleicht harmlose Kifferei begann, endet in einer ausgeprägten Heroinsucht. Sein Leben außerhalb des Scheinwerferlichts erscheint zunehmend abschreckend, selbstzerstörerisch. Erst durch die Geburt seines Kindes zwingt er sich selbst, mit den Drogen aufzuhören – wahrscheinlich um den Preis, seine Depressionen nicht mehr kompensieren zu können.

Es ist, was es ist

Cobain: Motage of Heck Kurt CobainInsgesamt ist Cobain: Monatge of Heck keine skandalöse oder enthüllende Dokumentation. Es werden weniger grundlegend neue Erkenntnisse über den Menschen Kurt Cobain vermittelt. Vielmehr wird bekanntes neu beleuchtet und mit Details angereichert. Das Bild wird deutlicher. Dazu werden eher unbekannte Filmschnipsel aus seinem Leben und dem Bandalltag gezeigt. Das Gesamtbild von Cobain und der Band Nirvana wird vervollständigt, erhält mehr Tiefe.

Cobain: Montage of Heck versucht keine Antworten auf alle Fragen. Es ist eine Ergänzung, keine kritische Auseinandersetzung mit der Person oder dem Leben von Kurt Cobain, mit seinen Motiven, seinen Zielen. Die bleiben trotz aller Details oft unscharf, vage, Gegenstand von Spekulation. Trotzdem werden viele Fragen von der Dokumentation gestellt und beantwortet. Es wird vielmehr gezeigt, dass das Leben als Star für Kurt Cobain viel zu oft weder Glamour noch Glitter war. Als Mensch blieb er viel zu oft af der Strecke. Dieses Leben war extrem belastend – physisch wie psychisch – und manchmal zerbrechen Menschen an dieser Belastung.

Cobain – Montage of Heck erschien am 28. Mai 2015 bei Universal Pictures

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