Danny Bryant – Blood Money: Packende Rundreise

Danny Bryant – Blood Money ist Blues.

Moderner, hochkarätiger, gefühlvoller und ehrlicher Blues. Unterstützt von Walter Trout und Bernie Marsden erscheint Ende Januar ein Album, über das Danny Bryant selber sagt, es sei das Album, das er seit 20 Jahren machen wollte. Für mich ist Danny Bryant – Blood Money ein Wechselbad der Gefühle, denn Blues aus der Konserve fühlt sich für mich immer seltsam an. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum ich um Blues-Alben häufig einen großen Bogen mache. So richtig funktioniert Blues bei mir nur Live.

Mit Blood Money alleingelassen sitze ich vor meiner Anlage und suche nach Worten, um zu beschreiben, wie sich die Musik anfühlt. Bei „Blues“ denke ich immer an einen schummerigen, vollgestopften, verqualmten Club mit winziger Bühne und einer Atmosphäre, die permanent irgendwo zwischen „Alter, das rockt…“ und „Hach ja… damals“ pendelt. Blood Money klingt so gar nicht nach diesem Club und noch weniger nach „Live“, es klingt viel persönlicher, unmittelbarer. Vielleicht moderner? Schwer zu sagen.

Gerade während der ersten Hälfte des Albums versucht Blood Money ein Feeling zu vermitteln, dass ich noch am ehesten mit „vintage“ beschreiben kann: Alt, aber nicht antik. Gemacht, um benutzt zu werden und nicht um im Schrank hin und wieder bestaunt zu werden und dabei langsam zu verstauben. Eben genau so wie der Blues. Der ist ja auch nicht gerade eine brandneue Erfindung und sollte vor allem gespielt und gefühlt werden.

Einblicke und Rückblicke

Danny Bryant - Blood Money - spielt Gitarre - PolyprismaBlood Money ist – vermute ich jedenfalls – ein Blick nach innen, ein Blick auf die Wurzeln und Hintergründe, die Danny Bryant und seine Musik prägen. Manche Songs erinnern mich an irgendwas, aber es bleibt für mich diffus, nicht offensichtlich, nicht greifbar. Ein Bekannter, der mich anrief, als ich gerade „On The Rocks“ hörte, meinte: „Oh cool, macht da Albert Collins mit?“ Geht wohl nicht nur mir so.

Der aus Royston, England, stammende Danny Bryant schafft es mit seiner Musik eine Stimmung zu ermitteln, die weder penetrant um Aufmerksamkeit nervt, noch belanglos im Hintergrund herumdudelt. Meiner Meinung nach ein ganz klares Indiz dafür, wie gut das Album auch produziert ist, denn es funktioniert laut genauso gut wie leise. Manche Songs brauchen vielleicht eine andere innere Grundstimmung als andere, um bei richtig zu funktionieren, aber das tut der Tatsache keinen Abbruch, dass ich das Album auch gerade deshalb mag.

Blood Money beeindruckt mich auch deshalb, weil Danny Bryant sein eigenes Ding macht. Er äfft nicht nach oder covert irgendwas. Er hat seinen eigenen Stil und den kann man mögen oder nicht, aber spielen und singen kann der Mann ernsthaft gut. Danny Bryant tut nicht so, als habe er den Blues erfunden oder sei der große Obermacker, sondern überzeugt zumindest mich dadurch, dass er mich spüren lässt, dass es das, was er macht, mit Leib und Seele tut.

Roundtrip

Danny Bryant – Blood Money schafft es mir das Gefühl einer Rundreise an verschiedenen Epochen und Stilrichtungen des Blues entlang zu vermitteln. Beim Hören des Albums habe ich den Eindruck, Errungenschaften und Meilensteine verschiedenster Künstler und Regionen gezeigt zu bekommen, ohne den Eindruck zu haben, ich wäre auf einem Schulausflug. Das Album hat deshalb für jeden etwas zu bieten, selbst wenn man kein eingefleischter Blues-Fan ist. Die Songs sind alle richtig richtig gut. Meine Lieblingssongs sind „Sugar Sweet“, „Holding All The Cards“ und vor allem „Just Won’t Burn“, bei dem Bernie Marsden (Whitesnake, Alaska) mitspielt.

Danny Bryant – Blood Money erscheint am 29.01.2016 bei Jazzhaus Records / in-akustik

Webseite: http://www.dannybryant.com/

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