Faderhead – Night Physics

Los jetzt! Tanzen!

Faderhead, das Projekt des aus Hamburg stammenden Sami Mark Yahya, veröffentlicht mit Night Physics das – je nach Zählweise – neunte oder elfte Album. Nach FH-X (2016) und No Signal (EP, 2017) ist Night Phyiscs deutlich nachdenklicher, aber auch reifer, besser, fokussierter. Das Album ist um einiges melodischer als seine Vorgänger, trotzdem ist die Rundreise durch verschiedene elektronische Stile kraftvoll, frisch und ungemein gut tanzbar.

Besonders deutlich ist an der Entwicklung der Musik von Faderhead die Hinwendung zu zunehmend präziseren Kompositionen. Der musikalische Ausdruck wird klarer, deutlicher akzentuiert, gleichzeitig aber auch abwechslungsreicher. Auf Kosten der Harsh / Noise Anteile versteht es Night Physics, gerade diese Entwicklung ausgewogenem auszudrücken. Auch wenn der Verdacht an dieser Stelle naheliegt: Night Physics ist kein Album für Softies. Das zu behaupten wäre schon etwas vermessen. Faderhead versteht auch heute noch sehr genau, welche Knöpfe er drücken muss, um Hintern zu treten, die Tanzflächen zu bevölkern. Schon der Opener Know Your Darkness bringt das auf den Punkt und dürfte (zusammen mit etlichen anderen Nummern des Albums) in den Clubs rauf und runter gespielt werden.

Night Physics

Nein, es ist nicht etwa eine plakative Weichheit, die sich durch die Musik von Faderhead – Night Physics zieht. Dazu sind auf dem Album auch zu viele richtig geil nach vorne gehende Powertracks. Es ist eine vielleicht von Lebenserfahrung geprägte, nachdenkliche Stimmung, die der Musik eine eigentümlich verhaltene Färbung beimischt. Immer wieder weicht diese Nachdenklichkeit der von Faderhead gewohnten musikalischen Aggression. Gerade diese Passagen erinnern immer wieder an frühere Werke und ermöglichen den direkten Anschluss.

Die Verbindung von offensiv poppigen Sounds und beinharten Rhythmen erzeugt eine großartige Stimmung, in der Melancholie, Optimismus und ein schwer zu greifendes Gefühl irgendwo zwischen Wut und Aufbruchsstimmung aufeinandertreffen. In anderen Songs wiederum ist die Ironie wundervoll tragendes Element und der ausgestreckte Mittelfinger deutlich hörbar. Das Gesamtpaket ist ungewohnt weit gefächert und lotet manche Bereiche und Stilrichtungen etwas deutlicher aus, als erwartet.

Entwicklung ist auch DNA Neukombination

Gerade in Kombination mit dem unverkennbaren und markanten Stil von Faderhead ergeben sich so großartig mutige neue Kombinationen, die allesamt einfach nur klasse gemacht sind und doch schon immer in der Musik von Faderhead vorhanden waren. Die langsamen, vielleicht etwas verhaltenen Seiten von Faderhead sind bemerkenswert tief und intelligent, sprechen aber eine andere Zielgruppe an. Der Kontrast wird auf Night Physics vielleicht am Deutlichsten bei der Gegenüberstellung von This Is Your World und Them Skinny Witches. Beides großartige Nummern, stilistisch aber an gegenüberliegenden Enden des Spektrums.

Night Physics überzeugt vor allem durch seine erwachsene und überlegte Herangehensweise. Die Konzentration auf den Inhalt und die zielgerichtete Ausarbeitung der Melodien und der intelligente Einsatz von Effekten tut der Musik von Faderhead sehr gut. Night Physics präsentiert zeitgemäße Musik für die Szene, lässt wohltuend viel überflüssigen Ballast zurück und befreit Faderhead von einigen Bremsklötzen. Klasse Album, das Freude auf die kommende Tour macht.

Faderhead – Night Physics erscheint am 10.11.2017 bei Not a Robot Records / Broken Silence

Offizielle Webseite des Projekts

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Faderhead Night Physics Tour 2018

+ Special Guests: Future Lied To Us (*)
02.02.2018 Hannover, Musikzentrum *
03.02.2018 Dresden, Reithalle *
09.02.2018 Oberhausen, Kulttempel *
10.02.2018 Hamburg, Markthalle *
16.02.2018 München, Backstage Halle *
17.02.2018 Nürnberg, Matrixx *
02.03.2018 Berlin, Frannz Club (Support: SCHEUBER)
03.03.2018 Frankfurt, Das Bett *
16.03.2018 Erfurt, Club From Hell *

Faderhead – Night Physics

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