Desastroes – Metamorphose: Überraschung am Abend

Ein Bekannter empfahl mir Desastroes – Metamorphose: „Frag nicht. Hol’s Dir. Lohnt sich.“ Ich habe auf ihn gehört und mir das Album blind geholt. Bis dahin sagte mir der Name „Desastroes“ gar nichts. Ich kann auch nicht alles kennen. Aus dem begeisterten Redeschwall meines Kumpels blieb bei mir hängen, dass mich „Irgendwas aus der schwarzen Ecke“ und „mit Synthies“ erwarten würde. Mehr wusste ich nicht. Synthie-Pop kann mich ja doch durchaus begeistern – wenn er gut ist. Meine Neugierde war geweckt: Album kaufen, download abwarten, Anlage an, laufen lassen…

Wie so oft ließ ich auch dieses Album nebenbei laufen, während ich ein wenig über Desastroes recherchierte. Ich weiß jetzt, dass die Band aus Nienburg/Weser kommt und aus Jan C (Sänger, Komponist, Leitung), Björn Miethe (Live Keyboard, BG Vocals, Live Support), Loney (Live Drums) und Dani W (Gastsängerin) besteht. Das Album entstand als Crowdfunding-Projekt. Auf der Crowdfunding Seite steht zu dem Album:

„Das Leben besteht aus einer Vielzahl von Verwandlungen. Genauso verhält es sich mit Musik, die du hörst und tief in dein Herz schließt. Das neue Album nach „In Ewigkeit“ wird eine Verwandlung sondergleichen sein. Von ruhig bis aggressiv, provokant bis charmant bietet das Album, dass du supportest alles, was das schwarze, elektronische Herz begehrt.“

Ich kenne das Vorgängeralbum nicht. Ob die Verwandlung wirklich so dramatisch ist, wie angekündigt, kann ich nicht beurteilen. Aber ich habe mir Metamorphose angehört. Mit echter Begeisterung und ehrlichem Respekt. Das Album ist einfach richtig gut. Es ist ein rundum gelungener Mix aus Synth-Pop, Gothrock, Industrial. Die Musik ist teils getragen, sphärisch, lädt zum träumen ein. Teils aber auch druckvoll, sehr tanzbar. Der Wechsel der Stimmungen ist gelungen. Das Album ist rundum stimmig.

Metamorphose gehört für mich zu den Geheimtipps des Jahres. Die Kompositionen funktionieren, die Lyrics haben Tiefgang, sind teils offensiv gesellschaftskritisch (besonders „Massenverblendung“ blieb mir im Gedächtnis). Sehr erstaunlich fand ich, wie gut die Kombination deutscher und englischer Texte auf diesem Album funktioniert. Nicht jedem ist es gegeben, gleich gut deutsche und englische Texte zu singen. Auch das fiel mir sehr positiv an diesem Album auf.

Das Album ist abwechslungsreich und erinnert mich an einige Größen der Szene, aber im positiven Sinne, mehr als Wegbereiter denn als Vorlage. Was Desastroes hier abliefert, trägt eine ganz eigene Handschrift und ist weit mehr als Szene- oder Spartenmusik. Mit 18 Songs ist das Album lang. Durch die Komplexität der Texte ist es etwas herausfordernd, das Album konzentriert in einem Rutsch durchzuhören, aber das ist kein Manko. Trotzdem hat das Album durchaus einige Ohrwürmer, die auch Mutti und Vati nicht zu sehr verschrecken.

Kann ich über irgendwas meckern? Klar, wenn ich suche, dann finde ich Haare in der Suppe. Ich könnte an diesem Detail herumkritteln oder darüber schwadronieren, aber hey, worum geht’s hier? Das Album ist auf seine Art speziell, aber Desastroes versucht trotzdem jeden zu erreichen und abzuholen, der bereit ist, zuzuhören. Erleichtert wird den Zuhörern das durch eine gelungene Produktion, die manchem vielleicht nicht hart genug ist und anderen vielleicht zu sperrig. Mir gefällt das Album. Punkt.

Desastroes – Metamorphose ist erschienen am 29.05.2014 bei Future Fame

Webseite der Band (Facebook): https://www.facebook.com/Desastroes

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