Fixions – Genocity

Dystopia, Cyberpunk, Musik

Von den vielen Arten mich zu triggern, ist die, das Stichwort “Cyberpunk” zu verwenden, wahrscheinlich die perfideste Methode. Mir wurde das Album Fixions – Genocity als Cyberpunk / Darkwave Projekt angepriesen. Was kann schon schief gehen? Zugegriffen, Kaffe geholt, Anlage an. In meinen helleren Momenten denke ich an solche unwesentlichen Details wie “geschlossene Fenster” oder “0dB ist nicht leise”.

Fixions

Das in Aix En Provence, Frankreich, beheimatete Projekt Fixions um Slo, HKY und Alien Syndrome 777 hat schon drei Alben veröffentlicht und einen Soundtrack für ein Computergame geschrieben (Mother Russia Bleeds). Dazu kommen eine ganze Reihe EPs. Das vierte Album Fixions soll den Durchmarsch des Projekts an die Spitze der Darwave- / Cybepunk-Szene weiter beschleunigen. So jedenfalls die Begleitinformationen, die ich auf dem Weg zur Anlage nebenbei lese.

Cyber…was?

Cyberpunk hat auf mich eine magische Wirkung. Schuld daran ist aber nicht das nicht immer ganz jugendfreie Cosplay. Auch die auch meistens sehr kreativen Kostüme der Fans dieser Musik, die ebenfalls oft tiefe Einblicke erlauben, sind nicht der Grund. Meine Begeisterung für Cyberpunk hat seine Wurzeln bei William Gibson – Neuromancer, Blade Runner und im Shadowron Pen&Paper RPG.

William Gibson schuf 1984 mit der Trilogie Neuromancer eine dystopische Welt, die nur einen Steinwurf in der Zukunft angesiedelt ist. Die durch den Film Blade Runner bildgewaltig umrissene Idee weitergedacht. Die Macht haben die Konzerne (MegaCons) und leben sie auch hemmungslos aus. Regierungen sind bestenfalls Beiwerk. Das Internet heißt inzwischen “Matrix” (viele Jahre vor dem gleichnamigen Film) ist allgegenwärtig und in allem. Alles ist mit allem vernetzt. Das Szenario hat mich aus dem Stand fasziniert. Diese Faszination hat bis heute kaum nachgelassen.

Musik

Fixions Live - PolyprismaDie Anlage ist mit dem Album versorgt. In einer idealen Welt hätte ich einerseits vorher die Fenster zu gemacht. Außerdem hätte ich andererseits vielleicht auch erst auf die Stellung des Lautstärkereglers achten können. Habe ich aber nicht. Weder an die Fenster, noch an den Knopf habe ich gedacht. Aber Play habe ich gedrückt. Und so kommt es, wie es kommen muss:

Ein paar sauber abgezirkelte Basshiebe und Synthie-Akkorde treten mir zärtlich in den Arsch. Der musikbegeisterten Nachbarschaft verkünden sie die frohe Botschaft, dass hier ein neues Album anläuft. Die Soundkulisse, die mich umwabert, baut eine elektrische und elektrisierende Spannung auf. Die treibenden Beats und Synthieläufe lassen nicht nur den Putz von der Decke rieseln. Die Musik baut auch eine Stimmung mit einem deutlichen Gefühl von Spannung und Verzweiflung auf.

Der Sound erinnert mal an das Gefühl, das ich aus den Neuromancer Romanen kenne, mal erinnert es stark an Computergames der 80er/90er. Es ist faszinierend, wie sich die Energie der Musik direkt überträgt. Okay, das könnte auch damit zu tun haben, dass die Boxen rhythmisch bebend durchs Zimmer hüpfen. Aber das immer wieder durchschimmernde Gefühl einer wilden Jagd durch futuristische Landschaften und Städte entsteht wie von selbst. Das Album erzählt eine musikalische Geschichte und braucht dafür keine Worte. Die paar Sprachsamples fallen nicht ins Gewicht. Fixions schreibt die Geschichte mit dem Sound von Genocity direkt auf Deiner Imagination. Mit den Farben Deiner Fantasie.

Genocity

Genocity ist ein Album wie ein Film. Die Musik überlässt viel Deiner Fantasie, gibt bestenfalls die Richtung vor. Genocity ist eindeutig ein SciFi Film für die Ohren. Handlung und Ausgang des Films bleiben offen. Welchen Film Du siehst, welche Handlung abläuft, wie die Geschichte ausgeht, das lässt Fixions komplett offen. Trotzdem ist die Musik in sich schlüssig.

Die Atmosphäre ist schön ausgestaltet und authentisch. Für Cyberpunk wie ich ihn denke, fehlt mir vielleicht ein wenig mehr Zweilicht oder Dunkelheit. Aber insgesamt trifft Fixions den Nerv. Obwohl einige Songs etwas zu sehr auf sich wiederholenden Elementen aufbauen, ist das Album insgesamt ziemlich geil geworden. Finden auch die Nachbarn. Glaube ich jedenfalls. Anders kann ich mir das aufgeregte Klopfen und Hämmern an der Tür nicht erklären.

Fixions – Genocity ist erschienen am 27.03.2017 bei Oracle Rouge Productions

Fixions bei Bandcamp und bei bei Facebook

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