Electric Six – Bitch, Don’t Let Me Die!

Electric Six – Bitch, Don’t Let Me Die! ist je nach Sichtweise eine Herausforderung, ein Affront, ein Album, oder Programm. Egal wie man es sieht, das elfte Album der 2003 gegründeten Band Electric Six aus Detroid rockt. Über das „wie“ müssen wir reden. Die Band steht inmitten des Chaos eines sich selbst langsam aber sicher auflösenden Musikgenres. Dabei tut sie einfach so, als wenn der Wandel von Zeit und Geschmack entweder nicht stattfindet, oder diese Band einfach nicht betrifft.

Electric Six bedienen jedes Klischee – mindestens doppelt. Bitch, Don’t Let Me Die ist eine Art Varieté oder vielleicht musikalisches Kabarett. Damit widersetzt sich die Band jedem Versuch, sich in irgendeine Schublade stecken zu lassen. „Das ist Rock“ ist daher die einzige allgemein gültige Aussage, die ich über das Album treffen kann. Was den Rest angeht, muss ich kreativ werden.

Electric Six – Bitch, Don’t Let Me Die!

Thematisch rollt Electric Six den amerikanischen Traum von hinten auf. Als imaginäre Besatzung eines Müllwagens grast die Band Las Vegas ab, reißen zotige Witze aus dem Herrenmagazin und wühlen ganz tief im Bodensatz der Gesellschaft. Wer Wert auf politische Korrektheit legt, sollte vielleicht nicht zu diesem Album greifen. Drone Strike, ein Schlagwort, dass seit dem „Krieg gegen den Terror“ eine eindeutige Bedeutung für so ziemlich jeden hat, wird bei Electric Six zum Schlagwort für Geschlechtsverkehr. Präsident Obama wird zum Brieffreund für jeden, der die Jugend von heute nicht mehr versteht. Währenddessen bleibt Arthur, ein trotteliger Ersatzweihnachtsmann, im Kamin stecken und verreckt jämmerlich.

Untermalt werden diese bissigen und finster ironischen Geschichten durch Rock, der sich schamlos überall bedient. Shuffle, Hardrock, Funk, Metal, Glamrock, AOR, Indie, Dance. Alles, was auch immer gerade noch geeignet erscheint, wird verwurstet. Dabei sind Electric Six aber so unverschämt gut, dass man nicht umhin kann, der Band stets wieder Respekt zu zollen und sie zu bewundern. Ob nun mehr für ihr famoses Spiel oder eher für die unfassbare Respektlosigkeit, muss jeder selbst für sich entscheiden.

Alles in allem ist Electric Six – Bitch, Don’t Let Me Die! ein famoses Album, mit Esprit, Charme und Witz. Der Humor spricht vielleicht nicht jeden an und der eigenwillige Stil der Band passt wahrscheinlich auch nicht jedem. Aber am Ende, wenn alle auseinander gehen, bleibt eh nur die von Electric Six zurecht aufgeworfene Frage, wer die Ranch, wer die Pferde und wer die Knarren bekommt. Ich bin gespannt, ob das nächste Album vielleicht hierauf eine Antwort liefert.

Electric Six – Bitch, Don’t Let Me Die! ist erschienen am 02.10.2015 bei Metropolis Records

Webseite der Band: http://www.electricsix.com/

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