Bastian Sick – Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod Lesung und Show in der Kulturetage Oldenburg

Deutsche Sprache – schwere Sprache

Vor zwölf Jahren entstand die Kolumne namens „Zwiebelfisch“ auf Spiegel Online, in der Hamburger Autor Bastian Sick sich mit den Irrungen und Wirrungen der deutschen Sprache beschäftigte. Daraus wurde das Buch „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“, das zu einem der größten Bestseller des Jahrzehnts wurde. So groß war die Wirkung dieses Buches und der Kolumne, dass seit damals sechs Bände erschienen, die sich millionenfach verkauft haben. Bastian Sick wird zuweilen als „Papst der deutschen Sprache“ bezeichnet und in mehreren Bundesländern sind seine Bücher fester Bestandteil des Deutschunterrichts geworden. Immer wieder wenden sich Menschen an ihn, um sich von ihm sprachliche Streitfragen und Feinheiten erklären zu lassen.

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod

Gestern war der Autor in der Kulturetage Oldenburg und stellte den sechsten und letzten Band seiner Reihe „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ vor. Mit seinem trockenen Humor zeigte er dem Publikum, wie leicht es ist, mit wenigen Worten totale Verwirrung zu stiften. Wenn eine Zeitung darüber schreibt, dass ein Einbrecher von einem Polizeihund gestellt, gebissen, verhaftet und im Krankenhaus versorgt wird, oder ein anderes Blatt verkündet, dass in nach einem Einbruch der Tresor des Unternehmens im Gebüsch gefunden und verhaftet wird, zeigt das in aller Deutlichkeit, wie es leider zu oft um den Gebrauch der Sprache bestellt ist.

Sprache kommt von Sprechen und deshalb meint jeder, etwas dazu zu sagen zu haben. Bastian Sick führt dem Publikum humorvoll vor, wie kompliziert die Fragen sind, mit denen wir alle im Alltag konfrontiert sind. Wie frage ich eine Verkäuferin, wo in diesem Geschäft jene Wischgerätschaften zu finden sind, die einzeln „Mopp“ heißen? „Verzeihen Sie, wo haben sie hier die…“ – ja, wie wird denn jetzt der korrekte Plural dazu gebildet? Moppe? Mopps? Möppe? Möppse? Will ich die Verkäuferin wirklich fragen, wo hier die Möppse zu finden sind?

Bastian Sick Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod Foto Frank BraadeDem Publikum wird langsam bewusst, dass Sprache ein kompliziertes und komplexes Ding ist und wir alle dazu beitragen, dass sie zwar lebendig bleibt, dadurch aber nicht unbedingt verbessert wird. Bastian Sick erkundet mit dem Publikum die Herkunft von Wörtern, ihre ursprüngliche Bedeutung und was im Laufe der Zeit daraus geworden ist. Er stellt infrage, ob die politische Korrektheit immer korrekt ist und was diese „Korrektheit“ für unsere Kultur bedeutet, wenn wir sie Konsequent umsetzen.

Am Beispiel von Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf zeigt er, dass vermeintliche sprachliche Unkorrektheiten sich im Einzelfall vielleicht noch anpassen lassen, wie schnell dabei aber auch über das Ziel hinausgeschossen wird, wenn dieselben Ansprüche an andere Autoren gestellt werden. Ob die Werke von Karl May einen solchen Ansturm überleben könnten? Bastian Sick stellt die berechtigte Frage, was an „mein Vater“ so problematisch sei, dass daraus „mein Papa“ gemacht werden musste und lässt die Zuschauer über die Frage nachdenken, ob es richtig ist, Literatur dem Zeitgeist unterzuordnen. Was würde Goethe heute sagen? Könnte er mit seiner Kunst noch immer die Menschen erreichen und begeistern? Könnte er davon leben?

Das Publikum feiert die von Bastian Sick präsentierten Stilblüten hingebungsvoll, lässt sich einfangen von der Macht der Sprache, ihrer Vielfalt, die sich auch in wenigen Wörtern zeigen kann. Wenn Bastian Sick aus den Wörtern „Hammer“ und „fest“ eine ganze Geschichte entstehen lässt, wird wohl auch den letzten Skeptikern bewusst, wie mächtig das Wort sein kann, wie vielseitig Sprache ist und sehr es sich lohnt, auf die Sprache und ihre Verwendung zu achten.

Bastian Sick Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod Foto Frank BraadeAber Bastian Sick kann noch mehr als nur vorführen, was andere falsch machen. Er zeigt, dass auch in der Musik gerade die deutsche Sprache ganz und gar nicht uncool ist, sondern eine ganz eigene Pracht entfalten kann, wenn der Künstler denn versteht mit der Sprache umzugehen und Gedanken in die richtigen Worte zu fassen. Er bricht mehr als nur eine Lanze für den Chanson, trägt gefühlvolle Lieder vor, zeigt auch andere Fassetten des Bastian Sick, die viele so nicht erwartet hätten.

Es war ein niveauvoller und lehrreicher Abend mit viel Humor, Kultur und Geschichten, aber auch Geschichte. Auch ich hatte noch einige Aha-Erlebnisse und habe – mal wieder – erfahren, dass gerade die deutsche Sprache ein viel zu oft unterschätztes Werkzeug ist. Das Publikum war völlig zurecht begeistert von der atemberaubenden Reise durch die deutsche Sprache, ihre Tiefen und Untiefen, die Irrungen und Leistungen ihrer Benutzer. Das Publikum war sich am Ende darüber einig, dass es sich lohnt, bewusst zu sprechen und vielleicht ein wenig mehr auf dieses wertvolle Gut zu achten, das jedem mitgegeben und von vielen doch so sträflich ignoriert und misshandelt wird.

In diesem Sinne: Füllen Sie sich wie zu Hause!

Bastian Sick – Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod Folge 6 ist erschienen im KiWi-Verlag

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