Hamilton Leithauser + Rostam – I Had a Dream That You Were Mine

Rock von draußen?

Veranda-Rock ist kein offizielles Genre aber zum aktuellen Solo-Projekt von Hamilton Leithauser passt diese Beschreibung einfach wie die viel zitierte Faust aufs Auge. Leithauser ist vielen ein Begriff aus seiner Zeit bei „The Walkmen“ (2008 – 2012), während der er als bester Sänger New Yorks galt. Die Musik der Band hatte einen schleppenden, angestrengten Sound. Es klang, als wäre der band alles zu viel, als sei selbst der Griff in die Saiten zu viel Anstrengung. Der leiernde Beerdigungssound von The Walkmen wurde damals zum Inbegriff des Großstadtburnouts. 2012 löste sich die Band auf und Hamilton Leithauser entdeckte die positiven Seiten des Lebens.

Das Album „I Had a Dream That You Were Mine“ ist eine Kollaboration von Leithauser mit Rostam Batmanglij, der – oh Wunder der Choreographie – just bei Vampire Weekend ausstieg, die wiederum dem Sound von The Walkmen schon recht nahe kamen. Rostam wird nachgesagt, dass er im Studio einiges aus dem Ärmel zaubern kann und ein Händchen für das Veredeln von Sounds hat. Ich hätte jetzt eher damit gerechnet, dass Rostam in Richtung Flume oder Jaime xx geht, deshalb ist „I Had a Dream That You Were Mine“ eine ziemliche Überraschung für mich.

I Had a Dream That You Were Mine

Das Album „I Had a Dream That You Were Mine“ verbindet analoge Synthies mit Harmonikas (You Ain’t That Young Kid), Banjos (Peaceful Morning) mit dem Saxophon-Sound, den ich in einer Irischen Kneipe erwarten würde (Rough Going) und dem Chanson in der Gegend eines Leonard Cohen (In A Black Out). Es ist sehr amerikanische Musik, emotional und im Lebensgefühl einer Stadt verhaftet. Ein Gefühl von Traurigkeit schwingt mit, ein Feeling ähnlich dem Blues, ohne nach Blues zu klingen, dafür aber mit deutlichen Zügen des 50er Rock’n’Roll und einer bemerkenswerten Ehrlichkeit.

Es gibt immer wieder Alben, die versuchen, ein künstliches Feeling zu transportieren, eine synthetische Atmosphäre aufzubauen und mehr oder weniger stark auf die Tränendrüse zu drücken. Hamilton und Rostam konstruieren jedoch keine künstliche Atmosphäre, sondern meinen, was sie sagen und tun. Das Album konzentriert sich auf verlorene Liebe und solche, die nicht erwidert wurde. Es klingt nach langsam verblassenden Erinnerungen, nach schmerzhaften Erfahrungen, die langsam verheilen und doch gleichzeitig infrage stellen, ob die Protagonisten überhaupt zu einer ernsthaften Beziehung in der Lage sind.

Leithausers Stimme trägt das Flair hervorragend und Rostams Soundwork ist nicht minder bemerkenswert. Musikalisch vielleicht nicht die großartigste Erleuchtung in Sachen Next Big Thing, denn ähnliche Alben gab es schon hier und da mal, aber die Qualität der Musik hervorragend. Vom Album geht eine unbestreitbare Anziehungskraft aus, die einerseits romantische Melancholie, andererseits aber auch Entspannung und das Gefühl von endlich loslassen können transportiert. So gesehen ist „I Had a Dream That You Were Mine“ kein depressives Album, passt aber dennoch schön zur Verarbeitung einer Trennung, aber eben auch zu diesen Veranda- und Wohnzimmerabenden, bei denen man in eine unbestimmte Ferne blickt und sich daran erinnert, was war und sich gleichzeitig die Frage stellt, was gewesen wäre, wenn…

Hamilton Leithauser + Rostam – I had a dream that you were mine ist erschienen am 23.09.2016 bei Glassnote / Caroline / Universal Music

Offizielle Webseite von Hamilton und Rostam: http://www.hamiltonrostam.com/

Hamilton und Rostam auf Facebook: http://www.facebook.com/hamiltonrostam

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