Dead By April – Worlds Collide

Klar, warum nicht

Selbstverständlich kann man mir ein Metalcore Album in die Hand drücken, damit ich dazu einen Review verfasse. Man kann sich ja auch ein Loch ins Knie Bohren oder vom Hochhaus springen. Ob das eine gute Idee ist, darüber müssen sich dann aber andere den Kopf zerbrechen. Mir wurde Worlds Collide von Dead by April in die Hand gedrückt und ich versuche seit einiger Zeit Worte für dieses Album zu finden.

Dead By April

Losing You von Dead By April ging 2009 ziemlich durch die Decke. Das Debütalbum der Schweden kam insgesamt recht gut an. Acht Jahre später legt die Band um Pontus Hjelm das vierte Studioalbum Worlds Collide nach. Dead By April hat mit dem eigenwilligen Stil innerhalb des Metalcore ein neues Genre erschaffen und dadurch anhaltende Diskussionen ausgelöst. Dead By April wird auch als „Popcore“ oder sogar als „Boybandcore“ bezeichnet. Grund dafür sind einerseits die meistens eher sauberen Vocals. Andererseits ist aber auch die Instrumentierung etwas abseits des Üblichen.

Beim Anhören des Albums verstehe ich irgendwann, warum ausgerechnet mir dieses Album zugesteckt wurde. Es ist eine Herausforderung und bringt mich an meine Grenzen. Dead By April – Worlds Collide ist eine Mischung, die sich dem üblichen Konzept einer Metalcore-Bands entzieht. Zwar hat die Musik viel von dem, was Metal ausmacht und auch viel „Core“. Aber Dead By April gehen das Thema anders an.

Die Band versucht Metalcore breitentauglicher zu gestalten und möchte ihre Musik auch einem größeren Publikum zugänglich machen. Das steht dem Ansatz und Selbstverständnis vieler anderer Bands dieses Genres diametral entgegen, die sich durch ihre Musik ja gerade davon absetzen wollen. Wenn Attitüde irgendwo eine Rolle spielt, dann da. Dead By April sieh das aber offenbar etwas gelassener.

Worlds Collide

Mit dem Album Worlds Collide betont Dead By April den Ansatz. Schon der Opener dürfte bei Fans des „anderen“ Metalcore das kalte Grausen auslösen. Der vorab veröffentlichte Song Crying Over You erfüllt alle Voraussetzungen, um sich dauerhaft im Ohr einzunisten und besticht durch einen Clean-Vocal-Chorus, dessen druckvolle Untermalung die Screams beeindruckend transportiert. Die Wirkung ist verblüffend und der Song hervorragend gemacht. Und genau das dürfte den Hardcore-Fans des Metalcore gewaltig auf den Zeiger gehen.

Mir gefällt der Ansatz der Band. Er ist technisch sauber und die Band braucht keine Kritik zu scheuen. Gleichzeitig ist die Interpretation markant genug, um einerseits eindeutig dem Genre zugeordnet werden zu können. Andererseits ist das Gesamtpaket breitentauglich genug, um auch andere erreichen zu können. Damit öffnet die Band eine Tür, die von „Insidern“ lieber verrammelt und vernagelt gesehen wird. „Outsidern“ jedoch erlaubt das Album einen tatsächlich recht umfassenden Blick auf das Genre, ohne sofort mit Kantholz zuzuschlagen.

Ich kann verstehen, dass gerade das einige Kritik auslöst. Worlds Collide ist aber nicht für die Insider dieses Genres gemacht. Darum ist der Metal eher soft, der Core eher poppig. Ja, man kann sich hinstellen und sagen „Das ist untrue und deshalb Mist!“. Aber Dead By April gelingt etwas aus meiner Sicht Bemerkenswertes. Die Band bringt das Genre ins Gespräch, ganz ohne Skandale, ganz ohne Drama und Attitüde, sondern nur durch das, was die Band eigentlich schon immer gemacht hat.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Die alles entscheidende Frage ist nicht, ob die Band es technisch drauf hat. Das hat sie, ohne Zweifel. Die Jungs sind an ihren Instrumenten gut und liefern. Ob das, was Dead By April abliefern, Deinem Geschmack entspricht, das ist eine ganz andere Frage. Ich finde, dass Worlds Collide absolut eine Daseinsberechtigung hat. Die Band experimentiert und bewegt sich entlang einer Grenze, die nicht unumstritten ist. Aber gerade die so ausgelösten Diskussionen können am Ende alle bereichern und deshalb ist Worlds Collide ein „gutes“ Album.

Dead By April – Worlds Collide ist erschienen am 07.04.2017 bei Spinefarm / Universal

Offizielle Webseite von Dead By April (Bandseite bei Facebook)

Dead by April – Perfect The Way You Are (Lyric Video)

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