Femme – Debutante

Manchmal muss man sich einfach was trauen

Um in der Welt der Musik ein Bein an die Erde zu bekommen, führt für viele kein Weg an einen Plattenvertrag mit einem Major Label vorbei. Das führt zwar oft genug zu einem gewissen Erfolg, doch wird der auch um einen Preis erkauft. Dieser Preis beinhaltet auch, dass andere anfangen, in die Musik und deren Umsetzung hineinzureden. Femme, Solomusikerin aus London (England), hat sich gegen solche Verträge entschieden, um ihren eigenen Stil beibehalten zu können. Jetzt veröffentlich sie ihr Debütalbum Femme – Debutante.

Dieses Album gilt offiziell als Pop. Meine Aversion gegen Mainstream-Pop brauche ich nicht weiter zu betonen, die ist hinlänglich bekannt. Wenn ich jetzt sage, dass ich dieses Pop-Album gnadenlos feiere, dann weißt Du, dass dieses Album sehr anders ist. Wie anders? Völlig anders! An dieses Album den Sticker „Pop“ zu kleben, geschieht wahrscheinlich eher aus purer Verzweiflung der Marketingabteilung, weil sich Beat-HipHop-Pop-Punk-Electro-Avant Garde-Rock-Soul-Indie-Alternative-DingsBums erstens niemand merken kann und das zweitens einfach viel zu lang wäre.

Femme Debutante Press WebFemme hat sich ganz bewusst gegen die Plattenverträge entschieden, um ihre Musik zu machen und wahrscheinlich war das die klügste Entscheidung, die sie treffen konnte. Sie schreibt, produziert, performt und dirigiert ihre Musik seit Jahren selbst. Ihre Musik ist völlig quer zur Norm, spottet jedem Versuch, sie mit einem Modewort zu umschreiben und ist vielleicht auch deshalb Addidas aufgefallen. Ihr Song „Fever Boy“ wurde neulich der Song für die „Here To Create“ Kampagne des Sportartikelherstellers. Ihr Debütalbum „Debutante“ ist ein kompromisslos kreatives Feuerwerk, das auf kellertiefen Bass-Beats aufsetzt und im weitesten Sinne vielleicht noch Pop sein könnte, vielleicht aber auch nicht. Das musst Du selber für Dich entscheiden.

Ihre Musik ist anders. Sie ist irgendwie Indie, irgendwie Pop, irgendwie Rap, irgendwie Dance, aber irgendwie auch all das nicht. Kreativität und Lebhaftigkeit der Musikerin sind beeindruckend und sehr erfrischend, weil sie zwar poppig ist und entsprechend bunt schillert, aber sie ist eben nicht das gewohnte Mainstreamgedudel, sondern anders. Femme traut sich „schräg“ zu sein, denkt ihre Musik außerhalb des Gewohnten. Die Kombination von Beats, die vielleicht eher an den HipHop einer Missy Elliott erinnern, mit Gesangslinien, die man zurecht im Pop erwartet, kombiniert mit Effekten und Instrumentierungen, die aus allen möglichen Richtungen kommen, sind mutig und sie funktionieren phänomenal gut.

FemmeFemme – Debutante ist ein herausforderndes und widersprüchliches Album. Es ist feminin und aufmüpfig und doch auch irgendwie anschmiegsam und sexy. Debutante ist auf eine verblüffend harmonische Art gleichzeitig Avant Garde und Mainstream, sperrig und eingängig. Gerade deshalb ist es wegweisend. Femme strahlt auf ihrem Debütalbum eine unverbrauchte Frische aus, die hinreißend charmant und gleichzeitig knüppeldick rüber kommt. Das Album hat einen punkigen Touch, ist rebellisch. Es widerspricht Erwartungen und bricht mit Konventionen. Gerade deshalb find ich dieses Album großartig. Es ist eines der Alben, die mich unerwartet packen und begeistern, weil es so viel wirklich Neues zu entdecken gibt.

Femme – Debutante erscheint am 20.05.2016 bei Ferryhouse Productions / Warner

Offizielle Webseite von Femme

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FEMME // Fever Boy (Lyric video)

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