Drangsal – Harieschaim

Anspannung und Nervosität bestimmen das Handeln

Mir einen Künstler als „the next big thing“ anzukündigen ist mutig, denn was für mich eine „große Sache“, ein „Big Thing“ wird, bestimmt eher mein Geschmack und nicht etwa eine Email in meiner Inbox. Entsprechend groß ist meine Zurückhaltung und Skepsis, als ich mich mit Drangsal – Harieschaim hinsetze. Und überhaupt: Harieschaim… was bedeutet das überhaupt? Ist das ein Kunstwort, oder steckt da was hinter?

Harieschaim

Harieschaim heißt heute Herxheim. Es ist der Name eines Dorfes nahe Landau in der Pfalz. Der Ort hat eine extrem weit zurückreichende Vergangenheit. Im Jahre 773 erstmals urkundlich erwähnt, konnte nachgewiesen werden, dass die Gegend schon in der Jungsteinzeit besiedelt war. Warum ist das wichtig für ein Album? Der Ort hat Geschichte und auch die Musik von Drangsal hat Geschichte.

Damals…

Mitten in der Nacht sitze ich bei Kerzenlicht und einem Bier vor der Anlage und tauche ein in die Musikalische Welt eines Anfang zwanzig jährigen Musikers, der etwas schafft, was nur wenige schaffen: Ich höre auf einem einzelnen Album beinahe meine ganze eigene musikalische Teenagerzeit, transportiert ins hier und jetzt. Es ist genau die Musik, die damals schon polarisiert hat: Die, die das gehört haben, trugen damals schwarz, Lack und Leder, oft spitze Schuhe, hatten tonnenweise Haarspray in den Haaren und einen merkwürdigen Ruf. Sie waren die Außenseiter, die Smiths, Cure, New Order und Joy Division. Morrissey, Prefab Sprout, Echo & The Bunnymen zelebrierten. Es war die Musik meiner Generation.

Drangsal – Harieschaim nimmt diese Musik wie ein Schwamm in sich auf. Er atmet das Flair dieser Zeit und lebt den Geist dieser speziellen Musik, direkt, unmittelbar. Düsterer Hochglanzpop mit den prägnanten Synthies und Gitarren – wenn ich nicht drei Mal nachgesehen hätte, ich hätte gewettet ein Album aus der Zeit eingelegt zu haben. Darum habe ich mir die alten Scheiben auch alle aus dem Schrank geholt. Disintegration, The Queen Is Dead, Vauxhall and I und viele, verdammt viele mehr.

Bis die verdammte Hütte brennt!

Drangsal FacebookDrangsal – Harieschaim ist verdammt nah dran und ich hasse es sagen zu müssen: Es klingt im direkten Vergleich moderner und frischer, durchdachter, in sich schlüssiger. Fuck, die Scheibe ist geil. Sie ist unfassbar gut. Nicht nur „gut gemacht“, nein, sie ist echt verdammt richtig gut. Dieses Album macht die Tür zur Musik von damals nicht einfach nur auf. Diese Scheibe entfernt das ganze Haus samt Kellergewölbe drum herum und stellt die Musik dahin, wo sie hin gehört: Mitten auf die große Bühne und dreht alle Regler hoch.

The Next Big Thing? Keine Ahnung. Diese Musik war ja schon mal richtig fett dabei, ist bis heute Quelle der Inspiration und Grund für Musikerkarieren rund um den Globus. Wenn es durch dieses Album wieder ein „Big Thing“ wird, hey, ich bin dabei! Die Songs auf Drangsals Album tragen zwar echt schräge Namen, zum Beispiel „Der Ingrimm“, „Moritzzwinger“ oder „Wolpertinger“, die wahrscheinlich bei den Wenigsten ad hoc die richtige Assoziation zu der Musik herstellen werden, die sie bei diesen Songs erwartet, aber das ist echt einfach mal völlig egal. Die Songs werden zu Dir sprechen. Namen sind da völlig egal.

Ja, da sind immer wieder irgendwelche Ähnlichkeiten zu „damals“ zu hören, die aber eben nicht nur auf The Cure & Co verweisen, sondern auch in die anderen Richtungen zeigen: a-Ha und Thompson Twins, aber auch NDW und Punk. Die Musik ist eine Sache, aber auch die Texte sind wahre Perlen. Wer es schafft, dem Hörer im Vorbeigehen „Ropes hold fast to my sore skin at last, pull me up higher – into purgatorial fire“ ins Gesicht zu lachen, kann nicht heftig genug gefeiert werden.

Drangsal – Harieschaim ist ein grandioses Album. Punkt.

Drangsal – Harieschaim erscheint am 22.04.2016 bei Caroline / Universal Music

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Drangsal auf Tour 2016

13.05.16 – 16.05.16 D – Leipzig – Wave-Gotik-Treffen
16.05.16 D – Essen – Pfingst Open Air Werden
27.05.16 D – Augsburg – Modular Festival
27.05.16 – 28.05.16 D – Neustrelitz – Immergut Festival
03.06.16 – 05.06.16 D – Mannheim – 6. Maifield Derby
25.06.16 D – Chemnitz – Kosmonaut Festival
15.07.16 – 17.07.16 D – Gräfenhainichen – Melt! Festival
29.07.16 – 30.07.16 D – Dortmund – Juicy Beats
04.08.16 – 06.08.16 D – Münster – Auf weiter Flur
12.08.16 D – Rees-Haldern – Haldern Pop Festival
19.08.16 – 21.08.16 D – Hamburg – Dockville Festival
24.08.16 – 28.08.16 D – Köln – C/O Pop Cologne Music Festival
28.10.16 D – Köln – Gebäude 9
03.11.16 D – Münster – Gleis 22
04.11.16 D – Wiesbaden – Schlachthof
11.11.16 D – Stuttgart – Keller Klub
12.11.16 D – Dortmund – FZW
18.11.16 D – Dresden – GrooveStation
19.11.16 D – Berlin – Lido
23.11.16 AT – Salzburg – Rockhouse
24.11.16 AT – Wien – B72
27.11.16 CH – Zürich – Amboss Rampe
09.12.16 D – Leipzig – Moritzbastei

DRANGSAL – „ALLAN ALIGN“ (Official Video)

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