Foo Fighters – Concrete And Gold

Retro-progressive Werkschau mit kritischen Fragezeichen

Die Foo Fighters haben sich einen Platz im Rock-Olymp erarbeitet, von dem sie wahrscheinlich niemand zu Lebzeiten verdrängen kann. Dave Grohl (Vocals, Gitarre), Pat Smear (Gitarre), Nate Mendel (Bass), Taylor Hawkins (Drums), Chris Shiflett (Gitarre) und Rami Jaffee (Keyboard) formen eine Band, die einer Naturgewalt gleich ungezwungen und mit einer bewundernswerten Überzeugung durch die Weltgeschichte rocken. Was immer Dave anfasst, verwandelt sich in Gold. Vielleicht ist der Titel des Albums Concrete And Gold – zu Deutsch Beton und Gold – eine Anspielung darauf.

Das inzwischen neunte Album der Foo’s ist in vielerlei Hinsicht anders. Die vielleicht bemerkenswerteste Neuerung ist, dass sich die Band mit Greg Kurstin einen neuen Produzenten ins Boot holte. Greg ist bekannt für seine Arbeit mit Adele (Hello, 2015, Grammy Award Song of the Year, Record of the Year), Kelly Clarkson (Stronger (What Doesn’t Kill You), 2013, Grammy Award Song of the Year, Record of the Year), Pink und Beck.

Gleichzeitig oder vielleicht auch deswegen wurde die Produktion digital. Auf der einen Seite wird dadurch einiges an Flexibiltät freigesetzt, was bestimmt kein Nachteil ist. Andererseits besteht aber die Gefahr, sich im eigenen Spieltrieb und Drang zu experimentieren zu verlieren. Neben diesen rein handwerklichen Aspekten klingt eine digitale Produktion anders. Nicht zwangsläufig besser oder schlechter, sondern anders.

First Encounter

Mein erster Kontakt mit den Foo’s war der Song Low (One By One, 2003). Insbesondere wegen des kongenialen Videos, in dem Dave Grohl und Tenacious D zeigen, wie ein ordentlicher Bro-Abend zu laufen hat. Insgesamt fand ich One By One eine großartige Kombination verschiedener Stile mit einer perfekt abgestimmten Atmosphäre zwischen orgastischen Höhepunkten und eloquenter Tiefenentspannung. Natürlich lieferten die Foo’s immer wieder großartiges Material. Exemplarisch sei auf „This Is A Call“, „Everlong“, „Learn To Fly“, „Best Of You“, „The Pretender“ und „Walk“ verwiesen.

Vor Concrete And Gold scheint bei den Foo Fighters irgendetwas passiert zu sein. Die Band versucht nicht mehr in ihrem sicher abgesteckten Terrain noch weiter zu etablieren. Die Band sondern sucht offensichtlich nach etwas. Die Band wirft klar erkennbare Blicke auf andere Größen und Legenden des Rock (Sound City, anybody?). Bands wie die Beatles, Led Zeppelin, Pink Floyd und Queen werden unmissverständlich herangezogen und neben dem gewohnten (und auch zu erwartenden) „Foo-Rock“, Stile wie Glam, Thrash und Grunge ausgiebig bespielt.

Die Stilwechsel passieren fließend, teils überraschend. Viel des Charms von Concrete and Gold geht letztendlich auf diese Stilwechsel zurück. Die Band schließt – was ich toll finde – enger an One By One an und gerade der ultimative Killersong des Albums – Run – erinnert mich vom Aufbau her sehr an Low. Aber Run zeigt vielleicht auch, dass die Band getrieben wird von der Mode, vom Geschmack der Jugend und von den Neuerungen der Branche. Nicht umsonst hat die Band für das Video von Run das Umfeld eines zynisch überzeichneten Altersheims gewählt.

Concrete And Gold

Musikalisch ist Concrete And Gold hervorragend gemachter Rock. Das Album entspricht qualitativ dem, was von den Foo Fighters zu erwarten ist: Grundsolide auf ganz hohem Niveau. Querverweise und Bezugnahmen zu aktuellen Problemen in Sachen Weltpolitik, Gesellschaft und Umweltschutz inklusive. Und doch atmet das Album mehr „gestern“ als es wegweisend hin zu einem wie auch immer gearteten „morgen“ klingt. Vielleicht spiegelt das auch die Ratlosigkeit der Band wieder: Was soll man denn noch machen, um Kritiker zufrieden zu stellen, die der Band immer wieder Ideenlosigkeit und sogar belanglosen Allerweltsrock vorwerfen.

Die Rückbesinnung und Suche der Band sind einerseits verstörend, denn ich frage mich schon, wohin mich Dave und seine Jungs führen wollen. Andererseits ist diese offene Frage aber auch sehr hilfreich. Letztendlich zeigen die Foo Fighters mit dem Finger nachdrücklich auf jede einzelne Nische, in die sie ihre Nase bereits gesteckt haben, auf jeden einzelnen musikalischen Spielplatz, auf dem sie sich schon ausgetobt haben. Getreu dem Motto: „Been there, done that“. Das lässt sich schon verstehen als Aufforderung an andere, erstmal zu liefern bevor sie den Hals aufreißen und die Foo’s für das kritisieren, was sie ihrer Ansicht nach nicht machen.

So bleibt am Ende festzustellen, dass Concrete And Gold ein sehr erwachsenes, abwechslungsreiches und hervorragend gemachtes Rock-Album ist, das viele Geschichten erzählt und viele Erinnerungen wachruft. Die Erzählung ist modern verpackt. Die Handschrift von Greg Kurstin ist deutlich erkennbar und daran mögen sich die Geister scheiden, daran, dass es an dem Album einfach rein gar nichts auszusetzen gibt, was nicht letztendlich Geschmackssache ist, jedoch nicht.

Foo Fighters – Concrete And Gold erscheint am 15.09.2017 bei RCA / Sony Music

Offizielle Webseite der Band

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Foo Fighters – The Making of Concrete and Gold

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