Device – Device

Als ich las, dass David Draiman, Frontmann vom Disturbed, ein Soloprojekt starten wolle, ging das komplett an mir vorbei. Der Hartnäckigkeit von Kollegen und Freunden ist es zu verdanken, dass ich aus dem Winterschlaf geweckt und mit dem Kopf voran auf dieses Album gestoßen wurde. Device nennt sich das Soloprojekt und – oh Wunder der Kreativität – auch das Debütalbum. Darüber sagt David: „Es ist kein Metal. Es ist beeinflusst von frühem Industrial Rock, z.B. Nine Inch Nails /Ministry, und hat einen dunklen, elektronischen Vibe. Zugleich sind es große, hymnische und höchst melodische Songs. Es ist futuristischer Rock.

Das soll ein Soloprojekt sein? VON WEGEN! Auf dem Album sind mit dabei: Geno Lenardo (Ex-Filter), Serj Tankian (System Of A Down), Tom Morello (Rage Against the Machine), Geezer Butler (Black Sabbath), Glenn Hughes (Deep Purple, Black Sabbath, Black Country Communion), M. Shadows (Avenged Sevenfold) und Lzzy Hale (Halestorm). Live wird David von Will Hunt (Evanescence) und Andre Michel „Virus“ Karkos (Dope, Rock of Ages) unterstützt. Alleine dieses Namensliste ist… nunja… „beeindruckend“ ist eine Untertreibung. Große Namen sind noch lange kein Garant für große Werke. Die alles entscheidende Nachbarschaftsprobe muss Klarheit bringen. Player auf, Scheibe rein, Amp an, Schub auf den Sub und ab dafür.

Gut, Fensterscheiben werden sowieso dramatisch überbewertet und ich wollte sowieso schon lange mal wieder meine Regale neu aufhängen, aber fuck me! Sollten meine Nachbarn geklingelt haben, während die Scheibe lief: Ich habe es nicht gehört. Sorry dafür. Was für ein Album! Da brennt der Busch. Disturbed? Ja, definitiv! Das sind schon keine Anleihen mehr. Ich habe den Eindruck, David wollte einfach ein paar alte Songs mit besonderen Musikern neu und anders einspielen. Davids Gesang ist unverkennbar und es ist unmöglich, sich nicht an Disturbed erinnert zu fühlen. Allerdings hat Device deutlich mehr PS auf den Zylindern! Die handverlesenen Musiker machen sich sehr gut und machen aus dem Album mehr als bloß ein „Disturbed V2.01“.

Die Songs sind alle großartig. Gerade als ich dachte, ich hätte das Album verstanden und Schlagzahl und Richtung wären mir klar, in diesem Augenblick kommen David und die unglaubliche Lzzy Hale mit dem unsterblichen „(If I) Close My Eyes Forever“ um die Ecke. Jener die Tränendrüsen auswringende Schmachtfetzen, mit dem sich Duo Lita Ford und Ozzy Osbourne Anfang 1988 in den Pantheon der todtraurigen Rock-Metal-Balladen gejammert hat – und die Hütte kollabiert. Ausgelutscht? Ja, auf jeden Fall, aber dieses Cover ist so herzzerreißend geil…

Was soll ich sagen? Device von Device ist großartig. Wer Disturbed nicht leiden kann, wird sich auch über Device fürchterlich aufregen. Dem rufe ich ein freundliches „Fall tot um!“ zu. Ist Device „futuristischer Rock“? Ja, was weiß denn ich? Hier und da sind sorgsam eingebaute Elektroelemente zu hören, aber von Skrillex oder Deadmau5 ist es Lichtjahre weit weg. Gottseidank! Das Album ist gut so wie es ist. Es ist geil. Es ist Disturbed auf Steroiden. Es ist die Wucht in Tüten.

Und ich will einen größeren Amp. Da geht noch was.

Device – Device ist erschienen am 05.04.2013 bei Warner.

Webseite der Band: http://deviceband.com/

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