Ferrochrome – Medusa Water

Distanz erzeugt Nähe

Das Internet ermöglicht Projekte, die früher so nicht oder nur unter großen Schwierigkeiten möglich gewesen wären. Ferrochrome ist das gemeinsame Projekt von Dirk Krause (Armageddon Dildos, Dkdent, Retro Adapter) und Aidan Casserly (Empire State Human, KuBO). Dirk stammt aus Düsseldorf, Aidan aus Dublin. Beide haben durch ihre Projekte seit Jahrzehnten einen Namen in der Szene, sind bekannt durch Songs wie East West, Morgengrauen, Hand On The Gun oder Saved By Zero.

Dirk und Aidan sind sich nie im Studio begegnet. Beide kommunizieren per Email miteinander und so entstand Ferrochrome – Medusa Water sozusagen “per Email”, indem sich die beiden jeweils ihre Teile der Tracks gegenseitig über das Internet zuschickten. Wunder der modernen Welt. Dirk und Aidan sind professionelle Vollblutmusiker und teilen die Vorliebe für elektronische Musik. Mit Ferrochrome leben sie alle kreativen Freiheiten aus, die ein solches Projekt ermöglicht.

Medusa Water

Ferrochrome huldigt, nein, lebt New Wave und Synthie Pop. Vielschichtig gestaffelte Kompositionen mit düsteren Lyrics werden umsponnen durch ungewöhnliche, trotzdem bemerkenswert harmonische Melodien. Dirk Krause steuert die bemerkenswert komplexen Sounds bei, Aidan Casserly liefert den Gesang. Erinnerungen an Duran Duran, Alison Moyet, Pet Shop Boys, Kraftwerk, Erasure und viele andere werden wach.

Medusa Water liefert betont tanzbarere Electro Musik, die wunderschön präsentiert wird. Das vom 80er New Wave geliebte Cellophan-Feeling wird modern transportiert und ist hervorragend umgesetzt. Aidans melancholischer Gesang liefert das dringend notwendige Gegengewicht zu Dirks oft minimalistischen Instrumentierungen. Insgesamt bedient das Duo die Minimal-Electro-Pop Szene, liefert aber auch erstaunlich schwülstige, liebevolle Tracks ab, die voll aus dem Rahmen fallen.

Ferrochrome

Insbesondere der Namensgebende Song des Albums Medusa Water scheint auf den ersten Blick so gar nicht zum Rest des Albums zu passen. Setzt man sich mit dem Album aber etwas mehr auseinander, werden immer mehr Querbezüge und musikalische Schlussfolgerungen deutlich, die Medusa Water zu einem meiner heimlichen Favoriten des Albums machen – gerade weil er so gnadenlos großartig die Liebe und Sehnsucht zu den 80ern zelebriert.

Ferrochrome – Medusa Water ist ein faszinierendes Album, von dem die liebevolle Sehnsucht nach der Musik der 80er einem Leuchtturm gleich ausstrahlt. Die Musik ist dennoch super modern und an vielen Details zeigt sich, dass die Musiker hier eben nicht einfach “irgendwas von damals” neu auflegen. Die Kombination der verschiedenen Stile ergänzt sich hervorragend und ergibt in der Summe eine großartig gefühlvolle Rekombination der DNA heutiger elektronischer Musik und den Erinnerungen an die Musik der 80er im tanzbaren und radiotauglichen Gewand.

Ferrochrome – Medusa Water erscheint am 04.08.2017 bei Meshwork Music / Alive

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FERROCHROME – “Medusa Water” | Album-Preview

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