Down Below – Mutter Sturm

Auf die Band „Down Below“ bin ich ganz unromantisch aufmerksam geworden: Durch den Bundesvision-Song-Contest 2008. Ich fand das sofort interessant, was die da machen, bin den nächsten Tag in den Plattenladen gerannt, habe mir die CD „Sinfonie 23“ angehört und sofort gekauft, was mal nicht so oft vorkommt. Ein paar Tage später habe ich mir dann noch die Single „Sand in meiner Hand“ geholt. Habe ich rauf und runter gehört und dann, wissen die Götter warum, die Band wieder aus den Augen verloren und dann glatt mal drei Alben verpasst. Ich war wohl in einem anderen Universum. Bis neulich. Da kam mir der Pressetext zur neuen Scheibe „Mutter Sturm“ entgegen. Also ich wieder Sabber im Mundwinkel und dieses „Will haben“-Greifen in den Fingern.

Ich muß sagen, ich erkenne den Stil der Band durchaus wieder, aber das musikalische Repertoire hat sich erweitert und ist meinem Gefühl nach vielfältiger geworden, nur in Bezug auf die Sprache haben sie sich zu meinem Bedauern auf deutsche Texte eingeschränkt. Auf „Mutter Sturm“ findet sich dieser der Band ganz eigene Stilmix von Alternative-, Dark-Rock und Metal wieder, erweitert um Elemente unter anderem aus Pop und Dub. Die Stimme von Neo Scope (Matthias Barwig) weist besonders im Intro „Sturmflut“ neue Facetten auf neben der für Down Below ganz typischen Melodieführung der Singstimme in die Kopfstimme bei einigen der weiteren Songs des Albums. Der überwiegende Teil der Stücke geht treibend nach vorn, aber es finden sich auch getragene, epische, hymnische Kompositionen auf der Scheibe. Richtig gut tanzbar und eingängig sind für mich gleich mehrere Titel, nämlich „Eismond“, „Nach der Flut“, „Lichterloh“, „Das Herz schlägt wild“, aber auch „Seerosen“. Musikalisch verbinden die meisten Lieder ruhigere, manchmal orchestralen Phasen und schleppenden Gitarrenriffs mit treibenderen, härteren oder schnelleren Beats, die sowohl durch das Schlagzeug, die Gitarren, aber auch durch Synthesizer-Sound-Effekte erzeugt werden.

Thematisch arbeitet sich Down Below an dem Thema Wasser in all seinen Erscheinungsformen ab mit klaren, plakativen Bildern in Musik und Text gekleidet. Zeitweilig erinnern die Stücke daher auch an bestimmte Titel von Eisbrecher, Rammstein oder Subway to Sally. Die Combo aus Sachsen-Anhalt kreist dabei jedoch sowohl musikalisch als auch inhaltlich um Gegensätze. So handelt „Sturmflut“ unter anderem von Freiheit, aber auch von dem Ausgeliefert-Sein gegenüber der Naturgewalt, „Leuchtturm“ von dem eigenen Verloren-Sein wie Treibgut und dem Hoffnungsanker und der Orientierung, die wir in einer Beziehung finden können, und auch in „Mutter Sturm“ geht es um Gegensätze von Hass und Liebe, Kindheit und Erwachsensein. Etwas aus der Reihe tritt „Seerosen“, interessanterweise ist hier ein Bezug zu einem stehenden Gewässer hergestellt, was dem Thema des Suizids entspricht, welches hier romantisiert und ästhetisiert verarbeitet wird. Insgesamt zeugen die Stücke aber weniger von negativen Erfahrungen oder persönlichen Bezugspunkten der Band, wie mir der bemühte Pressetext weismachen will. Dabei ist es doch ganz einfach, das Element Wasser in allen seinen Erscheinungsformen und besonders in seiner Bildsprache ist doch universal. Bei Down Below treten jedoch die tragischen Aspekte des Elements Wasser in den Hintergrund gegenüber den positiven Seiten als Mittel der Bewegung, als Quelle von Energie und als Lebenselixier, was auch in dem Titel „Lichterloh“ mit seiner Feuer- und Lichtmetaphorik deutlich wird, die uns das Wasser weniger als einen Gegensatz, sondern vielmehr als ein Äquivalent begreifen lässt.

Doch es bedarf keiner analytischen Fähigkeiten, um mit dem Album „Mutter Sturm“ von Down Below in die Wasserwelten abzutauchen. Mit dem Herzen kann man hier besser folgen als mit dem Kopf, wie so oft bei Musik. Einzig die zwei letzten Titel – „Blut bleibt rot“ und „Zu Haus“ bleiben mir im Zugang verschlossen, das eine ist mir zu holprig in der Abstimmung des Texts auf die Melodie, das andere ist mir zu klischeehaft und ich muss zeitweilig an Schlager denken. Hier hat sich für mich die sonst überzeugende handwerkliche Qualität etwas verwässert. Mein Fazit bleibt davon aber ungetrübt: Die Scheibe ist vielfältig, die Stimmung treibend, aufmunternd und mitreißend, Kompositionen und Texte sind klar, gehen nach vorn, dynamisch wie Wasser und Wellen, sind kontrastreich und schwungvoll, drehen sich um das Unterwegs-Sein, fließende Prozesse, Ferne und um das Ankommen, Nähe, Heimat und den Fels in der Brandung. Aufgrund meiner persönlichen Lebenssituation, meinen festen Hafen von Wohnort, Freundeskreis und Beziehung hinter mir gelassen zu haben und nun am Schwimmen zu sein, berühren mich die Songs „Leuchtturm“ und „Festland“ mit ihrer Hoffnung und Kraft sehr, aber auch „Belüge mich“ drückt für mich treffend Sehnsüchte aus.

Fazit: Volle Fahrt voraus für „Mutter Sturm“ von Down Below!

Down Below – Mutter Sturm erscheint am 30.10.2015 bei Oblivion (SPV)

Webseite: http://www.downbelow.de

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