Faun – Midgard in nordischen Gefilden

Was machst Du?

Was machst Du als Band, wenn Du ein Album raus gebracht hast, das nicht nur dauernd im Radio gespielt wurde und noch wird, zu dem Dich mehrere Fernsehstationen interviewen wollten, das gefeatured, vorgestellt, diskutiert, gelobt und besprochen wird?

Der sechsköpfigen Band Faun ist das 2012 mit dem Album Von den Elben gelungen – genau das richtige Album genau zur richtigen Zeit, mitten rein in den Hype nach dem Herren der Ringe und zum ersten Teil des Hobbits, spielte Von den Elben der Band mittlerweile Platin ein. Danach kam 2014 das mystische Konzeptalbum Luna, das wieder eher Spartenpublikum begeisterte (auch wenn ich persönlich Walpurgisnacht von dem Album immer noch umwerfend finde).

Was nun? – Midgard!

Was also nun? Trennen, Solokarrieren verfolgen? Einfach Kopien der erfolgreichen CD rauskoffern, wie wir es bei einigen Bands erlebt haben, die „die eine“ erfolgreiche CD hatten? Die damit zum Teil sogar Erfolg hatten? Klar, alles möglich. Aber offenbar nicht der Weg der Band um Oliver s. Tyr: Faun bringt ein neues Album heraus. Also nicht nur einen neuen Tonträger, sondern ein neues Konzept, ein neues Thema, ein Ansatz, der zwar noch Faun ist – aber auch anders. Ja, es ist noch Pagan Folk, es ist noch Medieval, noch Marktmusik. Aber über dem Album Midgard liegt sozusagen ein doppeltes Konzept: Zum einen die Lokalisation, denn Faun bezieht sich hier nicht auf einen Fantasy- oder Romanhintergrund, sondern auf die Mythologie der Wikinger und Germanen. Als zweiten Teil ihres Konzepts haben Oliver „SaTyr“ Pade, Fiona Frewert, Niel Mitra, Stephan Groth, Rüdiger Maul und Katja Moslehner sich Sommer- und Sonnenlieder vorgenommen.

Daraus wird ein leichtes, beschwingtes Album, in dem aber durchaus dunklere Klänge mitunter Einzug finden. Grade ein Song wie ein Federkleid lädt ein zum Tanzen. Und ich rede hier nicht vom einsam abhotten, sondern davon, seine oder seinen Liebsten auf die Tanzfläche zu führen und nicht mehr loszulassen. Sogar ein eher düsterer Song wie die Rabenballade, der von einem gefallenen Krieger handelt, kommt beschwingt und fröhlich klingend daher – trotz düsteren Textes.

Die dunkle Seite

Aber nicht alle Titel sind so fröhlich, Odin sticht düster heraus. Der Titel wurde zusammen mit der Band Warduna geschrieben, die der einer oder andere sicher aus der Serie Vikings kennt. Diese Ode an den Göttervater der Edda dringt plötzlich beschwörend, getragen von Flöten und Trommeln, aus meiner Anlage. Und auch Lange Schatten fällt ein wenig aus dem fröhlich-leichtem Rahmen, aber mit eher melancholischen Klängen.

Hinter dem Track Alba II verbirgt sich eine interessante Geschichte: Alba wurde 2011 das erste Mal veröffentlicht. Und in der halben Dekade, in der das Stück live aufgeführt wurde, hat es sich gewandelt. Ist beschwingter, etwas schneller geworden. Ist ein wenig, aber nicht ganz, aus der Melancholie entrückt, bekam einen anderen Klang. Einene Änderung, die offenbar nicht nur mir gefällt – zumindest haben Faun dieser geänderten, „modernen“ Version einen Platz auf Midgard eingeräumt. Zu Recht, grade durch den Einsatz der Gastmusiker Efren Lopez am Oud (einer kurzhälsigen Laute) und Maya Friedman am Cello geben dem Song einen ganz eigenen, guten Beigeschmack.

Und sonst so?

Wer die älteren Alben von Faun kennt – erlebt etwas Neues. Oder besser – Vertrautes in neuem Gewandt. Ein leichtgängiges Album, das man genauso gut „nebenher“ hören kann, wie sich drauf fokussieren und immer neue Klänge zu entdecken. Vielschichtig, abwechslungsreich, ruhig und absolut hörenswert.

Vielleicht noch ein Wort zum Begriff „Medieval“. Natürlich spielen Faun keine „mittelalterliche Musik“, also nichts, was vor mehreren hundert Jahren hätte gespielt werden können. Das ist auch klar – auf Midgard gehört eine elektronische Untermalung streckenweise mit in die Musik. Also, keine mittelalterliche Musik – aber etwas, was aus Klangweisen aus dem Mittelalter inspiriert ist. Wo das klassische Trio der Rockmusik aus Gitarre, Bass und Schlagzeug erweitert wird durch ungewöhnliche Seiten- und Blasinstrumente, Lauten, verschiedene Flöten.

Faun – Midgard erscheint am 19.08.2016 bei Electrola (Universal Music)

Webseite von Faun (Facebook)

Webseite von Warduna (Facebook)

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