Dave Gahan & The Soulsavers – Angels & Ghosts

Auf kein anderes Album habe ich mich dieses Jahr so sehr gefreut, wie auf die Neuauflage der Kollaboration von Dave Gahan und den Soulsavers – Angels & Ghosts. Das 2012er The Light The Dead See war DAS Überraschungsalbum des Jahres der Engländer und ist bis heute eins meiner liebsten Alben überhaupt. Der Erfolg der Zusammenarbeit zwischen Dave Gahan, den viele als Frontmann von Depeche Mode kennen, und den Soulsavers, die hierzulande nicht ganz so viele kennen, machte ein zweites Album mehr oder weniger unausweichlich.

Angels & Ghosts ist jetzt da und es läuft, während ich diese Zeilen schreibe, zum x-ten Mal durch. Es ist anders als The Light The Dead See. Angels & Ghosts ist befreiter, lockerer, aber auch professioneller eingespielt als The Light The Dead See. Wo das 2012er Album einen beinahe zwanghaften, manischen Zug hatte, der dem Album etwas Finsteres, aber auch etwas überaus Persönliches gab, ist das 2015er viel freundlicher, positiver gestimmt und Dave Gahan singt auch irgendwie befreiter, vielleicht sogar entspannter.

Angels & Ghosts ist wieder eine persönliche Achterbahnfahrt durch Geschichten, die das Leben schrieb und wieder richtet sich dieses Album eher an Hörer mit einer eigenen Lebenserfahrung. Die Musik wirkt selbstbewusster, klingt irgendwie optimistischer, obwohl die Themen der Songs nicht unbedingt „positiv“ sind. Die Instrumentierung ist breiter, vielfältiger. Der betriebene Aufwand ist deutlich größer und manche Tracks wirken auf mich, als wären sie speziell in Hinblick auf kommende Konzerte komponiert und aufgenommen worden (z. B. „You Owe Me“).

Angels & Ghosts ist insgesamt klasse. Es zeigt wieder eine ganz andere Fassette von Dave Gahan und unterstreicht die Vielseitigkeit, aber auch die Lebenserfahrung dieses Künstlers. Das Album ist ein Stück weit Ergänzung und Kontrapunkt zum 2012er The Light The Dead See. Wo es dort um das Erforschen der vielleicht eher selbstverschuldeten Untiefen und Rückschläge des Lebens ging, geht es hier eher um den Anteil der anderen am Seelenheil, was dem Album eine ganz andere Grundstimmung verleiht: fordernder, offensiver, vielleicht auch etwas egoistischer.

Beide Alben miteinander zu vergleichen ist gleichermaßen irreführend wie notwendig. Es ist irreführend, weil die Alben völlig andere Ansätze verfolgen und ganz anders aufgesetzt sind. Es sind zwar dieselben Künstler, aber das Werk ist ein anderes. Trotzdem ist genau deshalb der Vergleich auch notwendig, denn The Light The Dead See hat die Messlatte verdammt hoch gelegt. Songs wie All Of This And Nothing oder auch One Thing erinnern sehr an die Stimmung des ersten Albums und gleichzeitig sind Songs wie Shine meilenweit davon weg.

Ich bin hin und her gerissen. Einerseits finde ich das Album toll, weil es toll gemacht ist, unglaublich ausdrucksstark, vielschichtig und hintergründig. Es ist eben kein Depeche Mode Album mit anderer Überschrift. Aber es ist anders als The Light The Dead See und dieses „anders“ weiß ich nicht so recht wegzusortieren, was mir keine Ruhe ließ. Erst als ich aufhörte, die beiden Alben gegeneinander zu vergleichen, sondern stattdessen Angels & Ghosts als Weiterführung The Light The Dead See verstand, es sozusagen als „zweites Kapitel“ begriff, löste sich der Widerspruch für mich auf und Dave Gahan & The Soulsavers – Angels & Ghosts konnte seine ganze Pracht ungehindert entfalten.

Dave Gahan & The Soulsavers – Angels & Ghosts ist erschienen am 23.10.2015 bei Sony Music

Webseite: http://www.davegahan.com/

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