Gran Noir – Electronic Eyes

Schwermut und Verzweiflung

Manchmal muss Musik sich in Bedauern und Mitleid auflösen. Gran Noir – Electronic Eyes ist ein solches Album. Die Band aus Deutschland und der Schweiz wirft den verzweifelten Blick auf Vereinsamung, Kontrollverlust und Ausbeutung der menschlichen Gemeinschaft im digitalen Zeitalter. Kurz gesagt: Die Welt ist schlecht. Daraus ein Album zu machen, das nicht in sich selbst zerfließt und keine schier endlose Jammerorgie ist, erfordert mehr als guten Willen.

Das haben auch die fünf Jungs von Grand Noir verstanden und haben sich für die Produktion von Electronic Eyes Phil „Danger“ Hillen (u.a. Fjort, Powerwolf) engagiert. Der sorgte dafür, dass an der richtigen Stelle Druck gemacht wird und auch das Tempo stimmt. Dadurch bleibt das Album trotz seines Schwermuts und deutlich hörbaren Verzweiflung (um nicht zu sagen: ausufernden Depression) einigermaßen vital.

Electronic Eyes

Gran Noir strengen sich hörbar an, in die Fußstapfen der 2009 aufgelösten Oasis zu treten und auch bei anderen Größen der Szene neugierig ins Buch zu schauen. Immer wieder erinnern Gran Noirs Songs an die melodischen Konzepte der Britpop-Größen. Genau das ist mein Problem: Die Musik von Oasis ist meine Sache nicht. War es nie und wird es auch nie sein. Trotzdem finde ich das Album gelungen und sauber umgesetzt. Okay, die stimmliche Reife und Präsenz eines Noel oder Liam Gallagher ist noch nicht ganz da, aber die Jungs sind ganz eindeutig auf dem richtigen Weg.

Die Songs sind sauber und klar eingespielt, wirken trotzdem weder synthetisch noch steril. Das kantige von Placebo und raue von Blur fehlen zwar, dafür ist die Musik anschmiegsamer, samtiger. Electronic Eyes ist ein gefühlvolles Album, das dem Britpop huldigt. Die Texte werfen einen kritischen Blick auf verschiedene Entwicklungen der Gesellschaft und stellen Fragen, mal mehr, mal weniger offensichtlich. Statt die Segnungen der Moderne zu feiern, werden sie kritisch betrachtet und infrage gestellt, ob nicht mehr verloren geht, als gewonnen wird.

Ein Stück weit ist Gran Noir – Electronic Eyes ein Retro-Album, denn es lehnt sich deutlich an den Britpop aus Mitte der 2000er an. Trotzdem ist es modern gemacht und hat einigen Rock unter der Haube, der für meinen Geschmack etwas zu kurz kommt. Fans der langsamen, intensiven Oasis-Attitüde werden das Album lieben.

Gran Noir – Electronic Eyes erscheint am 01.09.2017 bei Ambulance Recordings / Lakedrive Records
Offizielle Website der Band

Bandseite auf Facebook

Gran Noir Tourdaten 2017

31.08.2017 – CH – Zürich, Dynamo, Release Show + special guest!
02.09.2017 – CH – Uster, Stadthofsaal, SLM Festival
12.10.2017 – DE – Stuttgart, Keller Club w/ VAN HOLZEN
13.10.2017 – DE – Augsburg, Soho Stage w/ VAN HOLZEN
14.10.2017 – DE – Berlin, Werk9 – Dreamline Fest
16.10.2017 – DE – Hamburg – Astra Stube
27.10.2017 – CH – Bern – Reitschule fest
14.12.2017 – CH – Winterthur – Albani

GRAN NOIR – Lost At Home (Official)

KEINE KOMMENTARE