Damien Done – Stay Black

Den Fokus richtig setzen

Minimal verbinde ich eher mit experimenteller, elektronischer Musik. Bei handgemachter Rockmusik denke ich bestimmt nicht zuerst an diese auf das Elementare reduzierte Form. Unter dem Namen Damien Done veröffentlicht Damien Moyal (Shai Hulud, Culture, Morning Again, As Friends Rust) Stay Black, ein Album und eine EP, die genau das sind: Reduziert auf das Wesentliche, konzentriert auf Wirkung und Atmosphäre.

Früh morgens an der Anlage zu hocken, bei Temperaturen jenseits aller Vernunft, mit der Aussicht auf noch viel mehr Hitze, ist vielleicht nicht die beste Idee. Aber Damien Done – Stay Black passt wie Arsch auf Eimer zu genau diesem Klima. Die Musik schmeckt wie abgekochte Luft, ist drückend schwülwarm und verschwitzt. Stay Black transportiert das Gefühl, das alles irgendwie zu viel ist. Jede Bewegung ist Anstrengung und jede Anstrengung ist zu viel. Eigentlich ist alles zu viel. Das Wetter, Atmen, das Leben und sowieso alles.

Stay Black

Damien Done vermengt auf Stay Black gekonnt verschiedene Genres, mit Betonung von Rock’n’Roll, Akustik und Punk. Die Musik erzeugt Bilder, die manchmal zu einem Roadmovie durch die glühende Sonne Mexikos passen, oder zu irgendeinem gottverlassenen Kaff am Rande der großen Salzwüste in Utah. Staubig, dreckig, gleißende Schneidbrennersonne und tiefschwarze Schatten, die auch keine Erleichterung bieten. Dabei ist die Musik weit weg von Tex Mex oder typischer Western Musik. Damien Black spielt eher mit Ahnungen, Bildern und Eindrücken, die aus eine Tarantino Film stammen könnten.

Ursache und Wirkung

Die Wirkung ist phänomenal atmosphärisch, dicht und stimmig. Die Kontraste zwischen den Songs sind hart und doch gleichzeitig auch sehr harmonisch. Eine verträumte, surreale Stimmung zieht sich durch Album und EP, wobei die EP in sich kraftvoller klingt. Die Extrempunkte zwischen hell und dunkel sind das wundervoll positive „Lighten Up“, das leider nur auf auf der Download-Version der EP enthalten ist und And Now The Rain. Im Spannungsfeld dazwischen erinnern manche Passagen an roh zusammengesetzte Golems, andere sind beinahe an den Stil eines Johnny Cash erinnernde „Travelling Songs“. Die Zusammenstellung der Songs wirkt auf den ersten Blick nahezu inkonsistent. Here Comes The Plague klingt neben I Want To Solve The Problems In Your Dress, als wären es Stücke verschiedener Alben. Aber es ist gerade dieser Kontrast, durch den ein auf Stay Black ganz besonderer Reiz entsteht.

Insgesamt ist Stay Black zusammen mit der EP ein bemerkenswertes Werk, das gerade wegen seiner unkonventionellen Herangehensweise sehr gefällt. Die Musik ist authentisch, hat eine stimmige Schwere in sich, die weder aufgesetzt noch plakativ ist. Musikalisch überzeugend werden Erinnerungen an Blues, Funk und auch Country geschickt mit Andeutungen moderner Effekte vermischt und zaubern eine Geschichte, die für sich selbst steht und hervorragend zur brütenden Hitze des Sommers passt.

Damien Done – Stay Black erscheint am 08.07.2016 bei Demons Run Amok Entertainment

Offizielle Webseite von Damien Done (Bandcamp)

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Damien Done – Lighten Up (Digital track only)

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