Depeche Mode – Delta Machine

Delta Machine ist da und ebenso plötzlich, wie das neue Album von Depeche Mode bei mir auf dem Tisch liegt, stehe ich unter ungeahntem Erfolgsdruck. Nicht etwa, weil Dave, Martin und Andrew mich für den Erfolg ihres Albums persönlich verantwortlich machen werden. Vielmehr mache ich mir selbst diesen Druck. Es geht um niemand Geringeren als Depeche Mode. Ich analysiere und vergleiche und interpretiere wie wild. Meine Gedanken rasen. Ich suche nach Worten, ringe um Formulierungen. Fragen reasen durch meinen Kopf: Was ist Delta Machine? Ist es besser? Ist es der große Wurf? In welche Richtung geht dieser Wurf? Auf was nehmen die Künstler hier Bezug?

Plötzlich dämmert es mir. Ich gehe vollkommen falsch an das Album heran. Ich breche den Versuch ab etwas zu analysieren, das ich gar nicht analysieren kann. Ich lasse das Album liegen, besuche Freunde. Doch auch hier verfolgt mich das Album. Delta Machine lässt mich nicht los. Das Album ist sofort vertraut und doch vollkommen anders. Es ist das Album einer Band, die nicht nur beinahe alle Spielweisen elektronischer Musik vorwärts und rückwärts kennt, sondern große Teile des Genres für die Mehrheit überhaupt erst zugänglich gemacht hat.

Aus den respektlosen Sample- und Loopspezialisten der frühen 1980er Jahre wurden „die großen Drei“, eben „DM“. Depeche Mode sind gereift, haben viele Jahre Erfahrung und sie sind Depeche Mode. Sie müssen nicht mehr beweisen, dass sie mit einem Synthesizer umgehen können. Wer hat schon die Autorität dazu, dieser Band zu sagen, wie sie zu spielen hat? Die Band braucht nicht mehr zu beweisen, dass sie wie Phönix aus der Asche auferstehen kann. Auch das haben sie bereits hinter sich.

Das Besondere an Delta Machine ist für mich, dass das Album Andeutungen macht. Depeche Mode zitiert, und macht diese Zitate zu etwas Neuem, etwas Eigenem. Es geht nicht darum, was zitiert wird, denn das Album ist weder Remake noch Cover. Alle Songs sind tolle neue Eigenkompositionen. Doch auch für eine Band wie Depeche Mode, die Inspiration für ungezählte andere Künstler ist, gibt es Musik, die sie inspiriert, die Ideen stiftet. Diese Inspirationen zitieren die Musiker. Question Of Lust, Little 15, Personal Jesus, aber auch Der Mussolini sind nur die vier prominentesten Zitate, die mir gerade einfallen. Es geht darum, was die Band daraus macht. Darin besteht die wahre Leistung der Band und das macht Delta Machine zu einem herausragenden Album.

Der griechische Buchstabe Delta symbolisiert in der Mathematik oft Wechsel oder Veränderungen. Für dieses Album ist das eine sehr treffende Beschreibung. Das Album ist vielseitig, vielschichtig, ständig im Wandel. Die Songs sind alle unverkennbar Depeche Mode, dynamisch, organisch. Trotz der musikalischen Vielfalt ist das Album ist aus einem Guss. Auf Delta Machine spielen eindeutig nicht die Depeche Mode von früher. Gerade das zeigen mir die Anspielungen auf die alten Songs. Heute machen Depeche Mode diese Musik eben anders, moderner.

Darum meine Warnung: Wer von Depeche Mode deren Musik aus den 80ern, 90ern erwartet, sollte zu den alten Scheiben greifen. Delta Machine wird diese Erwartungen nicht erfüllen. Wer jedoch offen ist für eine Band, die mit der Zeit geht, ohne dem Zeitgeist hinterher zu hecheln, wer eine Band hören will, die sie selbst ist, die sich nicht verbiegt, die rockt, weil sie rocken will, dem wird Delta Machine sehr gefallen.

Depeche Mode – Delta Machine erscheint am 22.03.2013 bei Sony Music

Webseite der Band: http://www.depechemode.com/

KEINE KOMMENTARE