Desastroes – Schwarz Wie Obsidian Offenbarung I: PARASIT

Hoppla, da ist ja was Neues…

Wenn Dich schon ein Musiker, bei dem Du bekennender Fan bist, fragt, ob Du noch was zu seiner neuen Scheibe machst, und Du erstmal fragen musst, wann die denn kommt… kein guter Start. Die Schamesröte sitzt mir immer noch bis unter die Hutkrempe. Da hilft nur eins: CD-Player auf, Schwarz Wie Obsidian rein, los geht’s.

Überrascht sein.

Aber das ist okay, denn das wird Dauerzustand auf dem Album Schwarz Wie Obsidian. Eigentlich fängt das schon vor dem Album an – denn Desastroes hat die neuste Veröffentlichung per Crowdfunding finanziert und … ja, jetzt muss ich sagen Frontmann Jan C. gibt sein Schaffen in Eigenvertrieb heraus. Eine Herangehensweise, die offenbar beliebter wird bei Projekten, die schon eine gewisse Fanbase haben – wir haben damals bei Samsas Traum und bei Schwarzschild davon berichtet.

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Woher also diese Überraschung bei den ersten Klängen gleich des ersten Tracks? Ganz einfach: Jan C. hat sein Projekt vorangetrieben, weiterentwickelt. Diese Weiterentwicklung wird schon im ersten Song deutlich aufgezeigt, dass eine musikalisch unterlegte Erzählung ist. Und so nimmt auf der ganzen Schwarz Wie Obsidian die Stimme eine deutlich größere Rolle ein als auf Desastroes‘ bisherigen Alben. Gar nicht mal, weil der Stimmanteil so viel höher wäre – wenn Du Dich zurückerinnerst an Bloody Betsy von (unter anderem) Dein Gift zum Beispiel, auch da hat Jan C. schon Geschichten in seinen Lyrics erzählt. Hier tritt aber die musikalische Untermalung einen halben Schritt zurück und die Vocals einen halben nach vorne. Vereinzelt hört man den Nienburger Jan C. sogar nahezu unverzerrt – eine sehr angenehme Erfahrung.

Nicht nur das – für gleich zwei Songs ist die (Ex-)Oldenburgerin Maria Fendler als weibliche Stimme dazu gekommen, die man vielleicht noch von ihren Auftritten mit der Band Unterschicht kennt. Eine großartige Ergänzung, grade im leicht morbiden Elizabeth eine faszinierende Ergänzung. Ob Du diese Entwicklung von Desastroes magst oder nicht, kannst natürlich nur Du entscheiden – es sind aber mit Nur Eine Maschine oder auch Neue Märchen durchaus Tracks im gewohnten Desastroes-Klang vertreten. Tatsächlich brauchte ich zwei Anläufe, bis ich bei diesem Album ankam – oder es bei mir.

Persönliches

Auf Schwarz Wie Obsidian sind einige Tracks, die mich von vorne bis hinten faszinieren – nicht zuletzt das schon angesprochene Elizabeth. Grade das Wechselspiel zwischen Jan C. und Maria Fendler schafft hier eine mitreißende Dynamik, die diesem doch eher ruhigen, blutrünstigem Lied einen ganz eigenen Schwung gibt.

Mein Lieblingslied auf dieser Veröffentlichung ist gleichzeitig auch das, mit dem ich die größten Probleme habe. Denn im Song Neue Märchen kommt ein Bezug auf „Berlin, dort wo man neue Märchen schreibt“ und es geht um „Marionetten im eigenen Staat – willkommen im Bundestag.“ Grade dieser Tage klingt das zu sehr nach dem Geschwurbel der sogenannten Reichsbürger, um die es grade erst große Aufregung gab. Trotzdem denke, hoffe ich, dass es dabei nur um eine ironische Anspielung geht. Denn der Song ist einfach zu lustig und eindeutig anzüglich, als dass ich ihn einfach ignorieren kann. Übrigens kommt direkt nach den Märchen auch die einzige Wiederholung auf Schwarz Wie Obsidian: Dein Gift hat es noch einmal auf die Scheibe geschafft, ansonsten ist die (fast) eine Stunde Desastroes-Genuß verteilt auf elf Tracks komplett wiederholungs- und remixfrei.

Ein ungewohntes Album – aber auch ein sehr gutes Album! Und ganz besonderer Respekt und mein Dank geht an Maria für ihren überaus belebenden, interessanten Einfluss auf „ihre“ beiden Tracks!

Desastroes – Schwarz Wie Obsidian ist am 26.05.2017 bei Future Fame erschienen.

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Desastroes – Schwarz wie Obsidian // PA:RA:SIT [OFFICIAL ALBUM TRAILER]

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