Ein Ende: Terry Pratchett – The Shepherd’s Crown

Abschied

Dieses Buch ist ein ein Abschied. Das hat auch damit zu tun, dass ein nicht unbedeutender Teil der Handlung sich – auch – um einen Abschied dreht, aber vor allem ist Terry Pratchett – The Shepherd’s Crown auch das letzte Buch, an dem Terry Pratchett aktiv mitgearbeitet hat. Das letzte Buch einer langen Schaffensreihe, die mich seit meiner Jugend begleitet hat.

Leider war ein Ende schon lange zu befürchten, seit 2007 bei dem Autor das Benson-Syndrom diagnostiziert wurde, einer degenerativen Krankheit ähnlich der Alzheimer-Erkrankung. Trotzdem schuf er auch nach der Diagnose noch sieben weitere Bücher, darunter das grandiose „Nation“ (dt. „Eine Insel“) und arbeitete mit S. Baxter an der vierteiligen Reihe der „Long Earth“. Ende 2008 wurde Terry Pratchett, der sich schon früh aktiv im Internet mit dem Handle PTerry beteiligte, für seine Verdienste um die Literatur zum Knight Bachelor ernannt – zum Ritter geschlagen – und durfte sich seither „Sir“ nennen. Am 12. März 2015 verstarb Sir Terry an den Folgen seiner Erkrankung.

Das ist der eine Abschied, vor den mich dieses besondere Buch stellt. Das Vermächtnis eines großen Autors, erschienen fast ein halbes Jahr nach seinem Tod. Der andere Abschied passiert im Buch. Ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen: Einer der großen, einer der bekanntesten Charaktere der Scheibenwelt, stirbt. Einfach so… lässt uns auf der Scheibe allein. Die Parallele zu unserer Rundwelt hat mich berührt, angerührt, betroffen gemacht.

Terry Pratchett – The Shepherd’s Crown

Terry Pratchett – The Shepherd’s Crown (deutsch: „Die Krone des Schäfers“) ist der fünfte Tiffany Aching (dt. Tiffany Weh) Roman. Das heißt, wir begegnen den Nac Mac Feegle wieder, jenen etwa 15 Zentimeter großen tätowierten Pixies, die dem Begriff „Feenvolk“ eine ganz eigene Bedeutung verleihen. Wir treffen natürlich die Hexen wieder, sowohl die „kleine große Hexe“ des Kalklandes Tiffany als auch die Hexen Lancres. Und wir treffen die Elfen wieder. Ja, genau, diese Elfen, die so gar nicht dem Elbenvolk eines Tolkien entsprechen, sondern eher den Gestalten der nordischen Sagen. Eben den Elfen, die auch Babies stehlen.

Dazu lernen wir auch neue Charaktere kennen – einen Ziegenbock und seinen Begleiter Geoffrey (oder war es anders herum?) oder die alten Herren von Lance, allen voran Mr Sideways und seine Bastelleidenschaft. Einige Leute, die schon Auftritte in der Scheibenwelt hatten, werden in Terry Pratchett – The Shepherd’s Crown weitergehend beleuchtet – hier allen voran Nightshade, die Königin der Elfen, die in „Wee Free Men“ (dt. „Kleine freie Männer“) ihr Debut gab – und jetzt dazu lernen muss.

Tiffany wird in diesem Roman älter, reifer, verantwortungsvoller – und tatsächlich stolpert sie diesmal nicht selbst in ihr Abenteuer, sondern wird durch die Umstände hineingestoßen – kein Losziehen mit einer gusseisernen Bratpfanne, kein Tanzen mit dem Geist des Winters. Und obwohl auch in diesem Roman von der Scheibenwelt am Ende nicht alles eitel Sonnenschein ist, findet Tiffany in Terry Pratchett – The Shepherd’s Crown einen Frieden. Und auch da ist die Parallele zu unserer Rundwelt wieder da, wieder präsent – berührt mich, berührt den Leser wieder. In einem eigenen Frieden mit diesem Abschied.

Terry Pratchett – The Shepherd’s Crown ist am 27.08.2015 bei Doubleday Childrens erschienen, auf Deutsch als Die Krone des Schäfers am 9.11.2015 bei Manhattan.

2 KOMMENTARE

  1. Nicht unbedingt. PTerrys Tochter ist von ihrem Vater eingearbeitet, sie wird voraussichtlich nicht nur Nachlassverwaltung spielen, sondern durchaus auch eigene Geschichten in dieser Welt ersinnen. Wie weit die angelehnt sind an Sir Terrys Arbeit, sei erstmal dahin gestellt – aber ich bezweifle, dass die Welt auf dem Rücken der vier Elephanten, die auf dem Panzer von Groß-A’Tuin stehen, so sang- und klanglos ins Nichts entschwindet.

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