De/Vision – 13

Bohrende Neugierde

Alben mit Zahlen zu benennen, ist eine seltsame Art, um meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. De/Vision, das Duo aus Berlin (Deutschland), nennt das neue Album schlicht „13“. Nach Namen wie „Popgefahr“, „Rockets & Swords“, „Subkutan“ und so weiter, wirkt das doch irgendwie seltsam. 2001 benannten sie zwar schon ein Album „Two“, aber damit bezog sich die Band nicht auf die Reihenfolge. Was will mir die Band damit sagen? So etwas nagt ja an mir. Was hat es mit der 13 auf sich?

Das allwissende Internetz klärt mich auf. Dreizehn ist eine natürliche, ganze Zahl zwischen zwölf und vierzehn (ach was?) Es ist die siebte ungerade positive Zahl, eine Primzahl (die sechste), die kleinste Mirpzahl (das musste ich auch erst nachschlagen) und eine zentrierte Quadratzahl (das auch).

Die Zahl hat zig Bedeutungen in verschiedenen Religionen. Das zweite Buch Mose nennt dreizehn Eigenschaften Gottes („musikalisch“ ist übrigens nicht dabei). Die Bar Mitzwa findet im jüdischen Glauben am dreizehnten Geburtstag statt (hier wiederum mit viel Musik). Im nicht zur Bibel gehörenden „Koptischen Ägypterevangelium“ ist vom „Gott der 13 Äonen“ und von den „Kräften der 13 Äonen“ die Rede. In der „Apokalypse des Adam“ werden 13 Königreiche im Zusammenhang mit der Herkunft eines Erlösers beschrieben und im Marsanes ist von 13 göttlichen Siegeln die Rede. Die Maya (die aus Mittelamerika, nicht die Biene aus der Zeichentrickserie) kannten übrigens 13 Himmel und deren Kalender hat offenbar einen Fimmel für die Zahl 13.

Dreizehn gilt vielen als Unglückszahl und die Angst vor dieser Zahl hat sogar einen eigenen Namen (Triskaidekaphobie). So weit verbreitet ist dieser Aberglaube, dass in manchen Gebäuden der 13. Stock „fehlt“, In Flugzeugen oft die 13. Reihe in der Nummerierung ausgelassen wird und manche Krankenhäuser und Hotels auf ein Zimmer Nr. 13 verzichten. Sogar im Sport wird immer wieder die Startnummer 13 ausgelassen. Freitag der dreizehnte gilt als Unglückstag. „Der Dreizehnte“ ist ein Synonym für den Teufel, bei Dornröschen verflucht die nicht eingeladene 13. Fee das Mädchen und beim Tarot steht die Zahl für den Tod.

Damit nicht genug. Diverse Verschwörungstheorien ranken sich um die Zahl. Die wahrscheinlich bekannteste stellt die Zahl 13 mit dem 1-Dollar-Schein der USA in Zusammenhang, auf dem sie elfmal, versteckt in Bildern und Texten vorkommt und angeblich damit auf die Illuminaten verweist. Auch recht weit verbreitet ist die Behauptung, Apollo 13 sei wegen der Dreizehn (beinahe) schief gegangen. Es gibt aber auch noch sehr viel krudere Theorien, zum Beispiel die 13 satanistischen Blutlinien, den Rat der 13 und noch etliche mehr.

Es gibt eine Menge zu wissen zu der Zahl und wer – wie ich – ein wenig mit ausufernder Neugierde gestraft ist, verbringt schnell ganz viel Zeit mit dem Thema. Ich weiß zwar jetzt eine Menge mehr, aber ob das irgendetwas mit dem Album zu tun hat? Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht.

