Her Name Was Fire – Road Antics

Astreines Stoner-Debüt aus Lissabon

Ich bekomme nicht oft Musik aus Portugal auf den Tisch. Das Debüt-Album Road Antics von Her Name Was Fire ist für mich alleine schon deshalb besonders. João Campos (Vocals, Gitarre) und Tiago Lopes (Drums) gründeten die Bands 2015. João hat vorher schon mit Gula, Rejects United und Summer of Damien Musik gemacht. Tiago ebenfalls mit den Rejects United, aber auch mit Witchbreed und Parasomnia Noise. Mit Road Antics veröffentlichen sie ihr Debütalbum.

Road Antics

Während der klassische Heavy Rock und auch der ursprüngliche Stoner bei vielen Musikern als Fundament für ihre Interpretation dient, leben Her Name Was Fire diesen Stil voll aus. Road Antics klingt wie das musikalische Kind eines heißen One Night Stands von Kyuss und Queens Of The Stone Age – im besten Sinne.

Das Album ist ein großartig ausgehdehnter Roadtrip durch die brütende Sommerhitze. João und Tiago weisen die Richtung und zeichnen die Landschaft. Herrlich tief gestimmte Gitarren (Bass-Amp?) Grooven ganz in der Tradition der Väter des Genres. Die Selbstverständlichkeit und Lässigkeit, mit der die Band die Musik transportiert, ist für sich betrachtet schon beeindruckend. Aber der Sog der Musik entsteht durch mehr.

Aus der Musik strahlt einerseits die verliebte Treue zum Stil, der viel Blues und Sleaze zum Stoner hinzufügt. Andererseits ist die Musik frisch. Her Name Was Fire ist deshalb kein Tribute-Album, sondern eine ganz eigene Sache. Die Songs klingen gleichzeitig frisch, dynamisch und jung und doch auch sehr „alt“. Die Band strahlt eine beeindruckende Ruhe und Erfahrung in ihren Songs aus, die Dich schon an den Eiern packt und nicht mehr loslässt. Gleichzeitig ist die Musik wunderbar staubtrocken und strahlt eine inner Hitze aus, die richtig geil und authentisch rüberkommt.

Runter vom Sofa

Her Name Was Fire Bandshot 2017 - PolyprismaDie Songs sind unterschiedlich kompakt. Her Name Was Fire trauen sich, den meist extrem kompakten und fast schon überfordernd dichten Sound des klassischen Stoner aufzulockern. Summer Strummer mag etwas belangloser wirken, ist aber eine herrlich verspielte Referenz mit mehr als einem Augenzwinkern an die QOTSA. Mit So Long Starman schließlich legt die Band ein Brett vor, das alles hat, was man sich nur wünschen kann. Gerade dieser Song hat „es“, dieses spezielle „Ding“, das nur im Desert und Stoner so richtig zündet und funktioniert. Diese Spannung zwischen hingebungsvollem Jammern auf der einen und gnadenlosem Ballern auf der anderen Seite.

Die Melodien sind toll. Das Niveau der Musik ist durchgehend hoch und abwechslungsreich. Die Portugiesen überzeugen mal lässig rockend, mal hypnotisierend. Die Instrumentenarbeit ist makellos sauber, beinahe perfekt und bei aller Detailverliebtheit und Stitreue zu den Vorbildern doch auch irgendwie modern. Tiago am Schlagzeug ist immer wieder ein Fest. Wen es bei dieser Musik auf dem Sofa hält, hat wahrscheinlich Wachs in den Ohren. Ein perfektes Album für den Sommer.

Her Name Was Fire – Road Antics ist erschienen am bei Raging Planet / Amazing Vanilla

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HER NAME WAS FIRE – „Gone in a Haze“ [Official Video]

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