Ghostpoet – Dark Days and Canapes

Dunkle Zeiten erfordern deutliche Worte

Ghostpoet, aka Obaro Ejimiwe, ist bekannt für TripHop-Lässigkeit und gehörte Entspannung. Angesichts der Dinge, die in der Welt aktuell passieren, sah sich Ghostpoet dazu gezwungen, Flagge zu zeigen. Sonst sind die Texte seiner Musik eher mehrdeutig, lassen sich mal so, mal so interpretieren. Mit Dark Days and Canapes kommt er auf den Punkt. Er spricht direkt an und aus, was ihn bewegt. Er verpackt das in eine Musik, die vielleicht noch Singer / Songwriter ist, aber es ist mehr. Es ist eine unterschwellig bedrohliche Klangkulisse, die gleichzeitig schlicht und doch komplex ist.

Ghostpoet hat sich mit Dark Days and Canapes musikalische deutlich weiterentwickelt. Mit einer ruhigen und doch eindringlichen Stimmlage, die mich spontan an Everlast erinnert, holt er jeden ab, egal von wo. Dabei gefällt mir besonders, dass die Musik nicht mit dem Knüppel herumprügelt, sondern sich entwickelt, gleichzeitig verstört und Aufmerksamkeit erzeugt. Das Songwriting ist für sich gesehen bereits ein Beweis für ein Ausnahmetalent. Die Umsetzung auf dem Album einfach nur großartig.

Dark Days and Canapes

Mal schaffen harte Gitarren das Fundament für lasziven, beinahe erotischen Sprechgesang. Mal sind es schlichte Akustikgitarren, denen beeindruckend kleinteilige, komplexe Rhythmen zur Seite gestellt werden. Egal welche Instrumentierung Ghostpoet wählt, die Stimmung bleibt stets irgendwie tiefgründig, düster, unterschwellig bedrohlich. Das Album ist eine Abrechnung mit dem Leben heute, mit der modernen Welt, mit der Gegenwart. Trotz aller Kritik an den Zuständen bleibt Ghostpoet doch ein Philanthrop und optimistisch.

Am Ende bleibt Ghostpoet – Dark Days and Canapes ein Album, das sich an jeden einzelnen Menschen richtet und nicht pauschal „alle“ anklagt. Die Mixtur aus dem London / Bristol Flair und der Andeutung von Südstaaten-Feeling funktioniert verdammt gut. Es Erinnerungen an Portishead, Massive Attack, Everlast und andere, die hier hervorragend auf das notwendige reduziert zueinander finden. Das Resultat ist ein Album, das gerade wegen der leisen Töne aufsehenerregend ist. Es überzeugt, weil es authentisch ist und die notwendigen Fragen stellt, ohne anzuklagen.

Ghostpoet ist ein überragendes Stück Gesellschaftskritik, verpackt in die mit weitem Abstand beste Version moderner Singer / Songwriter / Indie Musik. Ein „Must Have“ Album.

Ghostpoet – Dark Days and Canapes erscheint am 18.08.2017 bei [PIAS] / rough trade

Offizielle Webseite des Musikers

Bandseite auf Facebook

Ghostpoet – Trouble + Me (Official Audio)

KEINE KOMMENTARE