Dante – When We Were Beautiful

Da machste dicke Backen

Auf Empfehlung eines Bekannten setzte ich mich mit viel Zeit vor meine Anlage und Dante. „Das ist nicht ganz so einfach“ sagte er, als er mir das Album gab. Damit warnte er mich in der Vergangenheit entweder vor mittelmäßigen oder völlig durchgeknallten Alben. Da ich ihm einige Entdeckungen verdanke, Panzerballett, zum Beispiel, war „mittelmäßig“ deshalb keine realistische Option. Diese Blöße würde er sich nicht nochmal geben.

Okay, also Musik für den Kopf. Im schlimmsten Fall „sowas wie Stockhausen“, der auf meiner von null bis zehn reichenden Skala komplizierter Musik irgendwo zwischen 12 und 15 rangiert. Entsprechend bereitete ich mich vor und so ging ich vorsichtig und mit einiger Skepsis auf Tuchfühlung mit dem neuen Album von Dante – „When We Were Beautiful“.

When We Were Beautiful

Mit dicken Backen sitze ich davor. Das ist schon eine ziemliche Ansage, was Dante aus München da abliefern. Manchmal klingt es, als wären Yes mit Accept gekreuzt worden, dann klingt das Album wieder fast nach modernem Goth-Rock. Einzig: Die Wechsel kommen schnell und ohne Vorwarnung. Aber extrem geil ist das, was Dante da machen. Herausfordernd? Ja, zweifellos. Wer Mitschunkeln und Viervierteltakt für das Maximum zulässiger musikalischer Kreativität hält: Gehen Sie weiter, für Sie gibt es hier nichts zu sehen. Auch die, denen „Progressive“, gleich welcher Richtung, generell schon zu abgedreht ist, sollten Dante besser nur an mutigen Tagen versuchen.

Wenn Du aber Bock hast auf richtig kreatives Progressive Rock Zeug, auf den echten Shit, das Zeug, wo Dich die Nachbarn fragen, ob Du schon wieder renovierst und warum das mitten in der Nacht sein muss: Dies ist Dein Album. Allein der Opener „Rearrangement Of The Gods“ ist ein Moloch aus gefühlt 6 oder 8 in einander verwobenen Songs und mindestens der doppelten Anzahl Stilelemente. Dante schaffen es, die Breite ihrer Musik erfrischend und emotional nachvollziehbar zu transportieren, ohne den Zuhörer dabei zu überfordern.

When We Were Beautiful ist ein Album, das neugierig zwischen den Zeiten und Stilen wandert, sie verbindet und versucht etwas zu schaffen, das sowohl inspiriert als auch Inspirationen greifbar macht. Es ist ein wahres Feuerwerk kreativer Arrangements, das anspruchsvoll ist, in die Tiefe geht und vom Hörer manchmal einiges abverlangt, insgesamt aber auch immer wieder erstaunlich gefällig rockt und wirklich Spaß macht, weil die Musik gekonnt mit ehrlicher Neugierde und Aufgeschlossenheit gespielt wird.

Dante – When We Were Beautiful ist erschienen am 18.03.2016 bei Gentle Art Of Music / Soulfood

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