Franklin Zoo – Red Skies

Wenn der Presslufthammer leise brummt

Wenig begeistert schleppt man sich morgens ins Büro, versucht irgendwie die stickige Hitze loszuwerden. Geqäult leiert der Ventilator, versucht tapfer die Ahnung eines erträglichen Klimas zu verbreiten. Ideale Bedingungen, um sich mit neuer Musik auseinanderzusetzen. Die Motivation ist schon etwas vernarbt, als das neue Album Red Skies der Kopenhagener Band Franklin Zoo an die Anlage verfüttert wird.

„Vielleicht der am besten versteckte Schatz der dänischen Rock-Szene.“ „Die Musik spiegelt Gemütszustände wieder“, heißt es im Begleittext. Häufig wollen solche Formulierungen intellektuell angehauchten Spartenrock an den Mann bringen. Bei Franklin Zoo ist diese Befürchtung völlig überflüssig. Franklin Zoo – Red Skies ist genau das nicht. Ich hatte befürchtet, mit pseudo-psychedlischem Gefrickel konfrontiert zu werden, aber zu meiner echten Begeisterung ballert das Album tüchtig und gefällt mir vom Fleck weg.

Die Musik wird bestimmt durch schwere, oft schleppende Riffs, klares Schlagzeug, saubere Arbeit am Bass und überzeugenden Gesang. Mal lehnt sich die Musik in Richtung des eher langsamen Desert- und Stoner Rock, mal schrammt sie am Metal entlang, stets handfest, wuchtig und authentisch. Die Atmosphäre des Albums ist überzeugend und klingt zuweilen, als hätten sich Soundgarden mit Queens Of The Stone Age getroffen und ihre Ideen zu Mastodon eingespielt.

Musik von schnitzelgefütterten Nordmännern

Franklin Zoo 2016 BandshotDazu der Gesang von Frontmann Rasmus Revsbech, der seine Stimme treffsicher einzusetzen weiß. Der Mann kann singen und wenn er seine Gefühle in die Welt hinausschreit, wird klar, was tatsächlich mit den diffusen „Geisteszuständen“ des Begleittextes gemeint war. Rasmus macht die Lyrics punktgenau nachfühlbar. Die Stimmung des Albums ist bitter-süß, sehr maskulin und bestimmt durch Schattierungen von grau. Diese Musik ist nichts für Kuschelrocker oder Schönreder. Aus den Songs strahlt Lebenserfahrung, die Höhen und Tiefen greifbar macht.

Red Skies

Das Album Red Skies von Franklin Zoo ist ein kraftvolles Album, das direkt zu Deiner eigenen Innenwelt spricht. Es hält sich nicht mit verkopften Strukturen auf, obwohl die Songs durchaus einen Hang zu bewundernswerter Komplexität haben. Trotzdem haben Franklin Zoo ein Album geschaffen, das einfach gehaltene, schöne, eingängige Melodien auf großartige Weise mit komplexer Instrumentenarbeit verbindet und dabei ordentlich Feuer unterm Kessel macht.

Gerade durch die immer wieder bremsenden, eher schleppend eingespielten Passagen (ein deutliches Erbe von Kyuss und Co.), bekommt die Musik einen großartigen Spannungsbogen. Das abrupte Ende vom Opener „Never Caught“ zum Beispiel wirkt völlig anders, wenn man es nahtlos an den nächsten Song „No One’s Slave“ ansetzt. Diese Art von übergreifenden musikalischen und auch inhaltlichen Zusammenhängen, findet sich überall im Album wieder. Sie machen Red Skies zu einem großartigen Rock Album, das viele Einflüsse stimmig in sich vereint und neu kombiniert. Saubere Arbeit!

Franklin Zoo – Red Skies erscheint am 26.08.2016 bei Target Group / Soulfood

Offizielle Webseite von Franklin Zoo

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Franklin Zoo – „It’s Not Me“ (Official Video)

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