CousCous – Tales

Musik ist ein Teil von Dir, wenn sie Dich nach Hause trägt

Ich hab ein Faible für bestimmte Spielarten des Rock. Auch elektronische Musik versteht mich immer wieder zu faszinieren. Und ich mag Filmmusik. Aber ich mag auch Musik, die einfach für sich selber steht, die mit ihrer eigenen Sprache zu mir spricht. Musik, die eine innere Qualität und eigene Größe hat, die ich nicht in Worten des Bombasts oder der Lautstärke ausdrücken kann, weil sie anderes funktioniert. CousCous – Tales ist eines dieser Alben.

Der Tag war eigentlich ganz anders geplant. Eigentlich sollte eine lange Liste Dinge erledigt werden. Stattdessen ringe ich um Worte, um zu beschreiben, was Tales alles macht. Oder eben nicht. Und was es anders macht, denn „anders“ ist bei diesem Album eine Menge. Das Duo CousCous aus Dresden erzählt auf „Tales“ ein Märchen und dieses Märchen liegt der CD bei. Als Buch. So richtig aus Papier. Zum Lesen. 160 Seiten. Hardcover. Selten war ein „Booklet“ mächtiger und selten war es bezaubernder.

Das Duo CousCous aus Dresden (Deutschland) erzählt die fantastische Geschichte eines Jungen, der Schmetterlinge im Bauch hat. Nicht im übertragenen Sinne, sondern tatsächlich echte Schmetterlinge, die je nach Stimmung anders aussehen und aus seinem Mund herauskommen.

Das Stechen war weg. Sein Körper entspannte sich. Seine Brust hob sich, und gegen den Sog frischer Luft, die endlich in seine Lungen strömte, glitt aus seinem Mund ein großer, dunkelblauer Schmetterling.
 
Langsam, wie in Zeitlupe, schwebte der Falter vor seinem Gesicht. Seine nachtblauen Flügel glänzten. Der Junge spürte, wie sich in ihm eine Wärme ausbreitete, vom Herzen ausgehend und wohlig prickelnd bis hinunter in seine Zehen fließend. Mit einem Flügelschlag wandte sich das Insekt plötzlich ab und flatterte hinauf, über den Tisch, bis kurz unter den bronzenen Leuchter oben an der Decke.

Die Geschichte um den namenlosen Jungen ist spannend, einfühlsam, mal humorvoll, mal nachdenklich. Sie ist tiefgründig und berührt unterschwellig schwierige Fragen. Es ist eine Geschichte, ein Märchen, das Kinder vielleicht besser verstehen, intuitiver aufnehmen und durchdringen als Erwachsene. Es ist eine schöne Geschichte, die zu lesen Spaß macht, weil sie unmittelbar das Kind in mir anspricht und weckt.

Und dann ist da die Musik von CousCous. Für sich alleine ist das Album „Tales“ einfach nur schön. Nicht glattgebügelt schön. Diese Musik hat eine innere Schönheit, die an Kate Bush und Tori Amos erinnert. Es ist Musik, die vor allem durch die filigrane und doch ausdrucksstarke Stimme von Tine Schulz und Moritz Eßinger am Piano getragen wird. Diese Kombination ist zwar nicht selten, aber die Umsetzung ist heute selten, denn das Duo verlässt sich mit wenigen Ausnahmen auf die Magie einer Musik, die ihre Kraft aus dem Wechselspiel zwischen Stimme und Klavier bezieht.

CousCous Promo 2016 1 MIm Laufe des Albums entfaltet sich diese unglaubliche, nahezu magische Wirkung immer stärker. Je mehr sich das Duo von den anfänglich poppig unterfütterten Kompositionen entfernt, desto stärker wird der Sog. Je mehr sich das Duo auf sich selbst verlässt, den Beckenrand loslässt, Stimme und Klavier wirken lässt, desto stärker und mächtiger werden die Songs. CousCous überzeugen dann restlos, wenn sie sich ganz auf sich selbst verlassen und sie die Musik für sich selbst sprechen lassen. Das bedeutet nicht, dass die symphonisch untermalten Passagen oder die „echten“ Popsongs schlecht wären. Ganz im Gegenteil. Das Gesamtwerk ist hervorragend, bezaubernd und rundherum schön. Diese Schönheit strahlt aber dann in einem ganz besonders Glanz, wenn sie Raum bekommt, die Flügel ausbreitet und fliegt.

Songs wie „River“ oder „Daughter“ sind Kompositionen, die dem Schreiber dieser Zeilen den Atem rauben. Sie machen Können und Verständnis von Musik plastisch, greifbar, begreifbar, erlebbar. Hier laufen CousCous zu voller Größe auf, lassen los und berühren Sphären, die in meinem ganz privaten Universum ausschließlich Ausnahmekünstlern wie Kate Bush vorbehalten sind.

CousCous Buchkleid 2016 5 MCousCous – Tales ist ein Album, das völlig aus dem Rahmen fällt. Es ist gar nicht die Art Musik, die man mir sonst zutraut, aber es ist genau das, was mich immer wieder an Musik fasziniert: die Vielseitigkeit, das unerwartet Großartige und ganz besonders das, was meine Fantasie in Bewegung setzt, „The Light Fantastic“, wie der großartige Sir Terry Pratchett es einst nannte. Das ist es, was mich an Musik begeistert und davon finde ich in CousCous – Tales unglaublich viel.

Du suchst ein Album, das ballert, dass problemlos vor sich hin dudelt und einfach so passiert? Geh weiter, es gibt hier nichts für Dich zu sehen. Wenn Du aber ein Gesamtpaket suchst, dass mehr ist und mehr kann, wenn Du etwas suchst, zu dem Du immer wieder mal zurückkehren kannst, das Dir nicht nur ein Erlebnis weit über den Moment heraus anbietet, sondern dazu auch Erinnerungen und Träume, dann ist dieses Werk für Dich gemacht.

„You haven’t really been anywhere until you’ve got back home.“
(Sir Terry Pratchett, The Light Fantastic)

CousCous – Tales erscheint am 06.05.2016 im Selbstvertrieb bei CousCous, Album via Purecords / oomoxx

Offizielle Webseite der Band

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Aktuelle Tourdaten von CousCous

24.06.2016 Berlin/Jugenwiderstandsmuseum
25.06.2016 Dresden/Elbhangfest
26.05.2016 Petersberg/Museum
17.07.2016 Zwickau/Erlebnisgarten

CousCous – Snow White

CousCous TALES Trailer

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