Health&Beauty – No Scare

Experimenteller Indie-Rock

Ein in letzter Zeit häufig gehörter Vorwurf an die Rockmusik insgesamt lautet, dass zu viel Musik so ähnlich klingt, wie… oder zu wenig inspiriert sei, zu wenig Kreativität ausgelebt wird, die Musik zu selten überrascht. Oder wie Gene Simons sagte: „Rock is dead“. Ich kann dem nur zum Teil zustimmen. Ja, es gibt eine Menge Musik, die – vorsichtig formuliert – etwas zu intensiv ihren Vorbildern nacheifert und dabei hinter dem Original zurückbleibt. Aber es gibt eben auch Bands wie Health&Beauty mit ihrem Album No Scare.

Die Band aus Chicago entstand ursprünglich als Mittel zum Zweck für Sänger und Gitarrist Brian J. Sulpizio. Brian ist auch Produzent und Toningenieur und war an Aufnahmen von Bands wie Toupee, Mines und Lechuguillas. Aber er ist eben nicht nur der Mann hinter den Reglern. Zusammen mit Jazz-Schlagzeuger Frank Rosaly und Keyboarder Ben Boye wurde aus Health&Beauty ein Trio, das seit 2012 dauerhaft zusammen spielt und sich gegenseitig hervorragend ergänzt.

Die Band spielen mit Spannung und Klangbildern, die sie konstruieren und zerlegen. Viele Songs sind komplex und teilweise auch ehrlich kompliziert. Andere wieder sind einfach nur schön, atmosphärisch, melodisch und klingen beinahe ein wenig simpel. Dabei wird der Misston, die Verzerrung, die Dissonanz zum Werkzeug, das verblüffend genial klingende Effekte erzeugt.

Ein herausragendes Beispiel dafür ist Beyond Beyoncé. Der Song beginnt wie das Ende einer Proberaum-Impro-Session, um sich nach einem an experimental-Jazz erinnernden Übergang mehr und mehr in einen beeindruckend emotionalen Song mit beeindruckender Gitarrenarbeit zu verwandeln, der sich nach und nach auflöst und dabei sogar noch mehr Stimmung aufbaut. Auch das emotionale „Im Yr Baby (for Aaron Swartz)“ zeigt beeindruckend, was man aus altbekannten Ansätzen machen kann, wenn man sie mal andersherum denkt.

No Scare

Health&Beauty – No Scare ist ein mächtiges, individuelles und eigenwilliges Album, das Indie-Rock, Folk, Country und Jazz in sich vereint. Es strotzt vor Kreativität und eigenen Gedanken und wirkt deshalb für manche vielleicht zu eigenwillig. Aber es lohnt sich, dem Album Zeit zu geben, es wirken zu lassen und sich der Musik zu öffnen, denn No Scare bringt eine Menge Frischluft mit, aus der jeder etwas für sich ziehen kann und es beweist, dass Rock eben doch noch nicht ganz so an Ende ist, wie mancher befürchtet.

Health&Beauty – No Scare erscheint am 05.08.2016 bei [PIAS] / Wichita Recordings / rough trade

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