Funker Vogt – Code of Conduct

Ungewöhnlicher Albumtitel

Ein Code of Conduct ist übersetzt einfach eine Verhaltensregel, ein Verhaltenskodex. Keine Gesetze, sondern eher so das, was eine Gesellschaft oder Gruppe so als Grundregeln festlegt. Was sich im Laufe der Jahre, Jahrzehnte oder auch Jahrhunderte entwickelt hat. Wie kommt nun eine Hamelner Band, die sich elektronischer Musik verschrieben hat und sich dabei gern Elemente des EBM und des Industrial einverleibt, auf so einen Albumtitel?

Funker Vogts eigener Code of Conduct

Wer die Veröffentlichungen von Funker Vogt ein wenig im Blick hat, erkennt da einen eigenen Kodex. Es geht oft um Krieg, um die Auswirkungen von Krieg. Und das – naheliegenderweise – sehr kritisch. Eine Thematik, die uns auch auf dem Album Code of Conduct begleitet. Dieses mal gehen Funker Vogt noch ein Stück weiter – und betrachten auch die politischen Auswirkungen kritisch. Und vertonen das, zum Beispiel in Deutsch Bleibt Deutsch – das in seiner Zweideutigkeit und dem Interpretationsspielraum in den Lyrics viel Raum lässt, sich Gedanken zu machen. Über die Situation, und auch über die eigenen Schlussfolgerungen. Über die politischen Extreme.

Sie betrachten die veränderte Art des Krieges – weg von Schlachtfeldern, hin zu asymmetrischer Kriegsführung. Und Funker Vogt spart auf Code of Conduct auch nicht mit Kritik an den Parteien, die gegen diesen Verhaltenskodex der gewohnten Kriegsführung verstoßen, sei es mit menschlichen Schutzschilden oder auch der Guerillataktik des Hit and Run – Armed And Dangerous ist da eine einzige Anklageschrift.

Und neben den Lyrics?

Wer sich anschaut, was ich bislang geschrieben habe, könnte den Verdacht bekommen, dass ich über eine Singer-/Songwriter-Kombo schreibe. Das liegt vor allem daran, dass Funker Vogt auch auf Code of Conduct eine Message hat, etwas zu sagen hat. Darüber darf man aber nicht vergessen, dass wir hier von bassgetriebenem, fast durchgängig extrem gut tanzbarem Electro mit streckenweise morbiden Anflügen reden. Und wie wir schon auf der Vorabauskoppelung Der Letzte Tanz festgestellt haben, schafft es die neue Stimme von Funker Vogt hervorragend, die Message an den Hörer zu bringen. Und das scheinbar spielerisch auf der gesamten Bandbreite des musikalischen Schaffens der Band.

Nachdem das Projekt um Gerrit Thomas und René Dornbusch schon eine ganze Weile nicht wirklich Glück mit der Stimme hatte, scheint mit Chris L. jetzt eine hervorragende Alternative gefunden. Gesangstechnisch war das zu erwarten – er hat bei Agonoize und The Sexorcist oft genug bewiesen, was er auf dem Kasten (in diesem Fall: dem Brustkasten) hat. Und zumindest von außen, von unserer Warte als Hörer, scheint es auch zu harmonieren: Die Musik klingt aus einem Guss, in der von Funker Vogt zu erwartenden Qualität und – vielleicht für den einen oder die anderen noch entscheidender – der gewohnten Tanzbarkeit. Ja verdammt, dies Album geht in die Beine!

Und was sonst?

Lass uns noch schnell ein paar der technischen Grunddaten durchgehen, die so wichtig sind, wenn man über ein Album redet. Immerhin willst Du Deiner Umwelt ja auch mitteilen, was für’ne klasse Scheibe Du da in die Finger bekommen hast. Code of Conduct enthält in der limited Edition 16 Tracks in deutscher und englischer Sprache, nur die letzten beiden davon sind Neumischungen des schon vorab ausgekoppelten Der Letzte Tanz – einmal der Rise of an Emprie Mix, und ein Remix von Intent:Outtake, die übrigens zeitgleich mit Funker Vogt ihr eigenes neues Album Eclipse herausbrachten. Insgesamt über 70 Minuten ins Ohr und die Beine gehende Musik, nicht einmal 10 Minuten davon gehen auf die Remixes. Im regulären Release sind die ersten 12 Tracks mit 52 Minuten neuster „Funksprüche“ enthalten.

Funker Vogt – Code of Conduct ist am 2.06.2017 bei RepoRecords erschienen.

Webseite von Funker Vogt

Funker Vogt – Code of Conduct – Teaser

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