Eminem – The Marshall Mathers LP2: Der böse Junge ist zurück

HipHop! Rap! Gangsta! Yo! Sprechgesang! Hab ich alle Schockwörter durch? Gibt wahrscheinlich noch mehr. Ich bin heimlicher Fan von Eminem. Ja, richtig gelesen. Der weiße Rapper aus Missouri, der Ende der 1990er Jahre nahezu aus dem Nichts mit seinem Album „The Slim Shady LP“ weltweit die Charts aufgemischt hat. Mit dem Film 8 Mile hat er mich dann gekriegt. „Lose Yourself“ gehört für mich zu den Key-Songs der 2000er. Nach dem 2004er Encore verlor ich Eminem irgendwie aus den Augen. So sehr war ich dann doch nicht Fan von Rap und HipHop.

Erst 2011 durch den Song „I Need A Doctor“ von Dr Dre, auf dem Eminem als Gastkünstler auftrat, erinnerte ich mich an ihn und war gespannt, was von ihm zu erwarten sein würde. Vor fast zwei Monaten erschien sein aktuelles Album. Es sollte trotzdem noch dauern, bis ich das Album allen Widrigkeiten zum Trotz endlich besitzen sollte. Manchmal muss ich eben zu roher Gewalt greifen, um an den guten Stoff ‚ranzukommen. Und fucking hell, The Marshall Mathers LP2 ist gut. Richtig gut.

Eminem ist kein 18jähriger mehr, der gegen alles und jeden an protestiert, der um jeden Preis wahrgenommen werden will. Das ist gut, denn Eminem zeigt, dass er seinen Stil gemeistert hat und versteht, ihn sorgfältig dosiert einzusetzen. Wer das Rohe, das Ungeschliffene will, dem wird The Marshall Mathers LP2 deshalb wahrscheinlich eher nicht gefallen, denn Eminem ist darüber hinaus. Er schafft es, das ursprüngliche einzufangen, das ich mit seinem Stil verbinde. Er bringt seine Message mit teils atemberaubend emotionalen Lyrics brillant – und selten politisch korrekt – auf den Punkt. Seine Wortspiele sind großartig und für manchen bestimmt schwer zu verstehen. Sein Humor ist – wie früher – ein wenig speziell und er versucht gar nicht erst zu sein, was er nicht ist.

Eminem ist er selbst und das ist großartig. Das Album trieft vor Nostalgie, Anspielungen auf seine eigene Vergangenheit, aber auch die Vergangenheit insgesamt. Die Melodien, die er teilweise als Fundament seiner Songs verwendet, kennen wahrscheinlich sogar meine Eltern. Einige Songs sind schon fast schmerzhaft auf Charts produziert. Dennoch: Man kann über den Song The Monster denken, wie man will, aber Rihanna hat es einfach nicht nötig, als Backgroundsängerin bei irgendwem anzuheuern. Dass sie es aber dennoch getan hat, sollte für sich gesehen bereits einiges über das Album aussagen. Songs wie Berzerk, Rhyme Or Reason, Asshole und Stronger Than Me haben mich einfach nur umgehauen. The Marshall Mathers LP2 ist ein Album, bei dem ich intuitiv verstehe, was der Künstler von mir will – das gelingt längst nicht jedem Künstler.

Ich möchte nicht so weit gehen zu behaupten, dass dieses Album das Beste ist, das Eminem bisher veröffentlicht hat. Aber es ist auf jeden Fall weit oben. Für mich war die Anschaffung der 2 CD Deluxe Edition ein Kauf, den ich nicht bereue und den ich jedem empfehle, der Eminem irgendwann schon irgendwie „ganz cool“ fand.

Eminem – The Marshall Mathers LP2 ist erschienen am 5. November bei Interscope (Universal)

Webseite des Künstlers: http://www.eminem.com/

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