Eisbrecher – Sturmfahrt

Eine Seefahrt, die ist lustig…

Eisbrecher, die Band um Alexander “Alexx” Wesselsky und Jochen “Noel Pix” Siebert, haben sich im Laufe ihrer sechs letzten Album nach und nach zu einer konstanten Größe in der deutschen Rockmusik erarbeitet. Mit dem jetzt erscheinenden Album Sturmfahrt will die Band an die Erfolge von Schock (2015) und Die Hölle muss warten (2012) anknüpfen.

Als ich Eisbrecher kennenlernte, war die Band deutlich der NDH und schwarzen Szene zuzurechnen. Sturmfahrt ist deutlich breiter aufgestellt. Es fällt schwer, die Musik pauschal einer Richtung zuzuordnen. Manchem Fan wird das sauer aufstoßen, anderen hingegen gefallen. Musikalisch präsentiert Eisbrecher auf Sturmfahrt ein breit aufgestelltes Spektrum, das von NDH und Industrial über Hard Rock bis hin zu Pop Rock reicht.

Sturmfahrt

Zu meiner großen Überraschung funktioniert das sehr gut. Ich hatte eigentlich mit einem Album gerechnet, dass sich deutlicher in die eine oder andere Richtung orientiert. Insgeheim hatte ich sogar gehofft, die Band könnte vielleicht wieder eine Scheibe ähnlich Eiskalt (2011) produzieren. Doch Noel Pix und Alexx haben offenbar anderes im Sinn und liefern für jeden die Musik, die er oder sie gerade braucht.

Klar, das kann man als “Kommerzialisierung” abtun und verdammen. Tatsächlich aber leistet Eisbrecher mit Sturmfahrt etwas, was ich der Band hoch anrechne. Die Band liefert einerseits das, was der Band eine große und treue Fangemeinde beschert hat. Da ist die Schwärze, das Harte, die Kälte, das Metallische. Darüber hinaus ist da aber eben auch das, was neuere Fans sich vielleicht eher von der Band wünschen. Das Album rockt ordentlich. Breitentauglichkeit ist deshalb absolut kein Schimpfwort. Insbesondere dann nicht, wenn diese so rund und in sich stimmig umgesetzt ist, wie auf Sturmfahrt.

Nix is mit Schmusi-Busi

Sturmfahrt ist absolut kein Schmusealbum. Das ist handfester Rock, mal mehr im Gewässer der NDH, mal in Sichtweite der Industrial-Küsten, mal auf der ruhigeren Pop-Rock-See, aber immer wieder mittendrin im stürmischen Rock. Da wird die Anlage kraftvoll durchgepustet. Dazu gesellen sich Texte, die kritisch hinterfragen, sowohl die Gesamtsituation wie auch das eigene Handeln – oder eben Nichthandeln, je nach dem.

Sturmfahrt ist ein tolles Paket, das für jeden was anbietet. Da ist die Verneigung in Richtung Rammstein, die Ode an Grauzone, die Hommage an Doldinger und U96, das Gefühlvolle und auch das Geballer. Natürlich wird es die geben, die von der Band anderes erwarten, sei es mehr von jenem, weniger von diesem oder auch ganz was anderes. Letztendlich ist das aber abhängig vom eigenen Geschmack. Auch ich habe zwei, drei Anläufe gebraucht, bevor Sturmfahrt und ich so richtig Freunde waren. Schlussendlich hat mich Eisbrecher – Sturmfahrt aber überzeugt.

Musikalisch ist das Album toll. Die Texte sind typisch Eisbrecher. Die Stimme von Alexx hat das ganz typische Flair, das den Geschichten diese besondere kernige Wirkung verleiht, die Eisbrecher eben ausmacht. Dazu kommen der hervorragende Rock und Drive und auch das stets passende Tempo. Wer ein modernes, griffiges Rockalbum mit verschiedensten Blicken über die Tellerränder sucht, sollte bei Sturmfahrt auf jeden Fall zugreifen. Wer aber das Gestrige, das stilistisch Monochromatische erwartet, sollte vielleicht doch lieber die alten Scheiben wieder aus dem Schrank holen.

Eisbrecher – Sturmfahrt erscheint am 18.08.2017 bei RCA Deutschland / Sony Music

Offizielle Webseite von Eisbrecher

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Eisbrecher Sturmfahrt Tour 2017

29. 09. 2017 Oberhausen (D) / Turbinenhalle 1
30. 09. 2017 Hamburg (D) / Mehr! Theater
01. 10. 2017 Wiesbaden (D) / Schlachthof
02. 10. 2017 Stuttgart (D) / Liederhalle – Hegelsaal
03. 10. 2017 München (D) / Zenith
05. 10. 2017 Wien (A) / Gasometer
06. 10. 2017 Dresden (D) / Alter Schlachthof
07. 10. 2017 Leipzig (D) / Haus Auensee
08. 10. 2017 Berlin (D) / Columbiahalle
10. 10. 2017 Saarbrücken (D) / Garage
11. 10. 2017 Zürich (CH) / X-tra Limmathaus
13. 10. 2017 Eindhoven (NL) / De Effenaar
14. 10. 2017 Paris (F) / Le Trabendo

Eisbrecher – Was ist hier los? (Offizielles Musikvideo)

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