Diary Of Dreams – Hell In Eden

Maschine brennt

Es nimmt langsam epidemische Ausmaße an. Gefühlt jedes zweite Release wird derzeit „verschoben“. So auch das neue Album von Diary Of Dreams – Hell in Eden, das eigentlich für den 29.09.2017 angekündigt war. Verschoben wurde das Release schließlich auf den 06.10.2017 – nicht etwa, weil die Band es so wollte. Adrian ist der letzte, der seine Fans aus Spaß an der Freude warten lässt. Der Vertrieb war wohl nicht ganz so willig, wie die Band es gerne gehabt hätte…

Hell in Eden (Eigenschreibweise „hell in Eden“), das – je nach Zählweise – dreizehnte oder sechzehnte Album der Band, ist ein Konzeptalbum. Der Titel ist ein Wortspiel, das einerseits auf das Wort „hell“, das Gegenteil von dunkel, anspielt. Andererseits ist „hell“ aber auch das englische Wort für Hölle. Es bleibt dem Hörer überlassen, die tiefere Bedeutung zu ergründen. Für Adrian Hates, Frontmann und Kopf von Diary Of Dreams (übrigens ein wahnsinnig sympathischer und intelligenter Gesprächspartner, wie ich schon bei mehreren Interviews feststellen durfte), ist Eden kein Ort, sondern eine Maschine.

hell in Eden

Dieser Hinweis ist nicht ganz unwichtig, denn Hell In Eden trägt maschinelle Züge. Nicht etwa, dass Diary Of Dreams plötzlich in den Industrial abgewandert wäre. Das nun auch wieder nicht. Hell In Eden ist ein stark auf Synthies aufbauendes Album, das sowohl dem Rock, als auch dem Pop seine düstere Aufwartung mit der markanten Handschrift von Diary Of Dreams macht. Allerdings steht das Nachdenkliche eher im Vordergrund, die Musik macht aus sich selbst heraus nachdenklich.

War Grau im Licht nach Elegies In Darkness mit seinen Überkrachern Malum und Daemon schon etwas zurückgenommener, wirkt Hell In Eden im direkten Vergleich wie ein Exzess der melancholischen Nachdenklichkeit, gebadet im Zwielicht des unvorhersehbaren Lebens. Die Songs sind überwiegend eher verhalten kraftvoll. Die Musik ist geprägt von Bedachtsamkeit, Nachdenklichkeit und Trauer, die am Rande der hoffnungslosen Verzweiflung entlang taumelt. Mit jedem Track wird die Last schwerer, nimmt der Druck zu, wird die Stimmung finsterer.

Maschinenwelt – Segen oder Fluch?

Immer wieder spielen in den Lieder Maschinen, oder genauer: die Maschine, eine herausragende Rolle. Das spiegelt sich auch unmittelbar in der Musik wieder. Stilistisch tendiert Hell in Eden eher in eine treibende, durchgetaktete Richtung, allerdings wirkt dieses Antreiben erzwungen und trägt sehr zur bedrückenden, teils beklemmenden Stimmung bei.

Diary Of Dreams liefern mit Hell In Eden ein mindestens interessantes, auf jeden Fall aber sehr gelungenes Album, das, besonders im Zusammenhang mit den beiden Vorgängern gesehen, eine bemerkenswerte musikalische Entwicklung aufweist. Die Musik wird zwar insgesamt ruhiger, dafür aber komplexer. Weg vom „in your Face“, hin zum „inside your head“. Das gefällt auch deshalb, weil es wieder eine andere Seite der Band zeigt und das Gesamtbild abrundet.

Hell In Eden ist ein Gegengewicht zu Grau im Licht und Elegies in Darkness. Inhaltlich durchaus rätselhaft, ganz DOD-typisch düster. Es bleibt beim Zuhören jedem selbst überlassen, die Frage zu beantworten, ob es nun „hell“ ist in Eden, oder ob Eden die Hölle ist oder ob vielleicht noch etwas ganz anderes gemeint sein könnte. Frei nach Jean-Paul Sartre: „Die Hölle, das sind die anderen“ (Menschen). Aber auch ohne sich mit den tiefschürfend existentiellen Fragen des Lebens zu beschäftigen, ist Hell In Eden ein gelungenes Album, das schön zur verregneten Herbstatmosphäre in der hektischen Großstadt mit seinen gelegentlichen Andeutungen von Sonne und röntgenwindkalten Abenden passt.

Diary Of Dreams – Hell In Eden erscheint am 06.10.2017 bei Accession / Indigo

Offizielle Webseite der Band

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Diary Of Dreams hell in Eden Tour 2017

12.10. Frankfurt, Batschkapp
13.10. Krefeld, Kulturfabrik
14.10. Hamburg, Markthalle
20.10. Leipzig, Täubchenthal
21.10. Dresden, Reithalle
22.10. Nürnberg, Hirsch
16.11. Hannover, Musikzentrum
17.11. Bremen, Tivoli
18.11. Berlin, Huxleys Neue Welt
24.11. München, Backstage Werk
25.11. Stuttgart, Im Wizemann – Club

Diary of Dreams – hiding rivers (official Video)

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