De/Vision PledgemusicWährend ich mich mit den ganzen Informationen rund um die Zahl Dreizehn rumgeschlagen habe, lief das Album. Ich muss ja schließlich vergleichen. Schwer zu sagen, ob es vielleicht in den Kompositionen einen tieferen Zusammenhang mit der 13 gibt, vielleicht 13tel Takte oder so? Schwer zu sagen, denn De/Vision baut schon mal recht komplexe Songs. Vielleicht könnte der Bezug hergestellt werden über die Themen, die in den Songs behandelt werden. Da geht es immer wieder um Schmerz, Unglück und so. Wäre vielleicht denkbar, aber so richtig offensichtlich und konkret ist das auch nicht.

Ach siehste. Das Album kann über Pledgemusic noch für zwei Tage unterstützt werden. Das Ziel der Kampagne ist zwar schon zu weit über 260% erfüllt, aber erstens bekommt man für das Geld einen ordentlichen materiellen Gegenwert, zweitens unterstützt man eine der besten Electro Bands aus Deutschland und drittens ist das Album „13“ richtig gut.

Die Jungs haben sich auf 13 echt was einfallen lassen und liefern ein schönes musikalisches Bouquet, das mal ruhiger, melodiöser Electro-Pop ist, mal durchsetzt ist mit experimentell dunklen Beats. Die Musik bleibt während des ganzen Albums interessant, auch wenn sich die Nachbarn mal wieder darüber beschweren, dass die Texte etwas schwer zu verstehen sind. Man kann halt nicht alles haben.

Speziell die Soundexperimente bei Songs wie In The Cold Light Of Day, Prisoner oder Read Your Mind sind exzellente Beispiele dafür, wie vielfältig und tief elektronischer Musik sein kann. Dabei fällt mir immer wieder die Souveränität und Eleganz auf, mit der De/Vision ihre Musik unkapriziös und unaufdringlich für sich sprechen lassen. 13 ist ein in sich geschlossenes Album mit vielen bemerkenswerten Ideen, mancher Verneigung (VNV Nation, Depeche Mode) und interessanten Blicken nach vorne, aber auch zurück.

Egal wofür die „13“ nun wirklich stehen mag (wir sind gespannt auf die Erklärung der Band), das Album ist richtig klasse. Die dezente Modernisierung steht der Musik gut. Die Kreativität der Band hält das Album vom Versumpfen im „same old“ ab und zeigt eine Band, die lebt, sich entwickelt und hervorragende elektronische Musik mit mehr macht, als einem Laptop und ein paar Plugins, nämlich mit Herz und Verstand. Gerade letzteres ist heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich.

De/Vision – 13 erscheint am 17.06.2016 bei Popgefahr Records / Soulfood

Offizielle Webseite von De/Vision

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De/Vision Tourdaten 2016

03.06.2016 Hecklingen, Löderburger See (Open Air)
31.07.2016 Bolkow (PL), Castleparty
08.10.2016 Hamburg, Markthalle
14.10.2016 Erfurt, HSD (Gerwerkschaftshaus)
15.10.2016 Frankfurt, Das Bett
28.10.2016 Oberhausen, Kulttempel
29.10.2016 München, Backstage
26.11.2016 Dresden, Kleinvieh
02.12.2016 Hannover, Musikzentrum

DE/VISION – „13“ ALBUM TEASER

3 KOMMENTARE

  1. Lässt man mal die Jubiläums-, Remix- und ähnliche Compilations weg, besteht der De/Visions musikalischer Katalog aus 12 Studioalben. Möglich, dass die Band noch weitere Assoziationen gehabt hat, aber diese recht naheliegende drängt sich einem Rezensenten nach der Frage nach der ominösen 13 nicht auf?

  2. Naheliegend. Vielleicht zu naheliegend. Oft verbinden Bands mit den Namen ihrer Alben (abgesehen von den ersten beiden) mehr. Außerdem war es echt interessant, sich damit ausienanderzusetzen und zu schauen, ob es vielleicht doch einen Zusammenhang gibt, der über das offensichtliche „es ist Album Nummer 13“ hinausgeht.

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