Der König Tanzt – Der König Tanzt

Vor einigen Tagen machte mich ein Bekannter auf einen Track aufmerksam: „Hör es Dir mal an. Könnte Dir gefallen…“ Solche Empfehlungen bekomme ich häufiger. Oft ist da Zeug bei, mit dem ich gar nichts anfangen kann. Trotzdem siegt immer wieder meine Neugierde. „Gott sei Dank!“, kann ich nur sagen, denn dieser Track haut mich einfach nur aus den Socken.

Ich rede von „Der König Tanzt“, dem Soloprojekt von König Boris. Den kenne ich als Sänger von Fettes Brot („Schwule Mädchen“) Noch während der König das erste Mal bei mir und meinen leidgeprüften Nachbarn tanzt, ordere ich mir das gleichnamige Album „Der König Tanzt“. Jetzt endlich liegt es im Player und läuft schon den ganzen Tag rauf und runter. Und ich habe keine Ahnung warum. Das Album ist weder einfach, noch ist es „genau mein Ding“. Es ist bockig, sperrig, höllisch kompliziert und schräg und trotzdem reißt es mich mit und fasziniert mich ohne Ende.

Die Scheibe ist gleichzeitig minimalistisch und fett. König Boris tobt sich aus. Er klagt an, fordert, protestiert. Die Musik ist aufwühlend und schwerverdaulich. Trotzdem gehen mir die Songs nicht aus dem Kopf. König Boris spricht Klartext („Du fragst Dich, warum’s Dir so Scheiße geht…“) Seine Message ist: Hör auf zu jammern! Nimm Dein Leben in die Hand und mach Schluss mit dem Drama! Der König Tanzt ist wundervoll retro-modern. Das Album ist für mich eine einzige Rundreise durch die Neue Deutsche Welle. Immer wieder erinnert mich das Album an Songs von damals. Hubert Kah, Extrabreit, Andreas Dorau, Rheingold und alle anderen sind mit einem Schlag wieder da. König Boris entstaubt sie und pumpt neues Leben ‚rein. Hamburger Schule heiratet NDW und moderne Beats sind Trauzeuge.

Beim ersten Hören des Albums bin ich immer wieder versucht, einen Track zu überspringen. Aber kurz bevor ich weiter springe, überzeugt mich der Track plötzlich, gewinnt an Fahrt, bringt seine Botschaft ‚rüber. Es dauert einige Zeit, bis ich mir eingestehe, dass ich das Album Der König Tanzt richtig toll finde. Ja, es hat Schwächen. Es ist nicht perfekt. Im Gegenteil, Der König Tanzt klingt für mich an vielen Stellen sogar unfertig, roh und nicht ausgereift. Aber gerade das fasziniert mich. Dieses Rohe, Unfertige, das von dicken Beats begleitet, gestützt und getragen wird, macht den eigenen, ganz besonderen Reiz des Albums aus.

Meine Favoriten des Albums, „Alles Dreht Sich“, „Hollidays Im Krieg“ und ganz besonders der Deichkind Remix des Titelsongs „Der König Tanzt“, sind unbezahlbare Bereicherungen meiner Sammlung. Der König Tanzt ist für bislang mich der „Geheimtipp“ des Jahres. Unbedingt reinhören!

Der König Tanzt ist am 27. April 2012 bei Fettes Brot (Indigo) erschienen.

Webseite des Königs: http://www.derkoenigtanzt.com/

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