Dead When I Found Her – Eyes on Backwards

Den Fokus auf das was war

Wer ein Album ankündigt und es als „ganz bewussten Versuch“ beschreibt, die Sounds aus vergangenen Tagen und von anderen Künstlern auferstehen zu lassen, dann provoziert das skeptisches Stirnrunzeln. Sagt das aber Michael A. Holloway von Dead When I Found Her, dann ist gesteigerte Aufmerksamkeit angesagt. Dead When I Found Her vollbringt seit dem ersten Album ein bemerkenswertes und faszinierendes Kunststück. Es scheint, als habe Holloway den Sound und die Vielschichtigkeit eines Skinny Puppy quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Kaum jemand sonst lebt diesen Sound so natürlich und selbstverständlich, wie Dead When I Found Her.

Eyes On Backwards richtet den Fokus betont deutlich auf den typisch amerikanischen Dark Electro Sound aus jener speziellen Phase Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger Jahre. Dead When I Found Her ist zwar längst nicht das einzige Projekt, das sich an diesem Sound versucht. Doch die Vielschichtigkeit eines „The Process“ oder „The Greater Wrong of the Right“ nachzubilden, ist keine Kleinigkeit. Die meisten Versuche vieler Bands und Projekte bleiben aber eben genau das: Versuche. Dead When I Found Her hingegen ist von Anfang an dem Original frappierend dicht auf den Fersen, ohne dabei auch nur ansatzweise nach „Plagiat“ zu klingen.

Michael A. Holloway Dead When I Found HerDas inzwischen vierte Album „Eyes on Backwards“ unterscheidet sich deutlich in Stil und Stimmung vom vorangegangenen „All The Way Down“. Es fühlt sich schneller an, es ist lauter und eine diffuse Wut spricht deutlich aus der Musik. Dennoch ist dem Album eine DNA mitgegeben, die verbindet und nicht trennt, denn der Flow ist sehr ähnlich. Inhaltlich setzt sich das Album mit Nostalgie auseinander, was man daraus macht, was sie bedeutet. Erinnerungen, Lehren, Entscheidungen und Was-wäre-wenn-Gedanken. Die Euphorie, aber auch die Niedergeschlagenheit, die aus solchen Reisen „down memory lane“ resultieren kann.

Obwohl das aktuellste Album von Dead When I Found Her, hat es sehr viel vom „klassischen“ Sound des Projekts. Es fühlt sich auf eine erstaunlich harmonische Art gleichzeitig retro und doch modern an. Der Industrial-Sound erinnert immer wieder an „früher“, ohne „von früher“ zu sein. Es ist kein neuer Aufguss alten Materials. Dafür ist es eine reine Rückbesinnung auf den Industrial Sound in seiner ursprünglichen, reinen Form: Wütend, laut, unmittelbar und sehr, wirklich sehr geil.

Dead When I Found Her – Eyes On Backwards erscheint am 04.11.2016 bei Artoffact Records / Cargo Records

Offizielle Webseite von Dead When I Found Her (Bandcamp)

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