Frequency Drift – Last: Bedrückend aufregend und wunderschön

Cineasten am Werk

Frequency Drift – Last ist eine schwierig einzuordnende Mischung. Die Bayreuther Band um Andreas Hack und Nerissa Schwarz wagt sich mit ihrer siebten Veröffentlichung auf ungewöhnliches Terrain. Nicht generell “ungewöhnlich”, aber für Progressive Rock / Progressive Metal ist das, was die Band hier konzipiert hat, eher ungewöhnlich – und auch fordernd.

Ich kenne Frequency Drift spätestens seit “Over” (2013) und habe die Band in positiver Erinnerung. Die Ankündigung von “Last” machte mich schon im Vorfeld neugierig, wurde mir das Album doch vollmundig als “Quantensprung” angekündigt. Okay, Werbesprech… Dennoch. Eine gewisse Skepsis beschleicht mich noch bevor ich auch nur einen Ton des Albums gehört habe. “Quantensprung” ist ein reichlich dickes Brett, an dem da gebohrt wird.

Das Album läuft. Zum wiederholten Mal. Ich habe nicht mitgezählt. Und ich sitze hier und mache dicke Backen, denn “Last” ist völlig anders, als ich es selbst von Frequency Drift erwartet hätte. Das mit der Harfe war ja sowieso schon ein markantes Detail, mit dem sich die Band abgehoben hat. Aber dieses Album zieht an Fäden, die mich an bestimmte Spielarten des Symphonic Rock erinnern, an Elemente und Strukturen, die ich spontan mit Evanescense oder vielleicht Leaves’ Eyes verbinde.

Bekannt und doch vollkommen anders

Andreas Hack Frequency Drift Foto: Marco Kies / Xaviera TharreauAllerdings gehen Frequency Drift die Sache anders an als ihre eben genannten Kollegen. Angenehm auffallend fehlt “Last” der bei jenen Kollegen oft bemängelte Mainstreamcharakter. Das ganze Spektrum der progressiven Musik wird ausgeschöpft und verwoben mit dem, was mich eben an jene anderen Bands erinnert. Die Stimme von Sängerin Melanie Mau ist immer wieder zentraler Kristallisationspunkt, um den herum sich die Kompositionen des Albums ausbreiten, um die herum sich die komplexen Melodien ranken.

Eine unbestreitbar düstere Stimmung liegt dem Album zugrunde. Ein unbestimmt bedrückendes Gefühl von Trauer und Niedergeschlagenheit tritt immer wieder hervor. Dem stellt die Band immer wieder Momente entgegen, die diese Stimmung spielerisch auflösen, setzt Kontrapunkte, die verhindern, dass “Last” in eine rein depressive Talfahrt ausartet. Diese Aufhellungen sind dringend nötig, denn Frequency Drift – Last ist ein wuchtiges Schwergewicht. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Wirkung des Albums in seiner ganzen Vielfalt nicht in einem einzelnen Stück wiederspiegelt, sondern erst aus der Gesamtheit des ganzen Albums vollends hervorgeht.

Alle Songs spannen weite Bögen, sind in sich abwechslungsreich arrangiert. Nicht nur Spielweise und Instrumentierung wechseln immer wieder. Ebenso oft wechselt die Band zwischen feinsten, Intarsien gleichenden Mikrostrukturen und breitem Rock. Last webt immer wieder epische Geschichten, die gleichermaßen verträumt, wie auch aufwühlend sind. Frequency Drift schaffen das Kunststück und vermeiden sowohl das durch Monotonie Erdrückende, aber auch das Abgleiten in das belanglos Kitschige.

Herausforderung und Satisfaktion

Nerissa Schwarz Frequency Drift Foto: Marco Kies / Xaviera TharreauEin bewundernswertes Album, das allerdings auch einiges vom Hörer abverlangt, denn über alles gesehen ist Frequency Drift – Last gleichermaßen schön, wie es auch anspruchsvoll ist. Diesem dem Album innewohnenden Anspruch gerecht zu werden, gelingt eher nicht im Autoradio oder “mal eben so nebenbei”. Auf seine eigentümliche Art ist “Last” ein Album, das einen Film “begleitet”, aber dieser Film findet in Dir statt, in Deinem Kopf, in Deinem Herzen, in Deiner Fantasie. Frequency Drift liefern Bausteine, Hinweise auf die Handlung, einen Rahmen und vielleicht einen generellen roten Faden. Aber wie dieser Film genau aussieht, was im Detail passiert, das bleibt in weiten Teilen Dir überlassen.

Ich kann nicht beurteilen, ob Frequency Drift – Last ein Quantensprung ist. Das will ich mir nicht anmaßen. Aber das ist auch gar nicht notwendig. Das Album hat mich in seinen Bann gezogen, nach und nach, tiefer und tiefer. Es hat mich vor Aufgaben gestellt, mich mit Herausforderungen konfrontiert und doch auch Satisfaktion geleistet. Es hat mich aufgewühlt, beruhigt, alleingelassen und getragen und endet insgesamt für mich “on a high note”. Was kann ich mir von einem Album mehr wünschen?

Frequency Drift – Last erscheint am 19.02.2016 bei Gentle Art of Music / Soulfood

Webseite von Frequency Drift: http://frequencydrift.com/

(Fotos: Marco Kies / Xaviera Tharreau)

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