Depeche Mode – Spirit

New Life, Leave In Silence, Everything Counts bilden das Fundament einer beeindruckend erfolgreichen Bandgeschichte. Vorbild und Inspiration für ungezählte Bands und Musiker gehört Depeche Mode zu den erfolgreichsten Bands der Welt. Neben ihrem unangefochtenen Kultstatus im Bereich der elektronischen Musik (weit über 100 Millionen verkaufte Tonträger sprechen für sich) gehört Depeche Mode auch zu denjenigen Bands, an denen ein musikalischer Umbruch festgemacht werden kann: Ohne Depeche Mode wäre die Musik der 80er und 90er völlig anders gewesen und es ist fraglich, ob heute wie selbstverständlich zu den großen Klassikern gezählte Bands überhaupt wahrgenommen worden wären.

Spirit heißt das aktuelle Album von Depeche Mode und ich bin mir sicher, dass viele nicht mit dem Album klarkommen werden – Schöne Grüße an die Erwartungshaltung. Auch bei mir musste das Album einsickern. Spirit braucht Zeit, weil das Album anspruchsvoll ist und weil man seine eigene Erwartungshaltung hinterfragen muss. Vor allem aber führt Spirit Dir vor Augen, was Du über die Musik von Depeche Mode weißt und was nicht.

Spirit hat keine Kracher wie „Wrong“, „Master And Servant“, „A Question Of Lust“ oder „People Are People“ und ähnliche. Das wird wahrscheinlich jene verwirren, die Depeche Mode an gerade solchen kraftvollen Gassenhauern definieren und den Rest ausblenden. Ja, auch ich habe etwas gebraucht um zu verstehen, was die Band mit Spirit eigentlich von mir will. Dabei ist es so offensichtlich. Die Band schreibt es sogar auf das Album drauf: Spirit! „Going Backwards“, der Titel des Openers, spricht es dann noch einmal in aller Deutlichkeit aus.

Depeche Mode - Spirit -Street Gig Berlin 11.03.2017Spirit denkt die Musik von Delta Machine und Sounds Of The Universe weiter und verbindet beides mit dem, was Depeche Mode im Kern schon immer gemacht hat. Der Großteil der Musik dieser Band zeichnet sich eben nicht durch die eben erwähnten Charterfolge und Partykracher aus, sondern eher durch nachdenkliche, tiefgründig-komplexe Musik. Spirit dockt beinahe nahtlos an dem an, was bereits auf Speak And Spell zu erahnen ist, dann auf A Broken Frame klar abzeichnet. Die Nähe zu diesen Wurzeln könnte kaum deutlicher zum Ausdruck kommen als mit „Poorman“, das im Kern eine Reprise jener musikalischen Elemente ist. Songs wie „My Secret Garden“ oder „See You“ trugen schon damals wiederum genau das in sich, was Spirit heute auszeichnet.

Depeche Mode beweisen mit Spirit, dass es kein Widerspruch in sich ist, sich als Band musikalisch weiter zu entwickeln und sich gleichzeitig selbst treu zu bleiben. Spirit ist ungemein erwachsen, durchdacht. Es ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert gut gemacht und verblüffend retrospektiv. Es ist vielleicht kein Disco-Album, aber genau das hat die Band nicht nötig. Das ist nicht der Kern, der Spirit von Depeche Mode. Klar, „Where’s The Revolution“ und dessen Remixe richten sich schon deutlich an die Tanzflächen. Auch „So Much Love“ ist ein klarer Club-Favorit. Aber das, was um diese Songs herum passiert, das ist es, mit dem die Band zeigt, was sie ist und was sie kann und das ist beeindruckend und nicht jedermanns Sache, aber genau darum geht es: Wer die Musik versteht, der hat Gänsehaut und feiert das Album. Wer nicht, geht eben weiter und hört was anderes.

Depeche Mode – Spirit ist erschienen am 17.03.2017 bei Columbia / Sony

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Depeche Mode – Where’s the Revolution

Official music video for „Where’s The Revolution?“ by Depeche Mode

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