Gothminister – The Other Side

Die andere Seite – vier Jahre nach Utopia

In der Vergangenheit machte das Projekt des Norwegers Bjørn Alexander Brem mit Christian Svendsen (Schlagzeug), Glenn Nilsen (Gitarre) und Ketil Eggum (Gitarre) immer wieder auf sich aufmerksam. Songs wie Devil (Gothic Electronic Anthems 2003), Monsters (Empire of Dark Salvation 2005), Darkside (Happiness In Darkness 2008), Liar (Anima Inferna 2011) und Utopia (Utopia 2013) sind hervorzuheben. Mir gefiel besonders Liar, wegen der intensiven Kombination aus Synthiepop und Electro-Metal. Völlig zurecht hat der Rechtsanwalt aus Oslo eine treue Fangemeinde. Doch seit 2013 wurde es still. Vier Jahre nach Utopia erscheint jetzt The Other Side.

Gothminister kann problemlos in einem Atemzug mit Rammstein, Eisbrecher und den frühen Megaherz in einem Atemzug genannt werden. Mit The Other Side wird der eingängie Heavy Vibe noch um eine symphonische Komponente erweitert, die der Musik sehr gut zu Gesicht steht und das Album bemerkenswert breit aufstellt. Verblüffend fand ich, dass sich Gothminister auf The Other Side auch an deutschen Texten versucht. Zwar fällt schon ein wenig auf, dass das nicht die Muttersprache der Band ist, aber der Ausflug gelingt doch bemerkenswert gut – besser zumindest als manche Versuche deutscher Szene-Musiker, sich als Sänger englischer Texte zu präsentieren.

The Other Side

Obwohl The Other Side schon recht deutlich Querverweise zur Neuen Deutschen Härte in sich trägt, ist die Grundstimmung dunkler und lediglich ein Element von vielen. Insgesamt baut Gothminister eine tolle Atmosphäre auf, die sich nicht in die Sicherheit einer einzelnen emotionalen Schublade und Stilrichtung ausruht. Manche erstaunlich rockige Songs hätte ich ehrlich gesagt nicht von Gothminister erwartet, aber die Überraschung ist gelungen, denn die Band trägt das, was sie da macht, richtig gut vor.

The Other Side ist bemerkenswert, weil es den musikalischen Fokus nicht stoisch vernagelt auf einer Facette des Spektrums der Band belässt. Stattdessen verschiebt sie den Schwerpunkt gekonnt mal hierhin, mal dorthin. Trotzdem bleibt Gothminister sich selbst dabei im Kern treu und bleibt markant, unverkennbar. Besonders die intelligent eingestreuten orchestralen und symphonischen Elemente, die immer wieder mal neben harten Metal-Passagen, mal neben beinahe poppig anheimelnden Ruhepolen stehen, bereichern die Musik sehr.

Aus der Schublade raus

The Other Side macht es schwer, Gothminister konkret einem Genre zuzuordnen. Zwar ist da immer noch das deutlich der schwarzen Szene zuzuordnende Grundthema, aber es ist nicht mehr in jedem Songs das dominante Thema, dass den Zuhörer direkt anspringt. Darüber mögen sich Puristen streiten. Aber wie auch immer jeder für sich dazu im Einzelfall stehen mag, The Other Side rockt sehr gekonnt, sehr energetisch, dynamisch und auch abwechslungsreich los und ist insgesamt ein richtig cooles Album, das sehr gut gefällt.

Gothminister – The Other Side erscheint am 13.10.2017 bei AFM Records / Soulfood

Offizielle Webseite der Band

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Gothminister Tour 2017

11.11.2017 Heidelberg halle02
10.11.2017 Dresden Alter Schlachthof
09.11.2017 Berlin Huxleys Neue Welt
08.11.2017 München Backstage Werk
05.11.2017 Saarbrücken Garage
04.11.2017 Hannover Pavillon
03.11.2017 Würzburg Posthalle
30.10.2017 Stuttgart Im Wizemann
29.10.2017 Hamburg Markthalle
28.10.2017 Leipzig Haus Auensee
27.10.2017 Oberhausen Turbinenhalle
25.10.2017 Oslo Krøsset (NO)

GOTHMINISTER – The Sun (2017) // official clip // AFM Records

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