Drowning Pool – Hellelujah: Kritik und Widerstand

Ein weiter Weg von Bodies zu Hellelujah

Drowning Pool – Hellelujah ist ein schnelles Album, melodisch, antreibend. Die Band ist in den Jahren viel herumgekommen und ihre Musik hat sich entsprechend entwickelt. Verglichen mit zum Beispiel dem Album „Sinner“ (2001) liegen Welten zwischen der Musik von damals und der von „Hellelujah“. Die Musik ist kompakter geworden, dichter. Es passiert viel mehr in den Songs. Moderner sind sie geworden, reifer. Die Gene von „Bodies“ sind deutlich erkennbar, aber die Musik ist heute geschliffener, eleganter bissiger.

Hellelujah macht schon Spaß. Die Songs des Albums arbeiten Hand in Hand, ergänzen sich mit ihren intensiven Melodien gegenseitig, bauen ein Stück weit auf einander auf. Der Name des Albums, zusammengesetzt aus „Hell“ und „Hallelujah“, verrät, womit sich die Band beschäftigt: Drowning Pool benutzen religiöse Themen und Symbole, um Themen wie Selbstmord aber auch Individualismus, Konformität und Gesellschaftliche Zwänge zu verarbeiten. Besonders an zwei Songs werden diese zentralen Elemente des Albums besonders deutlich.

Bildhafte Sprache

„We Are The Devil“ benutzt besonders plakativ die religiöse Symbolik des Kampfes zwischen Gott und dem Teufel. Ausgehend davon stellt die Band Gott als Symbol für die konforme Gesellschaft, „die anderen“ dar und stellt dem die nicht Konformen, die Außenseiter gegenüber. Die Message ist unmissverständlich: Bleib Dir selbst treu, halte durch, lass Dich nicht unterkriegen. Kurz: Wenn Du aufgibst, haben die anderen gewonnen.

In „Meet The Bullet“ greifen Drowning Pool ein in den USA bekanntes (Kinder-)Lied auf: „If you’re happy and you know it“. Enervierend eingängig und jedes Kind kennt es, weil es fürchterlich einfach nachzusingen ist. Eigentlich besteht das Lied nur aus einer Strophe: „If you’re happy and you know it, clap your hands (clap) (clap)“. Wenn du glücklich bist und es weißt, dann klatsch in die Hände. Drowning Pool geben dem Lied einen bissigen turn: „If you’re crazy and you know it, shoot your self“ singt eine Mädchenstimme am Anfang. „Wenn Du irre bist und es weißt, erschieß Dich.“

Beide Songs greifen tief in der amerikanischen Gesellschaft verwurzelte Symbole auf und stellen ihre Aussage infrage. Für Europäer ist das unter Umständen etwas schwieriger zu verstehen, aber selbst wenn die Tragweite der in den Songs verwendeten Bilder und Symbole nicht sofort auf allen Bedeutungsebenen klar wird, lässt die Band keinen Zweifel daran, was sie meint.

Amerikanisch und doch gut

Hellelujah ist ein für meinen Geschmack etwas zu amerikanisches Album. Nicht nur wegen der verwendeten Symbole, sondern auch wegen der Musik. Die ist toll und klasse und alles, keine Kritik an der Qualität, aber insgesamt ist mir das Album einen Tacken zu sehr „Amerika“. Dazu kommt, dass die Songs auf Dauer etwas ähnlich klingen. Wären da nicht das beeindruckend großartige „Another Name“ und eben „Meet The Bullet“ wäre mir das Album melodisch beinahe zu eintönig.

Dennoch lohnt es sich, Drowning Pool zuzuhören. Die Lyrics auf Helleluhjah sind kreativ und lebendig. Die Bildsprache ist sehr gut gelungen, herausfordernd und mehrdeutig genug, um Zuhörer zum Nachdenken zu bewegen. Das gefällt. Mit „Another Name“ zeigt die Band, dass sie ein breiteres Spektrum hat und die Musiker mehr können, als andere Tracks vermuten lassen. Alteingesessene Fans werden Drowning Pool – Hellelujah mit Sicherheit lieben und ich denke, das Album hat durchaus das Zeug, der Band einige neue zuzuführen.

Drowning Pool – Hellelujah erscheint am 05.02.2016 bei Long Branch Records / SPV

Webseite von Drowning Pool: http://drowningpool.com/

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