Dead Lord – In Ignorance We Trust

Musik aus Schweden – immer wieder eine Überraschung

Schweden hat eine enorm vitale und vielseitige Musikszene. Deshalb wundert es mich nicht, dass gerade von hier eine Band kommt, die einen nahezu kometenhaften Aufstieg hinlegt – und zwar mit Classic Rock. Ja, genau. Die Musik, die spätestens seit Radio21 jedem zum Hals raus hängt. Und doch: Die Band Dead Lord gibt sich größte Mühe, den Stil von Thin Lizzy zu beleben und setzt mit einem lässigen, warmherzigen Verve genau da an, wo das Herz aller Fans dieses Genres schlägt.

Die vier Mannen aus Stockholm fühlen sich nicht bei den sonst gerade populären harten Knüppelschwingern, den Shoutern oder den Dreschern wohl, sondern da, wo es harmonisch rockt, wo Rock Wärme und Wohlgefühl verbreitet und auch ein wenig da, wo Rock etwas vorhersehbarer ist. In Ignorance We Trust ist daher auch ganz bestimmt kein Baller-Album. Es ist mal eingängig, mal gefällig, mal etwas schräg und doch immer ganz dicht dran. Dead Lord sind stets bei der Sache und das Album hat seinen ganz eigenen Charme.

Es klingt schon etwas urig, verquer und kantig, wenn Hakim Krim sich mit seinem Organ austobt. Dazu kommt, dass die Zusammenstellung der Songs des Albums ein wenig klare Linie vermissen lässt, beinahe so, als wären hier just die Songs verewigt worden, die die Band gerade zur Hand hatte. Andererseits kann man auch den Titel des Albums wörtlich nehmen und unterstellen, dass es der Band einfach fürchterlich egal war. Mancher Song klingt denn auch, als würde die Band mit sich und ihrer Musik experimentieren oder vielleicht nach neuen Ufern suchen, die sich hier und da doch vielleicht etwas poppig im Nebel abzeichnen.

In Ignorance We Trust

Dead Lord In Ignorance We Trust Review Bandfoto Century MediaWer Goodbye Repentance (2013) und Heads Held High (2015) kennt, wird feststellen, dass In Ignorance We Trust ein wenig das Ungehobelte ihrer Vorgänger fehlt. Es ist vielleicht insgesamt etwas vorhersehbarer. Aber es ist auch der Versuch der Band, aus dem Gewohnten mehr zu machen und auch mehr Hörer und neue Fans zu erreichen. Dazu braucht es – leider – eben auch ein gewisses Maß an „Mainstreamtauglichkeit“. Vielleicht ist es das, was mich bei Dead Lord – In Ignorance We Trust stört. Die Band spielt, verglichen mit sonst, irgendwie mit halber Drehzahl. Zwar kritiklos gut und überzeugend, aber irgendwas fehlt mir.

Das kann auch daran liegen, dass dieses Album mehr als ein Gemeinschaftswerk aller Bandmitglieder entstanden ist und dabei die Linie einfach verloren ging. Einerseits kommt zwar jeder der vier gut zur Geltung und kann sich und sein Können schön präsentieren. Andererseits aber fehlt es vielleicht deshalb etwas an der klaren Richtung. Ich will damit beim besten Willen nicht sagen, dass Dead Lord mit In Ignorance We Trust daneben gegriffen haben. Ganz im Gegenteil! Ich meckere hier gerade auf höchstem Niveau, denn die Jungs zeigen immer wieder, dass sie wirklich gut sind. Es ist allerdings meiner Meinung nach obwohl vielleicht nicht ihr stärkstes, so doch immer noch ein sehr gutes Album!

Es rockt insgesamt angenehm entspannt und lässig-unverkrampft. Dead Lord spielen beinahe wie bei einem Impromptu-Gig, bei dem sich die Band on the fly dazu entscheidet, welchen Song sie spielt. Das hat eine sehr lebendige Dynamik und zeigt auch, dass die Jungs wirklich der Sache wegen spielen und nicht aus Zwang oder Notwendigkeit. So gesehen ist In Ignorance We Trust ein prima modernes Classic Rock Album, das man auf jeden Fall gepflegt einfach so mitlaufen lassen kann. Und ja, ich weiß selber wie dämlich „modern“ und „Classic Rock“ in einem Satz klingt, aber Dead Lord sind eben so.

Dead Lord – In Ignorance We Trust erscheint am 25.08.2017 bei Century Media Records / Sony Music

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DEAD LORD – Kill Them All (OFFICIAL VIDEO)

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