Harold Budd – Wind In Lonely Fences

Diese Zeit des Jahres ist ein Fest für jeden Sammler von Compilations, Best Of, Re-releases und die obligatorischen „Die besten Weihnachtslieder von XYZ“. Die meisten Werke richten sich nicht an mich und erfreuen bestimmt andere. Mich begeistern eher Juwelen wie das Ende November erschienene Doppelalbum „Wind In Lonely Fences 1970 – 2011“ von Harold Budd.

Wer Harold Budd kennt, dem brauche ich an dieser Stelle nicht mehr viel zu sagen. Vielleicht noch, dass auf „Lirio“ verzichtet wurde, dafür aber „Bismillahi ‚Rrahman ‚Rrahim“ aus „Pavilion of Dreams“ dabei ist und natürlich das namensgebende „Wind In Lonely Fences“ mit Brian Eno und außerdem das von mir sehr geschätzte „Dark Star“. Und noch 15 weitere hervorragende Titel aus der Zeit von 1970 bis 2011. Kurz gesagt ein gelungener Querschnitt, der Kooperationen mit Brian Eno, Daniel Lanois, Robin Guthrie, Cocteau Twins, John Foxx, Andy Partridge und Ruben Garcia enthält.

Es ist schwer, die Musik von Harold Budd in wenigen Worten umfassend zu beschreiben. Es sind anspruchsvolle, teilweise sogar schwierige Werke, die immer irgendwie leicht gegen den Strom schwimmen. Seine Musik hat etwas Verführerisches an sich, ist aber immer speziell. Sie ist nicht für die Masse oder den Massenmarkt gemacht. Ich finde sie inspirierend und teils anregend kontrovers. Seine Musik war und ist maßgeblich für viele andere Künstler, speziell der Stilrichtungen electronic und minimal. Was mich besonders begeistert ist die Tatsache, dass seine Musik immer mit einer Gefühlslage harmoniert. Seine Musik klingt für mich nie nach Plastik oder Stereotype.

Die Kraft dieser Musik liegt in ihrer Ruhe, in ihrem Ausdruck, in der phänomenal zwanglosen Herausarbeitung, teils Betonung einzelner Komponenten jedes Stückes. Budd verzichtet auf Effektheischendes Beiwerk. Seine Werke sind Kunst auf hohem musikalischem Niveau und müssen sich nicht rechtfertigen, denn Budd hat mit seinen Kompositionen vielen Musikern und vielen heute „normalen“ Spielweisen erst den Weg geebnet. Wer Budd nicht kennt, aber Musik von Philip Glass, Brian Eno, Vangelis, Tangerine Dream und ähnlichen mag, der darf bei „Wind In Lonely Fences 1970 – 2011“ bedenkenlos zugreifen.

Harold Budd – Wind in Lonely Fences 1970-2011 ist erschienen am 29.11.2013 bei All Seints Records (Rough Trade)

Webseite des Künstlers: http://haroldbudd.com/

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